Tag der Schiene in KölnHier kann im Simulator jeder Lokführer spielen – und später werden

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Ein RRX-Zug (Rhein-Ruhr-Express) steht im Bahnhof in Köln.

Die RRX-Züge fahren unter der Regie von National Express. Am Sonntag präsentiert sich das Unternehmen am Kölner Hauptbahnhof.

Am Sonntag, den 17. September dürfen Interessierte am Kölner Hauptbahnhof den Zugsimulator von National Express ausprobieren. Denn der Betreiber der RRX-Linien sucht dringend Personal. 

„Ohne Lokführer kann der Zug nicht fahren“, bringt es Marcel Winter auf den Punkt. Dann bleiben die Wagen stehen. Und das passiert zurzeit häufig auf den wichtigen Strecken von Köln ins Ruhrgebiet oder Richtung Bonn. „Im Moment haben wir eine hohe Krankenquote. Dann fallen Züge tatsächlich aus“, beschreibt der Geschäftsführer der National Express Rail GmbH mit Sitz in Köln die Misere. Die Linien RE 7, RB 48, RE 5 (RRX), RE 6 (RRX), RE 4, RE 1 (RRX) und RE 11(RRX) fahren unter der Regie von National Express.

Auf 100 offene Lokführerstellen kommen nur 25 Bewerber

Denn schon ohne Krankheiten hat das Bahnunternehmen nicht genug Zugführer. „Etwa 12 Prozent unserer Stellen sind nicht besetzt“, sagt Winter.  Ein Problem, dass auch die Konkurrenten kennen. Bundesweit kämen auf „100 offene Lokführerstellen nur 25 Bewerber“.

Das Personal leide jedoch nicht nur durch Unterbesetzung, sondern auch die Mehrbelastung durch die Bahn-Baustellen in NRW. Erst Freitag morgen verkündete die Deutsche Bahn, die RRX-Züge zwischen Köln-Mülheim und Düsseldorf, die schon seit Juli umgeleitet werden, könnten aufgrund von Verzögerungen der Bauarbeiten frühestens ab Dienstag, 19. September, wieder ordnungsgemäß fahren. Ursprünglich sollte das ab 9. September sein.

Besser weniger Strecken, auf die sich der Kunde dann aber auch verlassen kann.
Marcel Winter, Geschäftsführer National Express Rail GmbH

„Damit ist wieder nichts mehr wie geplant“, sagt Winter. Die Leitstellen müssten umplanen, die Lokführer andere Schichten fahren, die Kundenbetreuer die Fahrgäste aufklären: „Und das sind nicht immer schöne Gespräche.“ Dabei macht er der Deutschen Bahn keine Vorwürfe wegen der Arbeiten: „Die Baustellen müssen sein“, sagt Marcel Winter, „denn 30 Jahre lang ist dort viel zu wenig investiert worden“. Aber es funktioniere nicht, in dieser Zeit alle Zugstrecken aufrechterhalten zu wollen. Die Umleitungsstrecken seien überlastet. Zudem sprenge jede Verzögerung das System, weil an einer anderen Ecke schon die nächste Baustelle starte.

Besser sei es, einige Strecken zeitweise ganz aus dem Fahrplan zu nehmen. „Weniger Strecken, auf die sich der Kunde dann aber auch verlassen kann“, dafür plädiert Winter. Das sei auch für das Personal verlässlicher: „Für die Mitarbeiter endet seit Monaten kein Dienst pünktlich. Das kann man eine Zeit lang machen, aber nicht auf Dauer.“ Eine Folge sei der hohe Krankenstand. Oder die Mitarbeiter verabschiedeten sich ganz aus dem System und wechselten den Beruf.

Im Zugsimulator selber lenken

Um wieder Menschen in den Beruf zu locken, lädt National Express am Sonntag, 17. September, ab 11 Uhr am Kölner Hauptbahnhof in einen Zug des Typs Talent 2 ein. Standort ist das Gleis vor der DB-Kantine (Zugang über Gleis 1). Dort steht auch bis 15 Uhr der Zugsimulator bereit, in dem Interessierte ausprobieren können, einen Zug zu lenken. Hierbei handelt es sich nicht um ein Spielzeug: Der Simulator ist Teil der Ausbildung für Lokführer.

Die dauert 15 Monate und „ist nicht einfach“, erklärt Winter. Wer kein Lokführer werden will, sich aber trotzdem für das Berufsfeld Bahn interessiert, ist beim Tag der Schiene ebenfalls willkommen. National Express sucht auch dringend Kundenbetreuer. Denn im RE 5, RE 6 und RE 4 sind bis Ende November noch Kontrolleure eines Dienstleisters im Einsatz. Ab Dezember sollen das jedoch eigene Angestellte übernehmen.

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