Auch wenn sich der Einzug ins neue Schulgebäude in Ehrenfeld verzögert: Die Heliosschule nutzt das Interim in Vogelsang gut.
Schule in Köln-EhrenfeldWie in der Heliosschule trotz acht Jahren Interim gelernt wird

In Bewegung bleiben die Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule der Heliosschule.
Copyright: Meike Böschemeyer
Es gibt Schülerinnen und Schüler an der Heliosschule, die dort ihren Abschluss gemacht haben, das eigentliche Schulgebäude jedoch nie betreten haben. Seit acht Jahren befinden sich die Grund- und Gesamtschule im Interim. 2019 fand der Spatenstich für das neue Gebäude in Ehrenfeld statt. „Auch wenn wir seit Jahren Verständnis für Probleme bei einem Bau haben, ändert das nichts an den Belastungen, die dadurch bei uns verursacht worden sind und immer noch werden“, schreibt Schülersprecherin Leyla Onur jetzt in einem Brief an den neuen OB Torsten Burmester, mit der Bitte, den Bau des Schulgebäudes zur Chefsache zu machen.
Onur schildert den Alltag der Schüler: Sie seien beinahe jedes Jahr umgezogen und so ständig wechselnde Lernumgebungen. „Wir wurden von den Jahrgängen unter und über uns getrennt, in denen wir wegen der Doppeljahrgängen enge Freundschaften geschlossen haben. Wir lernten teilweise draußen, also unter freiem Himmel, weil wir keine Räumlichkeiten hatten“, schildert es die Zehntklässlerin. Eltern sowie Schülerinnen und Schüler der Heliosschule haben deshalb für Donnerstag, 13. November, eine Demonstration angekündigt. Die Initiative „Heliosschule jetzt!“ fordet unter anderem kindgerechte und gesunde Räumlichkeiten. Start der Demo ist um 14.45 Uhr am Bahnhofsvorplatz, sie endet vor dem Spanischen Bau.
Auch wenn sich der Einzug ins neue Schulgebäude in Ehrenfeld verzögert: Die Heliosschule nutzt das Interim in Vogelsang gut. Wer am Übergangsstandort der Gesamtschule Heliosschule lernt oder lehrt, muss sich tüchtig bewegen. Auf drei Etagen sind offene Lernlandschaften in dem Bürogebäude. „Wir probieren hier eine Menge aus, bevor wir an unseren Standort in Ehrenfeld ziehen“, sagt Gesamtschulleiter Andreas Niessen.
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Lennard Spanuth ist Lehrer für Mathematik und Sport an der Heliosschule.
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Seitdem die Rheinische Musikschule ihre Etagen im Interim Am Wassermann in Vogelsang verlassen hat, stehen der Heliosschule seit dem Schuljahr 2025/26 mehr Räume zur Verfügung. Es wurden offene Lernlandschaften eingerichtet, die auch als Labor- und Experimentierfeld genutzt werden.
Barhocker, Sofalandschaften, Einzelpults, Stehtische, Rundecken, Sitzsäcke, lange oder kurze Tische, Stapelstühle und runde niedrige Sitzgelegenheiten für mehrere Menschen gleichzeitig - es gibt unzähliges unterschiedliches Mobiliar. „Die langen Tische haben sich schon als nicht so günstig erwiesen“, sagt Lennard Spanuth, Koordinator der Erprobungsstufe.

Selbstorganisation in zentral im Konzept der Heliosschule.
Copyright: Meike Böschemeyer
In einem kleinen Raum mit Einzeltischen und Schallschutzwänden dazwischen sitzen drei 17-Jährige Mädchen. Eine bereitet eine Präsentation vor, die anderen lernen für eine Geschichtsklausur. „Wir lenken uns nicht gegenseitig ab“, sagt eines der Mädchen. Sie alle haben die Befähigung, eigenständig zu lernen und sich ihre Lernumgebung zu wählen. Ihr Lernkosmos in der Sprache der Heliosschule: die „Welt“.

Im Ruheraum ist der Name Programm.
Copyright: Meike Böschemeyer
Bildhafte und sehr spezielle Bezeichnungen gehören zum Alltag in der Heliosschule, um individuell zu schauen, wo und wie man selbst am besten lernen kann. „Wir nennen das selbstgesteuerte Lernen das Segelkonzept“, sagt Spanuth. Wer in der Lernumgebung „Hafen“ lernt, ist sehr angedockt an die Lehrperson, aber auch an einen festen Ort, an dem Orientierung und Struktur möglich ist. Darüber hinaus gibt es die Umgebungen „Küste“, „Meer“ und „Welt“.

