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Serie

Kölns Bürgermeisterin Teresa De Bellis
„Ich sehe mich als positive Botschafterin“

4 min

Buergermeisterin Teresa De Bellis

Köln hat vier Bürgermeisterinnen. Die Rundschau stellt sie in einer Serie vor. Im letzten Teil: Teresa De Bellis.

Als ihre Fraktion sie für das Amt der Bürgermeisterin nominiert hat, da habe sie mit den Tränen kämpfen müssen, erinnert sich Teresa De Bellis. Und mit den Tränen stiegen die Erinnerungen auf. Erinnerungen an den Weg, den sie zurückgelegt hat: vom Kind einer italienischen Einwandererfamilie über die Kommunalpolitik hin zur Repräsentantin ihrer Heimatstadt. „Ja, das hat mich stolz gemacht“, sagt De Bellis über ihre Wahl zur zweiten Bürgermeisterin der Stadt Köln.

Ihr Weg nach oben

Antonio De Bellis gehörte mit zu den ersten italienischen „Gastarbeitern“ die nach Köln kamen. Das Anwerbeabkommen zwischen Deutschland und Italien machte es möglich. In Köln fand er Arbeit und eine Wohnung. In Köln lebte er mit seiner Frau. Und hier erblickten seine beiden Töchter und der Sohn das Licht der Welt. Teresa De Bellis hat viele schöne Kindheitserinnerungen. Aber gerade die frühen von ihnen sind untermalt von einer Melodie in Moll. „Ich habe mich als Kind manchmal geschämt“, sagt sie frei heraus. Ihr „Anderssein“ empfand sie als Makel, im Kindergarten wie in der Grundschule. „Wir waren Gäste“, beschreibt sie die Grundhaltung, die ihr von ihren Eltern vermittelt wurde. Wenn sie und ihre Geschwister spielten, forderten die Eltern sie auf, nicht zu laut zu sein. Als Gast habe man sich eben zurückzuhalten.

Spätestens als Teenagerin nahm sich De Bellis nicht mehr zurück, sondern ging nach vorne. Sie machte Abitur, ging später in die Kommunalpolitik, 1999 saß sie erstmals für die CDU im Rat. Ihre politischen Steckenpferde waren damals die Themen Kultur und Integration. Ab 2020 griff sie nach dem wohl heißesten Eisen, das es für eine Christdemokratin in dem damaligen Ratsbündnis mit den Grünen gab: Sie wurde verkehrspolitische Sprecherin ihrer Fraktion. Oft lagen CDU und Grüne bei diesem Thema überquer. Oft wäre Bündnisdisziplin geboten gewesen. Doch nicht immer hielt sich De Bellis daran. Wenn die Kompromisse zu sehr an christdemokratischen Grundsätzen kratzten, brach sie auch schon mal aus, bezog Position. Das schärfte ihr Profil.

Geht noch klare Kante?

Kann sie sich als Bürgermeisterin noch „klare Kante“ erlauben? Nach der Kommunalwahl im September 2025 ernannte sie ihre Fraktion zur wirtschaftspolitischen Sprecherin. Ein nicht minder wichtiges Thema in Köln als Verkehr. Doch als Bürgermeisterin repräsentiert sie die Stadt, muss sich in Diplomatie üben. „Kommt darauf an, welchen Hut ich aufhabe“, erwidert die Politikerin. Ja, als Bürgermeisterin sehe sie ihren Auftrag darin, eine positive Botschafterin der Stadt zu sein. Als wirtschaftspolitische Sprecherin der CDU gibt sie jedoch ein Versprechen ab: „Ich werde Themen setzen.“ Für sie darf das eine nicht das andere behindern.

Und das eine, zweite Bürgermeisterin von Köln zu sein, genießt die verheiratete Mutter von zwei Kindern gerade in vollen Zügen. Ihr Büro im Rathaus hat sie noch nicht vollständig bezogen, aber es trägt schon erste Züge ihrer persönlichen Handschrift. In einem Schrank mit Glastür steht zuoberst ein Straßenschild: „Hohe Straße“. Das Kunstwerk aus Holz, das Adenauer zeigt, hat sie übernommen. „Im Moment habe ich rund fünf Termine pro Woche, in denen ich den Oberbürgermeister Torsten Burmester vertrete.“ Denn der könne nun mal nicht überall sein. Dazu kämen noch die Termine, für die sie gezielt als Bürgermeisterin angefragt werde. Was sie dabei unter anderem liebt: Als gebürtige Kölnerin lerne sie durch die Termine ihre Stadt nochmals anders kennen: Sie kommt mit ehrenamtlichen Projekten in Berührung, von denen sie so nicht wusste, lernt Familienunternehmen kennen, die sich in hohem Maße der Stadt und ihren Mitarbeitenden verpflichtet fühlen. Und natürlich feiert De Bellis als kölsches Mädchen seit Jugend an Karneval. Doch als Bürgermeisterin lerne sie das Brauchtum mit all seinem ehrenamtlichen Engagement nochmals in einer größeren Tiefe kennen.

Was ihr Kraft gibt

Das klingt schon alles hoch professionell, als sei sie bereits angekommen als Bürgermeisterin. Doch De Bellis räumt ein: „Ich muss mich noch strukturieren.“ Ihre Pflichten als Repräsentantin der Stadt, ihre Arbeit in der Fraktion, ihre Aufgaben als wirtschaftspolitische Sprecherin – und das alles neben ihrem „Broterwerb“: Die Mutter von zwei Kindern ist Referentin von Staatsministerin Serap Güler. Dies unter einen Hut zu bringen ist ein Kraftakt. Was ihr die Energie dafür gebe? Da seien unter anderem die Reaktionen auf ihre Termine als Bürgermeisterin zu nennen. „Die Menschen fühlen sich durch meine Besuche wertgeschätzt.“ Sie erfahre viel Dankbarkeit. Und da gebe es auch noch das symbolische Schulterklopfen aus der italienischen Community: „Jetzt hat es auch mal ein Gastarbeiterkind geschafft“, zitiert De Bellis – und sie sagt es mit Stolz.