In Ehrenfeld ist der alte Bezirksbürgermeister auch der neue: Volker Spelthann wurde im Amt bestätigt. Die Grünen sind mit 31 Prozent weiterhin stärkste Kraft.
Bezirksbürgermeister EhrenfeldVolker Spelthann wurde erneut gewählt

Nach der Wahl: Bezirksbürgermeister Volker Spelthann (2. v. r.) mit seinen Stellvertretern Ulrike Detjen, Udo Hanselmann und Simone Schäfer (v.l.).
Copyright: Hans-Willi Hermans
Als die Ehrenfelder Bezirksvertretung (BV) auf ihrer konstituierenden ersten Sitzung nach der Kommunalwahl den Bezirksbürgermeister für die kommenden fünf Jahre wählte, fiel die Entscheidung eindeutig aus: Der Alte ist der Neue. Volker Spelthann von Bündnis 90/Die Grünen, Bezirksbürgermeister seit 2020, erhielt bei einer Enthaltung 17 der 18 abgegebenen Stimmen. Stimmberechtigt sind 19 Mandatsträger, auf der konstituierenden Sitzung fehlte allerdings ein Mitglied der zweiköpfigen AfD-Fraktion.
Wenig überraschend war das Wahlergebnis auch deshalb, weil sich die Fraktionen von Bündnis 90/ die Grünen, SPD, Die Linke und CDU vor der Sitzung auf einen gemeinsamen Wahlvorschlag geeinigt hatten. Neben Spelthann als Bezirksbürgermeister standen Udo Hanselmann (SPD) als sein erster Stellvertreter, Ulrike Detjen (Die Linke) als zweite sowie Simone Schäfer (CDU) als dritte Stellvertreterin auf der Vorschlags-Liste, über die im Ganzen abgestimmt wurde.

Der alte und neue Bezirksbürgermeister Volker Spelthann bei der Stimmabgabe
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Diese Rangfolge spiegelt die Mehrheitsverhältnisse in der neu gewählten BV wider: Die Grünen sind mit 31,6 Prozent der Stimmen und sechs Sitzen trotz eines Minus von mehr als vier Prozent gegenüber 2020 immer noch die stärkste Fraktion in der BV. Die SPD musste mit mehr als sieben Prozent noch herbere Verluste hinnehmen, bleibt aber zweitstärkste Fraktion (17,17 Prozent, vier Sitze). Erstmals hat Die Linke in der Ehrenfelder BV den Posten einer stellvertretenden Bezirksbürgermeisterin inne, sie konnte sich mit einem Plus von mehr als sieben Prozent auf 16,36 Prozent der Stimmen und drei BV-Sitzen deutlich verbessern. Die CDU erlitt zwar kaum Verluste, ist mit 11,76 Prozent der Stimmen aber nur noch viertstärkste Kraft. Sie hat wieder zwei Sitze - genauso viele wie die AfD, die aber nur 7,45 Prozent der Stimmen erhielt.
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Altersvorsitzende Marlis Pöttgen leitete die konstituierende Sitzung
Weil in Ehrenfeld selten Koalitionen gebildet werden und der stärksten Fraktion traditionell das Amt des Bezirksbürgermeisters zugestanden wird, herrschten im Vorfeld der konstituierenden Sitzung kaum Zweifel, dass Volker Spelthann auch in den kommenden fünf Jahren an der Spitze stehen würde. Dennoch sprach er nach der Wahl von einem „emotionalen Moment“ und von einem „großen Vertrauensvorschuss“, den die einstimmige Wahl bedeute.
Spelthann betonte, dass der Bezirk vor „herausfordernden Jahren“ stehe und die anstehenden Probleme „sozial, ökologisch und solidarisch“ angegangen werden müssten. Diverse Bauprojekte müssten vorangebracht oder zu Ende geführt werden, „Wohnungen für jedes Portemonnaie“ geschaffen und Kultureinrichtungen gesichert werden. Für die jüngere Generation müssten ausreichend Schulplätze und die „bestmöglichen Lern-, Spiel- und Sportbedingungen bereitgestellt werden.
Bis zur Wahl von Volker Spelthann und seiner feierlichen Verpflichtung auf das Wohl des Bezirks, die die übrigen Bezirksvertreter anschließend ebenfalls gelobten, hatte Marlis Pöttgen (FDP) die Sitzung als Altersvorsitzende geleitet. Schließlich ist sie seit der Wahlperiode 1999-2004 ohne Unterbrechung BV-Mitglied. „Als echtes Ehrenfelder Mädel“ sei ihr die Sitzungsleitung eine Ehre gewesen, sagte sie in einer kurzen Ansprache, und hob hervor, wie wichtig die Arbeit der Bezirksvertreter sei. Weil sie nah den Bürgern seien, auch mit ihren Entscheidungen. Bei allen Diskussionen sollten sie die Werte der Demokratie stets hochhalten und eines nicht vergessen: „Diversität prägt Ehrenfeld und macht es lebenswert.“

