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Innovativer Müllsammler Krake e.V. präsentiert Miniroboter im Aachener Weiher

Der Name Jellyfishbot leitet sich aus der englischen Bezeichnung für Qualle und einem Roboter ab.

Der Name Jellyfishbot leitet sich aus der englischen Bezeichnung für Qualle und einem Roboter ab.

Köln – Misstrauisch beäugt die Nil-Gans den orangefarbenen Eindringling, der leise über ihr Revier im Wasser am Museum für Ostasiatische Kunst gleitet. Das Schnattern ist groß. Was die Gans nicht weiß: Die orangefarbene Müllsammelmaschine „Jellyfishbot“ des französischen Start-ups „Iadys“ kommt in Frieden und geht mit viel Abfall im Gepäck.

Akku erschöpft, Netz voll: Die Mitarbeiter des „Krake e.V.“ machten jede Menge „Beute“ am Aachener Weiher.

Akku erschöpft, Netz voll: Die Mitarbeiter des „Krake e.V.“ machten jede Menge „Beute“ am Aachener Weiher.

Am Wochenende präsentiert der Verein „Krake e.V.“ (die Kölner Rhein-Aufräum-Kommando-Einheit) seinen neusten Helfer auf der Wasserfläche neben dem Aachener Weiher. Der „Jellyfishbot“ ist ein schwimmender Roboter, der stehende Gewässer wie Seen oder Hafenbecken von Müll auf der Wasseroberfläche befreit. Knapp einen Meter ist die quadratische Apparatur groß und sieht aus wie ein kleiner Katamaran. Unter Wasser angetrieben durch einen Propeller und mit einem Netz für Abfall im Schlepptau versehen. Umweltschutz „in kleinem Rahmen“.

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Das Vorbild der Krake ist schon im Rhein im Einsatz

Das Einzige, was er braucht, ist ein aufgeladener Akku und jemanden, der ihn steuert. In diesem Fall Franz Roling, Kassenwart der Krake, der den Roboter gemeinsam mit dem zweiten Vorsitzenden Jan Odenthal vorstellt. „Sie ist die kleinere, aktivere Variante der Müllfalle, die wir auf dem Rhein installiert haben“, erzählt Odenthal. „Besonders tief kann der Roboter nicht runter, aber der meiste Müll befindet sich in den ersten 30 Zentimetern der Wasseroberfläche. Und da kommt er ran.“

Die Rheinkrake

114620 Kilo Müll sammelte in diesem Jahr der Krake e.V. aus dem Rhein. Seit September hilft dabei der „große Bruder“ des Jellyfishbots, die „Rheinkrake“. 160 000 Euro brachten die Mitglieder des Vereins unter Beteiligung zahlreicher Förderer auf, um sie in Betrieb zu nehmen. Der passive Müllfänger nach Londoner Vorbild ist ein Fangkorb, der zwischen zwei Schwimmkörpern befestigt und entgegen der Fließrichtung geöffnet ist. die Konstruktion gefährdet weder Fische noch Vögel. Der Müllfänger wird so in der Strömung platziert, dass möglichst viele Abfälle in die Falle schwimmen und eingesammelt werden können. Die Kölner Müllfalle schwimmt linksrheinisch, nördlich der Zoobrücke. (two)

Knapp 15 000 Euro hat der schwimmende Müllroboter gekostet, den es bisher deutschlandweit nur in Mainz und Köln gibt. Jeweils 3000 Euro hat die Dr. Jürgen Rembold Stiftung und die Rheinenergie gespendet. Der Rest der Kosten wurde aus Vereinsmitteln finanziert.

Rembold ist selbst vor Ort, um sich ein Bild von dem Projekt zu machen, das seine Stiftung unterstützt hat: „Der Verein hat sich auf unsere Fördermittel beworben. Mit dem Jellyfishbot unterstützen wir ein innovatives Leuchtturmprojekt, aber auch das Engagement der Vereinsmitglieder und Menschen, die sich für die Krake einsetzen“, erklärt der Vermögensberater.

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Auch Odenthals Freude über den orangen Roboter ist deutlich erkennbar. „Der Jellyfishbot erweitert unser Einsatzgebiet und eröffnet uns neue Möglichkeiten“, betont er bei der Vorstellung. „Wir wollen ihn ab jetzt bei allen Müllsammelaktionen in stehenden Gewässern mitnehmen.“ Zukünftig wollen sie ihn besonders in den Sommermonaten auch im Aachener Weiher einsetzen. Denn neben Wasservögeln, Gänsen, Schwänen und diversen aquatischen Lebewesen wie Aal, Barsch und Zandern, sammelt sich besonders in den Sommermonaten auch „artenreich“ der Müll im Weiher. In der Planung ist auch, den Roboter an Häfen zu verleihen.

Denn obwohl der Jellyfishbot „nur“ oberflächlich arbeitet, ist die Wirkung für die Umwelt tiefgreifend. Nach knapp 15 Minuten leert Odenthal das Netz aus. Zum Vorschein kommen Glasflaschen, Blätter und Verpackungsmüll. Während das Gerät nach getaner Arbeit seine Akkus auflädt, beginnen die Helfer von Krake e.V. mit Greifzangen und Handschuhen eine Müllsammelaktion rund um den Aachener Weiher. Und erneut schaut die Gans reichlich verdattert.