Eine Zeitreise in die eigene Kindheit ermöglichte die Rundschau-Altenhilfe mit einer Führung durch das Kölnische Stadtmuseum.
Einmol innet HännescheAltenhilfe ermöglicht Führung durchs Kölnische Stadtmuseum

Ein Höhepunkt der Führung für Seniorinnen und Senioren: Die Puppentheater-Figur des Hänneschen zum Anfassen.
Copyright: Meike Böschemeyer
„Ach, dat Hännesche!“ Da leuchten Augen auf. Eine Stunde lang haben die Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Seniorenführung aufmerksam zugehört und die Geschichte Kölns von den Römern bis in die heutige Zeit verfolgt. Jetzt kommt Leben in die Gruppe: Alle wollen einmal das Hänneschen sehen, halten oder mit ihm schäkern.
Diesen Höhepunkt hat sich Museumsführerin Irene Grünendahl-Schmitz bis zum Schluss aufgespart: Eine echte Hänneschen-Figur, ein Original aus dem berühmten Puppentheater, das unter Aufsicht sogar angefasst werden darf. „Ganz schön schwer“, merken die Frauen und Männer aus dem Deutschordens-Wohnstift in Köln-Neubrück, dem Seniorenhaus Hermann-Josef-Lascheid in Troisdorf und vom Bürgerzentrum Finkenberg. „Da sehen Sie mal, was die Puppenspieler für eine Schwerstarbeit leisten“, sagt Irene Grünendahl-Schmitz.

„Hier ist der Prinz Karneval.“ Irene Grünendahl-Schmitz erklärt ein Gemälde vom Rosenmontagszug 1836.
Copyright: Meike Böschemeyer
Vorher hat sie der Gruppe - passend zur Jahreszeit - viel über die Geschichte des Karnevals erzählt: Nachdem die Franzosen während ihrer Besatzung den Karneval verboten hatten, schlugen die Kölner nach dessen Wiedereinführung dermaßen über die Strenge, dass ein Regelwerk her musste. Die jetzt preußischen Besatzer genehmigten der Stadt für 1823 genau „drei Tage feiern und einen Aufzug“ - den ersten Rosenmontagszug.
Ein Gemälde in der Ausstellung zeigt den Rosenmontagszug, wie er 1836 aussah: Die Roten Funken laufen schon mit, es gibt einen Held Karneval, aus dem später der Prinz wird, und einen Bauern. Die beiden haben aber noch nichts miteinander zu tun: „Erst 1936, unter den Nazis, wurde daraus zusammen mit der Jungfrau das Dreigestirn,“ erklärt Irene Grünendahl-Schmitz.
Die Nationalsozialisten nahmen noch mehr Einfluss: Männer sollten unter ihrer Herrschaft keine Frauenkleider tragen - deshalb gab es 1938 und 1939 eine weibliche Jungfrau. Und auch den Part der Tanzmariechen übernahmen erstmals Frauen. Die Jungfrau spielte nach dem Krieg sofort wieder ein Mann. „Aber“, so Grünendahl-Schmitz, „die weiblichen Tanzmariechen sind geblieben.“

Auch um die Rheinschifffahrt und das Kölner Stapelrecht geht es bei der Führung.
Copyright: Meike Böschemeyer
Nach der Führung geht das Programm noch weiter: Bei Kaffee und Kuchen zeigt Anke Leyendecker vom Museumsdienst einige Museumsstücke und fragt nach damit verbundene Erinnerungen. Die Mondlandung 1969 zum Beispiel. „Der Mond ist jetzt ein Ami“ lautet die Schlagzeile in der Boulevardzeitung, die Leyendecker herumreicht. „Wir sind die ganze Nacht aufgeblieben“, erinnert sich eine Bewohnerin des Troisdorfer Seniorenhauses.
Cornelia Hochstetter und Regina Fritsch, beide 89 Jahre alt und aus dem Deutschordens-Wohnstift, haben mehr zum Thema „Erster Monatslohn“ zu sagen: „15 Mark habe ich als Hausmädchen bekommen“, erinnert sich Cornelia Hochstetter. Bei Regina Fritsch waren es in der Haushaltungslehre am Anfang fünf Mark im Monat. „Davon konnte man sich gerade mal die Absätze machen lassen und ein Stück Seife kaufen.“
Und dann sind wir wieder beim Karneval, der auch damals aktuelles Zeitgeschehen zum Thema gemacht hat: Der Orden der Altstädter, den Anke Leyendecker nun zeigt, nimmt 1968 die Mondlandung vorweg - allerdings landen dort Tünnes und Scheel und haben Kölsch dabei.

