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Arbeiten begannen 2017Fertigstellung der Bonner Straße verschiebt sich erneut - Elf Jahre für den Umbau

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Baken und Absperrungen soweit das Auge reicht: In Bayenthal ist das seit Jahren Alltag.

Baken und Absperrungen soweit das Auge reicht: In Bayenthal ist das seit Jahren Alltag.

Eigentlich sollten ab 2025 schon KVB-Bahnen auf der Bonner Straße fahren. Nun steht ein neuer Termin im Raum.

Wie die Bonner Straße ohne Bagger, rot-weiße Absperrungen und ausgehobene Baugruben aussieht, weiß fast niemand mehr – so lange befindet sich die ehemalige Hauptverkehrsader im Süden der Stadt bereits im Ausnahmezustand. Schon fast vier Jahre umfahren Autofahrer die an manchen Stellen nur einspurig befahrbare Bonner Straße komplett. Und das wird auch noch so bleiben: Ihre Fertigstellung verschiebt sich laut Stadt nun erneut um mindestens ein Jahr nach hinten – bis ins Jahr 2028. Die Arbeiten hatten 2017 begonnen. Eigentlich sollten ab 2025 hier schon KVB-Bahnen fahren.

Anwohner und Händler haben sich mehr oder weniger zähneknirschend an das „Sperrballett“ auf der Straße gewöhnt. Wer einen Bauarbeiter fragt, wann man endlich fertig werde, bekommt schon mal zu hören: „Diese Frage hören wir hier gar nicht gerne.“ Insgesamt zwölf Jahre (!) werden die Arbeiten gedauert haben, wenn es mit der geplanten Fertigstellung 2029 klappen sollte. Daran haben Anwohner so ihre Zweifel. „Derzeit passiert hier eigentlich gar nichts“, sagt Marcus Hebborn, der auf der Bonner Straße wohnt und im Fahrradgeschäft an der Kreuzung zur Schönhauser Straße arbeitet. Die hat sich längst zum gefühlten Unfallschwerpunkt entwickelt. „Hier knallt es regelmäßig“, sagt Hebborn, das Abbiegeverbot von der Bonner Straße aus werde eher als Empfehlung wahrgenommen. „Die Polizei könnte hier am besten eine eigene Wache aufmachen.“ Vor der Tür des Radgeschäfts wurde der Gehweg gleich mehrfach gepflastert – die Schwellenhöhe passte nicht. Über Jahre lag das Geschäft gut abgeschirmt vom Baustellenbereich. „Jetzt kommen die Kunden wieder gut zu uns“, sagt Hebborn.

Die Kreuzung Schönhauser Straße ist seit langem ein Engpass. Autofahrer ignorieren immer wieder das Abbiegeverbot.

Die Kreuzung Schönhauser Straße ist seit langem ein Engpass. Autofahrer ignorieren immer wieder das Abbiegeverbot.

Allein die Kosten für die multiplen Absperrungen sind auch aufgrund der Länge der Bauzeit enorm. Nach Auskunft der Stadt zahlt die Stadt pro Monat eine Pauschale von rund 80.000 Euro für die Baken, die wie in einer geheimen Choreografie immer wieder verrückt werden – und das seit Jahren. Die Kosten allein für die Errichtung des Sperrwaldes betragen mehrere Millionen Euro.

Inbetriebnahme der Stadtbahn für 2029 angestrebt

Die Baustelle der 3. Baustufe der Nord-Süd-Stadtbahn ist in mehrere Abschnitte unterteilt: Sie schließt oberirdisch an die noch nicht in Betrieb genommene Haltestelle „Marktstraße“ an und verläuft in der Mitte der Bonner Straße auf 2,1 Kilometern Länge bis zum Verteilerkreis Süd bis zur geplanten Endhaltestelle „Arnoldshöhe“. Insgesamt entstehen hier vier Haltestellen mit Mittelbahnsteigen. Dafür muss gebaggert werden: Laut Stadt wurden bisher insgesamt 105.500 Tonnen Bodenmaterial abgefahren, was rund 4220 Lkw-Transporten entspreche.

