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Klage von Umweltschützern FC hofft auf grünes Licht für Geißbockheim-Umbau im Sommer

Die Gleueler Wiese erstreckt sich parallel zum Militärring zwischen Gleueler Straße und Geißbockheim.

Die Gleueler Wiese erstreckt sich parallel zum Militärring zwischen Gleueler Straße und Geißbockheim.

Köln – Der 1. FC Köln hofft, im Laufe des nächsten Jahres von der Stadt Köln grünes Licht für die geplanten Erweiterungen am Geißbockheim zu bekommen. „Das Bebauungs- und Flächennutzungsplanverfahren dauert weiterhin an. Zurzeit gehen wir davon aus, dass wir im Laufe des dritten Quartals 2019 mit einer positiven Entscheidung rechnen können“, sagte FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle der Rundschau.

Im September hatte der FC noch gedacht, der Beschluss werde Anfang 2019 gefasst, doch das 2015 begonnene Verfahren zieht sich weiter in die Länge. Momentan werden noch Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange, wie Behörden und Verbände, eingeholt. Sie fließen, wie die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung, in den Planentwurf ein, der danach offengelegt wird. Ob der Stadtrat vor der Sommerpause 2019 darüber entscheiden werde, sei noch nicht absehbar, sagte Wehrle.

Rund 20 Millionen Euro will der FC im Grüngürtel investieren

Wie berichtet, möchte der FC für rund 20 Millionen Euro am Geißbockheim ein neues Leistungszentrum für Nachwuchsspieler bauen sowie drei zusätzliche Trainingsplätze mit Kunstrasen, die außerhalb der FC-Trainingszeiten auch für den Breitensport zugänglich sein sollen. „Außerdem hat der FC angeboten, auf seine Kosten für die öffentliche Nutzung vier Kleinspielfelder zu errichten. Das könnten aber auch Plätze für Basketball, Beachvolleyball oder andere Sportarten sein, je nachdem, was sich die Stadt hier vorstellt“, erklärte Wehrle.

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Die geplante Erweiterung im Grüngürtel.

Die geplante Erweiterung im Grüngürtel.

Gegen die Ausbaupläne regt sich starker Widerstand von Natur- und Denkmalschützern, die Eingriffe in das Landschaftsschutzgebiet Grüngürtel (siehe Beitrag auf der nächsten Seite dieses Artikels) ablehnen und mit Klagen drohen. Die ursprünglichen Pläne des FC wurden bereits reduziert. Als Teil-Ausgleich für den Flächenverbrauch auf der Gleueler Wiese soll der Sportplatz 2 rückgebaut und renaturiert werden. Außerdem soll geprüft werden, ob das Kampfbahngelände am Decksteiner Fort, das vom FC mitgenutzt wird, renaturiert werden kann.

Bürgerinitiative „Grüngürtel für alle“ will klagen

In der Ausbaufrage stehen sich Befürworter und Gegner unversöhnlich gegenüber. Der FC möchte das in die Jahre gekommene Geißbockheim modernisieren und auf einen heute üblichen Standard bringen. Im Vergleich zu anderen Bundesligisten sei man bei den Trainingsmöglichkeiten „ganz, ganz weit hinten dran“, hatte FC-Sportgeschäftsführer Armin Veh im Mai erklärt. „In die Kabine führe ich keinen neuen Spieler, bevor er nicht unterschrieben hat.“

Unsere Serie zu 70 Jahren 1. FC Köln - hier lesen

Vor drei Jahren hatte der FC den Ausbau beantragt, 2016 gab es eine Öffentlichkeitsbeteiligung. Ende 2016 beschlossen SPD, CDU und FDP im Stadtrat, die Planung für den Grüngürtel fortzuführen. Ein Antrag der Grünen, das FC-Trainingszentrum in das Gewerbegebiet Marsdorf zu verlagern, scheiterte. Wenn der fertige Bebauungsplanentwurf vorliegt, können die Bürger erneut Eingaben machen, danach entscheidet der Rat. Segnet er die Bebauung der Gleueler Wiese ab, ist das aber noch kein Startschuss für die Bagger. Die Bürgerinitiative „Grüngürtel für alle“ will vor dem Verwaltungsgericht Köln klagen – der Ausgang ist offen.

Im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens fanden auf der Gleueler Wiese unlängst Messarbeiten und Bodenuntersuchungen statt. Geplant sind auch archäologische Sondierungen zur Erkundung vorhandener Bodendenkmäler, die es bei den Planungen zu berücksichtigen gilt.

Das Landschaftsschutzgebiet „Gleueler Wiese“

Sie ist etwa 600 Meter lang und im Mittel 80 Meter breit – die Gleueler Wiese, die sich parallel zum Militärring zwischen Gleueler Straße und Geißbockheim erstreckt. Der Rheinische Verein für Denkmalpflege hat diesem besonderen Naturraum in der Stadt soeben eine kleine Publikation gewidmet.

Als Landschaftsschutzgebiet und Teil des denkmalgeschützten Äußeren Grüngürtels bietet die 4,8 Hektar große Wiese Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten. Auf dem Boden aus „bestem Ackerland“ gedeihen Wiesen-Knäuelgras, Rot-Schwingel, Rotes Straußgras, Glatthafer, Kleiner Odermennig und Gundermann, gesäumt wird die Wiese von artenreichem Laubmischwald mit hohem Rotbuchenanteil, Ahorn, Eschen und Linden und Gehölzen wie Feuerahorn, Hartriegel, Vogelkirsche und Weißdorn. Das Areal bietet ideale Lebensbedingungen für Schmetterlinge und andere Insekten sowie Vögel und Fledermäuse.

Pro Jahr könne die Wiese 42 Tonnen des Klimagases Kohlendioxid speichern, in heißen Sommern biete sie durch Verdunstung kühles Kleinklima, schreiben die Autoren in der „Rheinischen Heimatpflege“, Ausgabe 4/2018. Eine weitere Bebauung bewirke eine Fragmentierung und Versiegelung des Grünzugs, die der Artenvielfalt und dem Mikroklima schade, betont Ko-Autorin Henriette Meynen. Durch Kunstrasenplätze werde der Boden geschädigt und Mikroplastik in geschützter Natur verteilt.