Köln – Mit Nathanael Liminski (36) tritt der Chef der Staatskanzlei NRW bei der Landtagswahl am 15. Mai für die CDU im Wahlkreis 15 an, der den Stadtbezirk Ehrenfeld und Teile von Nippes und Lindenthal umfasst. Michael Fuchs sprach mit ihm.
Wie kam es zu Ihrer Kandidatur in Köln? Sie wollten sich ja zuerst in Sankt Augustin aufstellen lassen, sind dort aber gegen den örtlichen CDU-Chef gescheitert.
Ich bin in Sankt Augustin aufgewachsen, habe dort sehr kurzfristig kandidiert und knapp verloren. Danach wurde ich von den CDU-Vorsitzenden der Stadtbezirke Ehrenfeld, Nippes und Lindenthal gefragt, ob ich mir eine Kandidatur im Wahlkreis 15 vorstellen kann. Mit Bernd Petelkau (Chef des CDU-Bezirks Lindenthal, Anm. d. Red.) habe ich schon Themen aus dem Kulturbereich wie das c/o pop Festival bearbeitet und vorangetrieben, die auch Ehrenfeld betrafen. Von daher gibt es inhaltliche Bezüge. Es ist ein vielfältiger Wahlkreis und eine sehr lebenswerte Gegend. Bedingung war, dass mich alle drei CDU-Bezirke unterstützen. Das war der Fall.
Sie wohnen in Düsseldorf-Benrath, kamen in Sankt Augustin nicht zum Zug, jetzt also Ehrenfeld. Da könnte man Ihnen vorwerfen, es sei Ihnen egal, wo sie kandidieren.
Den Vorwurf könnte man machen, wenn ich es selbst aktiv betrieben hätte. Ich wurde aber angesprochen, von daher ist die Lage etwas anders. Ich glaube, dass der Wahlkreis und ich besser zusammenpassen, als mancher denkt. In Ehrenfeld und Nippes leben viele junge Familien. Ich bin selbst junger Familienvater, meine Frau und ich haben vier Kinder. Ich kenne die Lebensrealität junger Familien in diesem Land. Zudem verantworte ich in der Landesregierung die Medienpolitik. Dazu gehören Themen wie Kino- und Filmförderung, aber auch Games-Förderung, die alle auch Bezüge zu Ehrenfeld haben. Dann das Thema gesellschaftlicher Zusammenhalt, die Frage, wie gehen wir mit unterschiedlichen Kulturen, Religionen, Zuwanderungsbiografien und sozialen Realitäten um, wie führen wir das zu einem großen Wir zusammen – das sind Fragen, mit denen ich mich als Chef der Staatskanzlei beschäftige. Insofern gibt es da viele Berührungspunkte.
Der Wahlkreis Ehrenfeld/Nippes ist für die CDU kaum zu gewinnen. 2017 erzielte sie hier ihr schlechtestes Ergebnis in Köln. Haben Sie diesen Wahlkreis nur genommen, um einen guten Platz auf der CDU-Landesliste zu erhalten?
Es freut mich, dass ich auf der vom Landesvorstand verabschiedeten Liste einen aussichtsreichen Platz zugewiesen bekommen habe. Ich glaube, dass ich für den Wahlkreis ein starker Anwalt in Düsseldorf sein kann, der hier effektiv Dinge erreichen kann für die Menschen in Ehrenfeld und Nippes. Ich werde einen engagierten Wahlkampf führen und die Themen, die für diesen Wahlkreis wichtig sind, selbst herausstellen und im Wettbewerb mit den anderen Kandidaten diskutieren. Davon können Ehrenfeld und Nippes nur profitieren.
Zur Person
1985 wurde Nathanael Liminski in Bonn geboren. Er wuchs in Hangelar in einem katholischen Elternhaus mit sieben älteren und zwei jüngeren Geschwistern auf. Sein Vater, der 2021 verstorbene konservative Publizist Jürgen Liminski , war Mitglied in der umstrittenen katholischen Organisation Opus Dei. Seine Mutter stammt aus der Bretagne.
Nach seinem Studium der Geschichte, Politikwissenschaft und Staatsrechtslehre in Bonn begann Liminski 2010 in der hessischen Staatskanzlei als Redenschreiber von Roland Koch. 2011 wechselte er ins Verteidigungsministerium, Anfang 2014 folgte er Thomas de Maizière ins Innenministerium. Im selben Jahr machte ihn Armin Laschet, damals CDU-Oppositionsführer in Düsseldorf, zu seinem Stabschef und Büroleiter. Nach seinem Wahlsieg berief Laschet seinen Vertrauten im Juni 2017 zum Chef der Staatskanzlei.
2020 setzte das Medienmagazin Kress pro Liminski auf Platz 2 der „20 mächtigsten Strippenzieher in den Medien“. Seit 2017 ist er Medienstaatssekretär in NRW. Er gilt als Architekt von Laschets Wahlsieg 2017 und seiner Wahl zum CDU-Chef 2021. Nach der verlorenen Bundestagswahl folgte Liminski Laschet nicht nach Berlin, sondern blieb in Düsseldorf. (fu)
Hat die CDU eine Chance, diesen Wahlkreis zu gewinnen?
Eine Chance hat man immer. Ich glaube, dass es der CDU gut zu Gesicht steht, auch in Gebieten, die nicht als CDU-Hochburgen gelten, Flagge zu zeigen, Gesicht zu zeigen und ihre Position zu vertreten. Und das werde ich tun.