„Nach aktuellem Stand werden die baulichen Maßnahmen für den Straßenbereich auf der Bonner Straße, anstatt wie bisher vorgesehen Ende 2027, voraussichtlich im Jahr 2028 bis auf Restarbeiten abgeschlossen sein“, teilt die Stadt mit. Die Fertigstellung der Gleisanlage und die Inbetriebnahme der Stadtbahn durch die KVB werde für 2029 angestrebt.

Die Haltestelle Marktstraße muss für den Betrieb hergerichtet werden.

Die Haltestelle Marktstraße muss für den Betrieb hergerichtet werden.

Ein Blick zurück: Im Dezember 2013 hatte der Stadtrat beschlossen, die 3. Baustufe der Nord-Süd-Stadtbahn von der Haltestelle Marktstraße über die Bonner Straße bis zum Verteilerkreis so zu realisieren. Verschiedene Varianten wurden der Politik bereits 2008 vorgelegt. Zweieinhalb Jahre später, im April 2016, lag der Planfeststellungsbeschluss der Bezirksregierung Köln vor. Dennoch sollte es noch weitere fünf Jahre bis zum Baubeginn dauern: Wegen zwei Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss mussten die für das Projekt erforderlichen Fällungen von rund 230 Bäumen mehrfach verschoben werden. Bis Anfang 2018 wurden die Bäume gefällt, und bis Ende 2019 eine neue Trinkwassertransportleitung gebaut.

2021 konnte dann mit den Arbeiten an Straße und Gleisen begonnen werden – doch auch hier gab es Verzögerungen. Im Frühjahr und Sommer 2022 wurden drei 250 Kilogramm schwere Fliegerbomben gefunden. Um weitere Verdachtspunkte zu untersuchen, wurden die Arbeiten erneut unterbrochen. Kleinteilig wird sich dabei vorgearbeitet – rund 270 Verdachtspunkte wurden ausgemacht. Gebaggert werden darf erst, wenn der Boden zuvor sondiert wurde. 2023 wurden drei weitere Bomben gefunden. Das habe den Bauprozess „erheblich verzögert“, so die Stadt, und sei der Grund für die später als geplante Fertigstellung.

Gas- und Wasserleitungen fast fertig

In einer Vorlage teilt die Stadtverwaltung den aktuellen Stand der Bauarbeiten mit. Im September 2025 wurden die Gleistragplatten und Schienen an der Kreuzung Bonner Straße/Raderberggürtel eingebaut. Zwei von insgesamt 85 Fahrleitungsmasten auf der Bonner Straße wurden aufgestellt. Rund 20.000 Quadratmeter Straße wurden weitgehend fertiggestellt, darunter die Fahrbahn auf der Ost- und Westseite zwischen Marktstraße und Gürtel sowie die Ostseite weiter südlich. Es werde in allen Bauabschnitten gearbeitet, betonte die Stadt. Von insgesamt 263 Sinkkästen zur Straßenentwässerung wurden bislang rund 235 Stück hergestellt. Fast fertig sind Gas- und Wasserleitungen: Von 3390 Metern geplanter Gasleitungen wurde 3300 Meter installiert, 3380 Meter neue Wasserleitungen von geplanten 3460 Metern wurden gebaut. Weiter wurden insgesamt 7000 Quadratmeter Pflaster neu verlegt, für die spätere Begrünung wurden 95 neue Baumpflanzgruben hergestellt.

Trotzdem bleibe die Verkehrssituation, wie sie ist: Zwischen Gürtel und Schönhauser Straße werde die Bonner Straße weiterhin nur als Einbahnstraße in Richtung Innenstadt befahrbar sein. Der Bereich werde erst gegen Ende der Baumaßnahme in beide Fahrtrichtungen öffnen können, so die Stadt.

Auch wenn die Bonner Straße noch längst nicht fertig ist, wird bereits der nächste Bauabschnitt geplant: Auf rund 150 Metern zwischen der Haltestelle Arnoldshöhe und dem Verteilerkreis muss die Fahrbahn angepasst werden, außerdem ist eine Buswendeschleife geplant. Bevor für die Verlängerung der Bahnlinie über Rondorf bis nach Meschenich eine Brücke über den Verteilerkreis gebaut wird, soll es dort eine Übergangslösung geben. Hierfür werden temporäre Bushaltestellen eingerichtet. Auch an dem Plan, eine P+R-Palette, also ein Park-and-Ride-Parkhaus, an der Endhaltestelle zu bauen, wird festgehalten.