Grüner StromDieses Kölner Start-up will die Energie des Rheins nutzen

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Der Prototyp soll schon bald genug Energie für Ladestationen von E-Bikes liefern. Die späteren Anlagen sind auf 35 Kilowatt Leistung ausgelegt.

Das Modell veranschaulicht die Technik: Durch eine turbinenartig aufgebaute Röhre soll die Fließgeschwindigkeit des Rheins genutzt werden.

Ein Kölner Start-up will über kleine, stationäre Wasserkraftwerke die Energie des Rheins nutzen. Die Technik wurde in Zusammenarbeit mit der Technischen Hochschule entwickelt und von Kölnbusiness unterstützt. 

Eigentlich ist die Idee bestechend einfach. So einfach, dass man sich fragt, warum nicht längst auch schon andere darauf gekommen sind. Darauf hat auch Felix Roder, Co-Gründer von „Rhine Sharing“, keine rechte Antwort: „Manchmal ist es eben so“, meint er etwas verschmitzt bei der Vorstellung einer neuartigen „Turbinen“-Konstruktion. Sie soll grünen Strom aus dem Rhein liefern – und mittelfristig nicht nur dort, sondern nach Möglichkeit überall auf der Welt. Zumindest dort, wo fließende Gewässer vorhanden sind. 

Der Strom wird erzeugt durch eine Trichtereinheit, die stationär im Fluss, in diesem Fall natürlich im Rhein, verankert wird. Am besten dort, wo die Fließgeschwindigkeiten zum einen relativ hoch, zum anderen beständig und zum dritten auch einigermaßen berechenbar sind. Der Durchfluss treibt die Turbine – eigentlich eher eine Art Propeller – an, die ihrerseits dann wieder den Strom liefert. Der wird dann im Forschungsschiff der Universität zu Köln, der „Rheinstation“, abgegriffen. So ganz einfach allerdings ist es dann natürlich aber doch nicht.

Jede Menge Arbeit im Detail

Der Prototyp entstand in enger Zusammenarbeit mit der Technischen Universität zu Köln und ist Teil der bereits abgeschlossenen Masterarbeit von Co-Gründer Marcel Heilich. Roder bastelt zurzeit neben der Energiegewinnung noch daran herum. Die – zum Teil ehemaligen – Studenten fanden im Versuchslabor Wasser und Umwelt ideale Forschungsbedingungen vor sowie auch Möglichkeiten zur Umsetzung ihres Prototyps im Maßstab 1:3. Der soll bereits genug Energie liefern, um in einer Stunde sechs Elektroräder vollzupumpen. Die eigentliche Ausbaustufe kommt dann auf rund 35 Kilowatt, in etwa genug für 100 Haushalte.

Als nächsten Schritt planen Marcel Heilich und Felix Roder die Gründung einer GmbH.

Die Gründer von Rhine Sharing: Marcel Heilich (l.) und Felix Roder.

Das Labor hat eine Grundfläche von 700 Quadratmetern, über eine Höhe von zwei vollen Etagen bietet das Labor Platz für Versuchseinrichtungen, Werkstätten und Büroräume. Zur Grundausstattung des Labors gehört neben einem Portalkran zur Handhabung schwerer Lasten auch ein Tiefbehälter mit einer Gesamtkapazität von 600 Kubikmetern, der sich in bis zu zwölf Einzelbehälter unterteilen lässt. Mittels Pumpen kann das Wasser an jeder beliebigen Stelle des Labors gefördert und so parallel mehrere Modelle und Versuchsrinnen mit unterschiedlichen Durchflüssen beaufschlagt werden.

Die Idee hinter dem Prototyp: Nicht ein großes, sondern mehrere kleinere Stationen liefern grünen Strom in die Rheinmetropole. Beispielsweise an Brückenköpfen verankert, an Anlegern und Pontons oder auch an regelmäßig verkehrenden Elektro-Fähren, die mit der Konstruktion „gefüttert“ werden können. Dazu gehören natürlich aufwändige Berechnungen über Fließrichtung, Strudel, Geschwindigkeit und allem möglichen anderen Unbill auf großen Flüssen.

Tier- und Umweltschutz im Fokus

Nicht zuletzt spielt auch der Tier- und Umweltschutz eine große Rolle, schließlich sollen die Rheinfische nicht aus Versehen durchrotiert werden. Andererseits muss auch ein ausreichender Durchfluss gewährleistet bleiben. Für all das musste eine Lösung gefunden werden, teilweise wird auch noch daran gearbeitet. Das Interesse ist mittlerweile nicht nur in Köln geweckt worden, auch überregional schaut man auf das Start-up. Selbst über die Landesgrenzen hinweg, die Schweiz hat angefragt und auch in Ägypten beschäftigt man sich sehr genau mit den Fortschritten in der Domstadt. Wo man sich hier besonders gut eine Mobilitätsstation mit grünem Strom vorstellen könnte, haben die beiden Gründer auch schon im Blick: Der Rheinauhafen böte ideale Voraussetzungen, sind sich Roder und Heilich einig.


Kölner Rahmen

10 000 Euro waren eine willkommene Anschub-Finanzierung für „Rhine Sharing“: Sie stammen aus dem Förderprogramm „Kölner Rahmen“ der Kölnbusiness Wirtschaftsförderung. Dort werden 150 000 Euro ausgeschüttet an 15 Start-ups aus drei verschiedenen Themenfeldern. In diesem Jahr sind dies die Felder Nachhaltigkeit, Extended Reality und digitale Gesundheit.

Letzteres nicht ohne Grund: In diesem Bereich gilt Köln als Vorreiter. Momentan wird etwa jeden dritten Tag ein Start-up in Köln gegründet, die meisten im Digital-Bereich. Bewerbungen können ab sofort bis Ende April eingereicht werden.

www.koelnbusiness.de

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