Sie sind öffentlich bisher kaum in Erscheinung getreten, bewegen sich meist im Hintergrund.
Das ist mein Selbstverständnis als Chef der Staatskanzlei. Man hat in diesem Amt dafür zu sorgen, dass der Ministerpräsident alles hat, was er für seine Aufgaben braucht. Dass die Regierung in sich abgestimmt läuft.
Besonders bekannt sind Sie in Köln nicht…
Das stimmt. Aber das kann man ja ändern.
Wie wollen Sie mit Ihrem vollen Terminkalender noch Zeit für den Wahlkampf finden?
Ich bin dabei, mein Team zusammenzustellen, und erlebe ein starkes Engagement in der CDU vor Ort. Viele sehen meine Kandidatur als eine Chance. Ich freue mich darauf, vor Ort präsent zu sein, auf den Austausch mit Familien, mit Einzelhändlern, sozialen Einrichtungen. Wir planen alle denkbaren Formate, wollen das aber zeitlich nahe an die Wahl rücken. Ich denke, die Menschen wünschen sich momentan von der Politik vor allem, dass sie ihre Arbeit macht. Klar ist auch: Ich muss, will und werde mein Amt in Düsseldorf weiter ausfüllen. Beides zusammenzubringen ist zweifellos anspruchsvoll. Da ist es hilfreich, dass es von Benrath nach Ehrenfeld nicht sehr weit ist.
Sie gelten als sehr konservativ, werden mitunter als christlicher Fundamentalist etikettiert. Wie beschreiben Sie Ihre politische Linie selbst?
Ich glaube, ich bin CDU im besten Sinne. Manches Attribut, das einem zugeschrieben wird, ist sehr klischeehaft zugespitzt. Ich denke, man kann mich am besten einschätzen, wenn man mich an den Taten misst. Wenn es stimmt, was viele sagen, dass die Regierungspolitik nicht unwesentlich auch vom Chef der Staatskanzlei koordiniert wird, dann kann man mich ja an dem messen, was diese Landesregierung, diese Koalition seit 2017 erreicht hat. Das kann sich sehen lassen, denke ich – nicht nur in Kernthemen wie Schule, Innere Sicherheit und Wirtschaft, sondern etwa auch bei gesellschaftlicher Vielfalt. Hören Sie mal bei LSBTIQ-Verbänden nach – da haben wir als CDU gemeinsam mit dem zuständigen FDP-Minister Joachim Stamp mehr erreicht als viele, die sonst nur viel darüber reden. Insofern sehe ich über manche klischeehafte Zuschreibung zu meiner Person gelassen hinweg.
Im Wahlkampf werden gerne alte „Sünden“ aufgewärmt. Ist Ihre Aussage von 2007, mancher Homosexuelle täte Ihnen leid, eine Hypothek für Sie – gerade in Köln? Im Bundestagswahlkampf 2021 gab es ja noch Angriffe der SPD auf Sie.
Ich setze auf die persönliche Begegnung. Wenn man in den persönlichen Austausch geht, fallen solche Klischees in sich zusammen. Ich hoffe auf einen fairen Wahlkampf und setze darauf, dass die SPD ihre Fehler aus dem Bundestagswahlkampf nicht wiederholt.
Sie entstammen einer sehr kinderreichen Familie, haben selbst vier Kinder. Sehen Sie das traditionelle Familienbild durch die Politik der Ampel-Koalition in Gefahr?
Das Wichtigste ist, dass wir Familien in die Lage versetzen, dem Familienmodell nachzugehen, das sie selber leben möchten. Die Vielfalt ist zweifellos größer geworden. Politik tut deshalb gut daran, sich an dieser Stelle zurückzunehmen. Das gilt in die eine wie in die andere Richtung. Jede Frage, die im Bereich der Familien- und Gesellschaftspolitik vorangetrieben wird, muss immer wohlbedacht daraufhin sein, ob man damit zu Spaltung und Polarisierung beiträgt oder ob man damit jungen Familien, jungen Eltern und ihren Kindern das Leben erleichtert. Das ist mein Kompass, den vertrete ich persönlich und dort, wo ich politisch Verantwortung trage.
Was ist Ihre Alternative, falls Sie nicht in den Landtag gewählt werden?
Ich weiß, dass ich am 16. Mai froh sein werde, meinen Anteil geleistet zu haben zum Ergebnis der NRW-CDU, der Kölner CDU und zur Vertretung des Wahlkreises Ehrenfeld/Nippes. Ob das auch zum Ergebnis hat, dass ich Mitglied des Landtags werde, wird man sehen. Ich habe in dieser Legislaturperiode auch ohne Mandat zum Erfolg der Landesregierung beigetragen. Das wäre erneut denkbar. Und falls selbst das nicht der Fall wäre, habe ich mit Blick auf die Ausbildung, die ich genießen durfte, nicht die Sorge, dass ich ins Bergfreie falle. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir mit unserem Ministerpräsidenten Hendrik Wüst die Wahl gewinnen und ich in der nächsten CDU-geführten Landesregierung meinen Beitrag für ein stärkeres Nordrhein-Westfalen, Köln und Ehrenfeld/Nippes leisten kann. An welcher Stelle, wird man dann sehen.

