Er nennt es „Mid Century“Bunt, stylish, ausgefallen – Kölner lebt besonderen Wohntraum

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Ein Mann mit braunem Haar und Bart sitzt an einem Tisch mit Marmorplatte. Im Hintergrund ist ein abstraktes Gemälde zu sehen.

Moritz Limbach hat ein Faible für schöne Möbel und geschmackvolle Accessoires. Mid-Century nennt er seinen Designmix.

Moritz Limbach liebt die Bauhausfarben Rot, Gelb und Blau. Entsprechend hat er seine Wohnung in der Südstadt eingerichtet, mit ausgefallenen Kunstobjekten und Bildern.

Zu Fuß geht es die ruhige Seitenstraße, keine 100 Meter vom Rhein entfernt, hoch ins Dachgeschoss in der Südstadt. Wenn sich die Tür öffnet, steht man direkt im Wohnzimmer von Moritz Limbach. Flure findet er überflüssig. „Da hängen doch nur hässliche Garderoben.“ Vor gut zwölf Jahren ist der 39-jährige Single hier eingezogen. Nach einem BWL-Studium lag sein erster Job bei Microsoft gerade mal einen Katzensprung entfernt.

Nach einer Anstellung bei Dell arbeitet er jetzt für ein mittelständisches Unternehmen als Vertriebsleiter. Zu seinem eher trockenen Beruf, wie er sagt, hat Limbach im „Schönen“ seinen Ausgleich gefunden. Er liebt ausgefallene Kleidung, schöne Möbel und hat einen Hang zur Farbe. Wenn andere Leute Golf spielen, sammelt er lieber auf seinen 70 Quadratmetern Wohnraum ausgefallene Einrichtungsgegenstände und Kunst. Das Wohnambiente ist dementsprechend stylish, zwischen Vintage und Bauhaus.

An einer Wand hängt ein Bild, das wie eine Streichholzschachtel aussieht.

Das Streichholz an der Küchenwand ist ein Werk von Thomas Wacholz.

„Mid-Century“, nennt er seinen Einrichtungsstil. Objekte, die dazu passen, findet er bei vielen beruflichen wie privaten Reisen, auf Flohmärkten, Internetportalen oder in Läden. Seine Designsammlung ist im Laufe der Zeit stetig gewachsen. Der Wohnraum ist hell, alles wirkt gemütlich, aber geschickt arrangiert. „Ich lebe ja nicht in einem Museum.“ Seine Lieblingsfarben sind Blau, Gelb und Rot, die klassischen Bauhausfarben. „Ich verstehe die meisten nicht, die es nur grau mögen. Ich freue mich jeden Tag über die Farben. Draußen ist es doch grau genug.“

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Viele Möbel und Leuchten stammen aus Kölner Lieblingsladen

Einige seiner Möbel und Leuchten hat Limbach in seinem Lieblingsladen in der Südstadt gefunden. Das Markanto, das von der Zeitschrift „Schöner Wohnen“ vor zwei Jahren zu den besten Einrichtungshäusern Deutschlands gezählt wurde, hat nur samstags geöffnet. Mitinhaber Sven Vorderstrase ist Limbach gut bekannt. „Wenn er etwas findet, denkt er an mich.“ Zu seinen Errungenschaften gehören ein klassisches Sideboard von Florence Knoll von 1961. Das Gehäuse ist aus verchromtem Vierkantstahlrohr, mit einer Marmorplatte.

Blick in ein Wohnzimmer, in dem ein blaues Bild, ein Herz-Stuhl und eine gelbe Lampe und Kissen zu sehen sind.

Die Farben Blau, Gelb und Rot prägen das Wohnambiente.

