Nach BestechungsvorwurfSicherheitskräfte an Zülpicher Straße sind jetzt nummeriert

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Am vergangenen 11.11 wurde die Zülpicher Straße schon früh gesperrt

Am vergangenen 11.11 wurde die Zülpicher Straße schon früh gesperrt

Wer einen Geldschein reichte, kam noch ein rein in die gesperrte Zülpicher Straße, so zeigen es Videos von Augenzeugen. In diesem Jahr sollen die Bestechungsversuche mit einer einfachen Gegenmaßnahme unterbunden werden.

Die Stadt Köln hat im Vorfeld von Weiberfastnacht ihr Sicherheitskonzept an der Partymeile an der Zülpicher Straße in Teilen überarbeitet. Bei den Feierlichkeiten am Elften im Elften sollen Sicherheitskräfte an den Einlässen zur Partyzone die Hand aufgehalten und Bargeld kassiert haben. Wer zahlte, soll schneller in den Bereich gekommen sein.

Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt seit Monaten in dem Fall wegen des Verdachts der Bestechlichkeit. Wie die Stadt auf Anfrage der Rundschau mitteilte, erhalten Sicherheitskräfte nun durchnummerierte Westen, sodass Feierende oder Anwohner bei Feststellungen irgendwelcher Art lediglich die Nummer übermitteln müssen.

„Die Hemmschwelle wird erhöht“

Dies ist eine Neuerung im Konzept. „Eine Zuordnung zu konkreten Personen ist dann für die Stadt und den Dienstleister einwandfrei möglich“, sagte eine Stadtsprecherin und ergänzte: „ Dies wissen auch die Sicherheitskräfte, wodurch die Hemmschwelle für mögliches Fehlverhalten erheblich erhöht wird“. Besondere Schulungen nach den Vorfällen am 11.11. gibt es für das Sicherheitspersonal nicht. Die Anweisungen für jeden Kontroll- oder Sperrpunkt seien noch einmal detaillierter verfasst, so die Stadt. An Weiberfastnacht werden rund 600 Sicherheitskräfte Servicepersonal benötigt. Hinzu kommen rund 40 Mitarbeiter der zuständige Agentur, die für die bauliche Absicherung, Einsatz an Sperren, deren Umbau oder zusätzliche Baumaßnahmen in ständiger Bereitschaft sind. Am Rosenmontag werden etwa 230 Kräfte im Einsatz sein. 

Ermittlungen laufen noch

In Sachen der mutmaßlich bestechlichen Sicherheitskräfte laufen Ermittlungen gegen mehrere Beschuldigte. Wie viele genau, das wollte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft aus „ermittlungstaktischen Gründen“ auf Anfrage der Rundschau am Donnerstag nicht mitteilen. Das Kwartier Latäng war am 11.11. wegen Überfüllung zeitweise über Stunden dicht, niemand durfte rein. An manchen Sperrstellen aber sollen die Beschuldigten Feiernde gegen Geld durchgewunken haben.

Auf einem Video, das ein Augenzeuge beispielsweise an der Engelbertstraße aufgenommen hatte, ist zu erkennen, wie ein Ordner in gelber Warnweste einen Fünf-Euro-Schein von einem kostümierten Jeck entgegennimmt und ihn passieren lässt. Über eine finanzielle Größenordnung wurden keine Angaben gemacht. Wann die Ermittlungen abgeschlossen werden, konnte die Sprecherin der Anklagebehörde nicht mitteilen. „Es werden Arbeitsverträge und geschäftliche Unterlagen gesichtet“, hieß es weiter.

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