Für den Standort zeichnet sich im Rat eine große Mehrheit ab, aber es gibt zahlreiche Forderungen, das Konzept zu ergänzen und präziser zu fassen.
Mehrheit in Köln zeichnet sich abRatsfraktionen für Suchthilfezentrum am Perlengraben

Das erste Kölner Suchthilfezentrum (SHZ) soll auf einer Fläche am Perlengraben/Wilhelm-Hoßdorf-Straße entstehen.
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Bei der Entscheidung über Standort und Errichtung des ersten Kölner Suchthilfezentrums zeichnet sich im Stadtrat ein positives Votum der großen Fraktionen ab. Eine Beschlussvorlage zur Errichtung des Hilfsangebotes auf der Grünfläche zwischen Perlengraben und Wilhelm-Hoßdorf-Straße steht auf der Tagesordnung der Ratssitzung am 5. Februar. Die Fraktionen von Bündnis 90/Die Grünen, CDU, SPD, Die Linke und Volt sprechen sich in ihren Stellungnahmen für den von der Verwaltung vorgeschlagenen Standort aus und sehen sämtlich einen großen und dringenden Bedarf an Hilfsangeboten für suchtkranke Menschen in Köln.
„Wir unterstützen den geplanten Standort für das Suchthilfezentrum, das den öffentlichen Raum entlasten und sicherer machen wird – schließlich werden dort dringend benötigte Hilfe für Suchtkranke und Ordnungsmaßnahmen Hand in Hand gehen“, so Mechthild Böll, gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen.
Transparente und vollständige Kostenübersicht gefordert
Auch für die Volt-Fraktion gibt es „unter Berücksichtigung aller uns vorliegenden Informationen keinen alternativen Standort“. Voraussetzung sei allerdings „ein Konzept, das mehrere Standorte, klare Zuständigkeiten, Präventionsarbeit, und ein belastbares Sicherheitskonzept miteinander verbindet“. Um Suchthilfezentren gut in Viertel zu integrieren, müssten sie langfristig und ausreichend finanziert werden. Die Stadt müsse ihnen eine hohe Priorität einräumen und bereit sein, Mittel umzuschichten. Ein entsprechender Änderungsantrag zur Beschlussvorlage werde in die Ratssitzung eingebracht.
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„Eine ausreichende Finanzierung und gute Ausstattung des Zentrums mit genügend sozialarbeiterischem, medizinischem und therapeutischem Personal sind für uns die Bedingung für eine erfolgreiche Arbeit“, so Isabel Gerken, Vorsitzende und sozialpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke. Zwingend notwendig sei auch der schnelle Ausbau weiterer Standorte, etwa im Rechtsrheinischen.
Dezentrale Suchthilfeangebote sind auch für die CDU-Fraktion unabdingbar. Sie legte jetzt ein Konzept mit Leitlinien, Forderungen und Maßnahmen für eine ordnungspolitisch klare und sozial untermauerte Suchthilfestrategie vor, das auf dem „Zürcher Modell“ basiert. So fordert sie etwa ein Gesamtkonzept, das von Beginn an weitere Standorte vorsieht und so die Basis „für eine ausgewogene Verteilung der Nutzerinnen und Nutzer im Stadtgebiet“ schafft. Zur Erreichung des Ziels, „Betroffene zur Annahme von Hilfe zu motivieren und ihre Situation zu stabilisieren“ sei eine „enge Zusammenarbeit mit den freien Trägern in Köln von besonderer Bedeutung“. Zudem fordert sie eine transparente und vollständige Kostenübersicht für das Zentrum am Perlengraben und für weitere Standorte. Nur so könnten eine verantwortungsvolle politische Entscheidung getroffen und die dauerhafte Tragfähigkeit des Konzepts bewertet werden.
„Notwendig und richtig“ ist das Suchthilfezentrum auch für die SPD-Fraktion. „Es hilft schwerstabhängigen Menschen in geschützter Umgebung und entlastet zugleich den öffentlichen Raum“, so Christian Joisten, Vorsitzender der SPD-Fraktion. „Entscheidend ist für uns, dass Hilfe drinnen stattfindet, der öffentliche Raum konsumfrei bleibt und Sicherheit, Ordnung sowie Beteiligung der Nachbarschaft konsequent gewährleistet werden.“ Die SPD werde die Beschlussvorlage der Stadtverwaltung grundsätzlich unterstützen. „Wir schauen uns an, ob es Änderungsvorschläge der demokratischen Fraktionen gibt und welche davon wir unterstützen und werden gegebenenfalls eigene Ergänzungen anregen“, so die Mitteilung der SPD. „Wichtig ist uns, ein praktikables Konzept mit Akzeptanz in der demokratischen Mitte zu beschließen.“

