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Kölner DrogenkriegVater von Kalker Drogenbanden-Chef vor Gericht

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Das Restaurant des Angeklagten in Deutz wurde an Fronleichnam 2025 bei einer herbeigeführten Explosion schwer beschädigt.

Das Restaurant des Angeklagten in Deutz wurde an Fronleichnam 2025 bei einer herbeigeführten Explosion schwer beschädigt.

Der 50-jährige Vater des mutmaßlichen Kopfs einer Kalker Drogenhändlerbande steht seit Mittwoch vor dem Landgericht. Ihm werden Beihilfe zum Cannabis-Handel und Geldwäsche vorgeworfen. 

Sohn Sermet A. (24), der mutmaßliche Kopf einer Kalker Drogenhändlerbande, die im Sommer 2024 den sogenannten Kölner Drogenkrieg mit mehreren Sprengstoffanschlägen und brutalen Geiselnahmen vom Zaun brach, steht bereits seit Dezember vor dem Landgericht. Neben einer hohen Haftstrafe könnte den 24-Jährigen auch die anschließende Sicherungsverwahrung blühen.

Glimpflicher dürfte hingegen der Vater (50) von Sermet A. davonkommen, dem seit Mittwoch vor dem Landgericht der Prozess gemacht wird. Ihm werden Beihilfe zum Handel mit Cannabis in nicht geringen Mengen sowie Geldwäsche von Einnahmen aus den Drogengeschäften des Sohnes zur Last gelegt.

Über Verteidiger Carsten Heinen ließ der 50-Jährige mitteilen, dass er zunächst zu den Vorwürfen schweige. Es sei aber beabsichtigt, dass der Mandant sich im Laufe des Verfahrens noch äußern werde.

Laut Anklage habe der 50-Jährige spätestens am 26. Juni 2024 davon erfahren, dass der Gruppierung um seinen Sohn vier Tage zuvor 350 Kilogramm Marihuana aus einer Lagerhalle in Hürth geraubt worden seien. Dem Angeklagten sei auch bewusst gewesen, dass sein Sohn „mit Nachdruck nach den Tätern suchte“, hieß es in der Anklageschrift weiter. Es war diese „nachdrückliche Suche„ - die mit vier Sprengstoffanschlägen in Köln, Duisburg und Engelskirchen und zwei brutalen Geiselnahmen in Hürth sowie in Bochum und Rodenkirchen, bei denen die Opfer jeweils schlimmste Misshandlungen erlebten — bundesweit für Schlagzeilen sorgte. „Der Angeschuldigte entschied sich, seinem Sohn und dessen Bandenmitgliedern bei der Wiederbeschaffung des Cannabis behilflich zu sein“, sagte der Staatsanwalt. Hierzu habe der Angeklagte am 26. Juni 2024 mehrere Mitglieder der Bande in sein Restaurant in Deutz einbestellt, wo sie in einem „Sitzkreis“ Platz nehmen sollten. Dann wurden sie von dem 50-Jährigen zum Verbleib des geraubten Marihuanas, das einen Wert von bis zu 1,5 Millionen Euro gehabt haben soll, befragt. Drei der einbestellten Männer — die in Parallelverfahren bereits sämtlich schuldig gesprochen und zu teilweise langjährigen Haftstrafen verurteilt wurden — sollen kurzzeitig sogar gefesselt worden sein. „Man stellte ihnen in Aussicht sie mitzunehmen“, sagte der Ankläger. Dabei sei den Beteiligten klar gewesen, dass damit eine Entführung und anschließende Folterungen gemeint waren“, machte der Staatsanwalt weiter deutlich.

Die Anklage hält auch fest, dass der 50-Jährige gewusst habe, dass Sohn Sermet in den vergangenen Jahren „seinen Lebensunterhalt ausschließlich durch den bandenmäßigen Handel mit Betäubungsmitteln und Cannabis“ finanzierte. Während der Zeit habe der Sohn „über keine legalen Einnahmequellen“ verfügt, was dem 50-jährigen Deutsch-Iraker, der in den 1990er Jahren in Bagdad Jura studierte, bekannt gewesen sei. Nach der Festnahme von Sermet A. in Paris im Oktober 2024 „übernahm der Angeschuldigte eine entscheidende Rolle bei der Abwicklung der finanziellen Verbindlichkeiten eines Sohnes“. Hierbei habe der 50-Jährige nicht nur als Ansprechpartner fungiert, sondern aktiv Bargeldsummen entgegengenommen und weitergeleitet. „Ihm war dabei bewusst, dass die Beträge der Aufrechterhaltung und Abwicklung der schwerstkriminellen Geschäfte seines Sohnes dienten“, sagte der Staatsanwalt, der die Einziehung von 317.000 Euro beantragte — Geld aus Drogengeschäften, das der 50-Jährige für seinen Sohn von Geschäftspartnern entgegengenommen haben soll.

Der Prozess wird fortgesetzt, neun weitere Verhandlungstage sind bis Ende März terminiert.