Gesamtschulleiter an der Heliosschule ist Andreas Niessen.
Copyright: Diana Haß
Bindung als grundlegend für den Lernerfolg - Lehrkräfte werden geduzt
Als inklusive Universitätsschule will die Heliosschule neue Wege im Lehren und Lernen erproben und erforschen. Dazu gehört auch ein spezielles Grundverständnis. Im Prinzip ist es so: Bindung ist grundlegend, um sich wohl zu fühlen und nur, wer sich wohlfühlt, ist in der Lage, optimal zu lernen. Dass die Schülerinnen und Schüler ihre Lehrkräfte, die sich als Lernbegleitung definieren und bezeichnen, duzen, ist folgerichtig in dem Konzept.„Ich finde das gut. Das gibt eine persönlichere Ebene und ich fühle mich ernst genommen“, sagt ein 18-Jähriger.

Verschiedenes Mobiliar wird an der Schule ausprobiert.
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„Jede Lernbegleitung hat an dieser Schule immer auch einen Teil seines Deputats in Einzelgesprächen. Das nennen wir Lernberatung“, erläutert Spanuth. In den Gesprächen geht es darum, ganzheitlich über das individuelle Lernen zu sprechen. „Dabei kommen ja ganz viele Dinge zusammen. Auch Gefühlswelten oder Probleme zu Hause haben einen Einfluss auf das Lernen“, weiß der Lehrer. Man komme in den Gesprächen immer einen Schritt weiter. „Nicht auf einer fachlichen Ebene, sondern auf einer Selbststeuerungskompetenz-Ebene. So, dass die Schülerinnen und Schüler wieder mehr die Fähigkeit verspüren, sich in einzelne Fächer reinzuarbeiten“, erklärt Spanuth und schiebt spontan hinterher: „Ich glaube, es ist etwas ganz Besonderes, was wir hier machen.“ Er sei „maximal motiviert“.
Schule ist sehr begehrt - bei Eltern und Lehrkräften
Sein Kollege Cornelius von Widdern sieht das ähnlich und beurteilt es als sehr befriedigend. „Wir haben sehr viele Bewerbungen von Menschen, die bei uns arbeiten wollen“, sagt Schulleiter Niessen. Auf Schülerseite sieht es ähnlich aus. Einen Platz an der Schule zu bekommen, ist nicht einfach. Fast 90 Kinder, die in die fünfte Klasse wechseln wollten, wurden zum Schuljahr 2025/26 abgelehnt. 108 wurden aufgenommen.

Lernumgebung selbst suchen: das machen die Schülerinnen und Schüler hier.
Copyright: Meike Böschemeyer
„Gerade in den Klassen Fünf bis Zehn sind zahlreiche Kinder mit ausgewiesenem Förderbedarf. Sie werden ganz zieldifferent unterrichtet“, sagt Spanuth. Dafür gibt es an der Heliosschule ein multiprofessionelles Team, zu dem neben Pädagogen auch Sozialarbeitende gehören. Durch die enge Zusammenarbeit mit der Montagstiftung gibt es viel personelle Unterstützung. Gleichgültig, welchen Abschluss eine Schülerin oder ein Schüler auf der Helios-Gesamtschule erwirbt, ein Ziel sollen sie alle möglichst erreichen. Spanuth formuliert es so: „Sie sollen die Möglichkeit haben, sich so zu entfalten, dass sie am Ende mündig und selbstständig sind.“
Zum Schuljahr 2027/28 soll, Stand jetzt, der Umzug der Heliosschule in das neue Gebäude an der Venloer Straße in Ehrenfeld erfolgen. Die Fertigstellung hatte sich (wie berichtet) wegen verschiedener Probleme mehrmals verschoben.
Acht Jahre dauert die Übergangslösung bei der Heliosschule bisher. So lange werden die Schülerinnen und Schüler der zugehörigen Grund- und Gesamtschule in wechselnden Interims unterrichtet.
11 000 Quadratmeter misst das Areal, auf dem die Heliosschule gebaut wird. Es handelt sich um ein ehemaliges Industriegelände zwischen der alten Rheinlandhalle und dem ehemaligen Standort des Clubs Underground in Ehrenfeld.
Das Richtfest fand im Mai 2022 statt. 21 000 Quadratmeter Nutzfläche werden gebaut. Sie verteilen sich auf eine städtische Grund- und Gesamtschule im Ganztagsbetrieb sowie eine Ein- und eine Dreifeldsporthalle.