Dazu hat Limbach den passenden Wohnzimmertisch. Auch ein alter Holzstuhl des Architekten Egon Eiermann (1904 -1970) bereichern seinen Wohnraum. Für Limbach ist Eiermann, ein prägender Architekt der deutschen Nachkriegsmoderne, ein „verkannter Designgott“. Und es sind alte Gebrauchsgegenstände, die nicht an Wert verlieren. Er mag die Originale und nicht die heute erhältlichen Repliken. Der rote Herz-Stuhl von Ron Arad für Moroso ist für ihn eher ein schmückendes Objekt als ein Schaukelstuhl, genauso wie der Papierstuhl von Frank Gehry.

Seit wenigen Jahren macht auch Kunst die Einrichtung aus

„Die Materialien und die Wertigkeit von früher kann man mit heutigen Ausführungen überhaupt nicht vergleichen“, sagt er. Vor fünf Jahren begann er, seine ästhetische Sammlung mit Kunst zu ergänzen. Sein erstes Werk war von Thomas Wachholz. Es hängt präsent in der großen Wohnküche: Ein Streichholz, angezündet auf blauem Grund – Limbachs Lieblingsfarbe, die sich auch in der Wand zur Küche wiederfindet. Die Künstler Arthur Löwen oder auch Julia Scher gehören zu seiner Sammlung.

Ich habe da ein Händchen für gute Stücke.
Moritz Limbach

Scher, ehemalige Professorin an der Kunsthochschule für Medien, stellt ihre Kunstwerke weltweit aus. „Ich habe da ein Händchen für gute Stücke“, sagt der 39-jährige Single, der zum Kunstwerk auch immer den Künstler kennenlernt. Ein Altbau wäre Limbach noch lieber. Ihm fehlt eine Badewanne und ein drittes Zimmer. Der Südbalkon geht nach hinten hinaus zum Hinterhof. Im Sommer baut er sich hier eine grüne Oase. Die Küche ist unglaublich groß – er liebt es, gemeinsam mit seinen Freunden zu kochen. Das Bad ist modern, aber eher normal gehalten. Es gibt sogar einen Stellplatz, die Miete ist seit Einzug stabil.

„Ich habe einen absolut fairen Mietpreis.“ Am meisten liebt er die Lage. „Zum Joggen muss ich nur über die Straße. Das, was ich an Köln schätze, finde ich alles in der Südstadt.“ Für ihn ist es das schönste aller 86 Veedel. Seine Lieblingsläden liegen alle in Laufnähe: Das „Ludari“  ist eines seiner Lieblingsrestaurants. „Da schmeckt ein Pastagericht besser als das andere.“ Die Bars im Dreieck Kurfürsten und Alteburger Straße schätzt er besonders im Sommer, wie das „Keimaks“, oder das „Gusto Italiano“ für Feinkost.

Wohnung in der Südstadt: Einrichtung im „Mid-Century“-Stil

Das Belgische Viertel wäre nichts für ihn. „Viel zu hip“, sagt Limbach, der es authentisch und kölsch liebt. Wenn er einen Lebenspartner hätte, müsste er den Wohnungsstil auf jeden Fall akzeptieren, aber sein Faible für Design und hochwertige Klamotten nicht teilen. „Die Südstadt ist, schon lange vor Ehrenfeld, das In-Viertel. Es ist das Stadt-Wohnviertel schlechthin“, erklärt Immobilienexpertin Anja Senff von „Domizil“ in Rodenkirchen. Viele kleine Geschäfte und Boutiquen, Kneipen und der hohe Freizeitwert dank Römer- und Friedenspark, Volksgarten und natürlich dem Rhein, prägen die Lage, die das Viertel bereits in den 1980er Jahre zu einem der teuersten machte, sagt Senff.

„Man muss allerdings die Treppen mögen. In Nippes etwa ist alles eine Etage niedriger“, sagt die Maklerin. Die Südstadt hat und hatte auch schon immer viele Kinder. Allerdings verspürt Senff seit einigen Jahren einen Generationenwechsel. Auch würden die angemieteten Wohnungen wieder kleiner. Familien begnügten sich mit weniger Wohnraum, was die Preisentwicklung auf hohem Niveau nahezu stabil hielte.


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