Ohne einen Sicherheitsdienst könne er die Filiale nicht mehr betreiben, sagt Filialleiter Lutz Richrath.
„Ich schäme mich“Rewe-Filialleiter erwägt Aufgabe seines Marktes in der Opernpassage

Der Rewe-Markt in der Opernpassage leidet unter der offenen Drogenszene und seit nunmehr 14 Jahren unter der Opernbaustelle.
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Ungeduld kann Lutz Richrath nun wirklich nicht nachgesagt werden. Als er im Jahr 2014 die Rewe Richrath-Filiale in dem Karree Breite Straße/Neue Langgasse/Glockengasse eröffnete, beruhigte ihn die Stadtverwaltung: Die benachbarte Opernbaustelle sei spätestens in sechs Monaten abgeräumt, das Haus werde 2015 eröffnen. Es kam bekanntlich anders – und noch einiges an Schwierigkeiten dazu. Allen voran die offene Drogenszene in der Innenstadt. Dennoch hielt Lutz Richrath durch, versuchte unter diesen Widrigkeiten zu wirtschaften. Doch nun ist seine Geduld nahezu aufgebraucht. Wenn sich nicht bald etwas zum Besseren wende in der Kölner Innenstadt, werde er den Mietvertrag für die exponierte Lage nicht mehr verlängern, stattdessen lieber mit einer Filiale an den Stadtrand gehen.

Ein Treppenaufgang der U-Bahnhaltestelle Appellhofplatz endet unmittelbar am Markteingang.
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Die Brüder Lutz und Peter Richrath sind eine Rewe-Institution. 16 Filialen betreiben sie in der Region, drei davon in Köln. Unter diesen dreien kann die Filiale in der Opernpassage sicherlich als ein Flaggschiff angesehen werden. Aber eins in schwerer See. Erstmals berichtete Lutz Richrath über die Zustände an diesem Standort in dem Fachjournal „Lebensmittel Praxis“. Der Rundschau bestätigt er: „Die Probleme sind wirklich sehr deutlich – und sie sind eher gewachsen.“ Da sei zum einen die Opernbaustelle: „Immer wieder wurden hier die Verkehrsführungen in den vergangenen Jahren verändert“, benennt Richrath nur eine Nebenwirkung der Opernbaustelle. Das habe jedes Mal für Verkehrschaos vor seiner Tür gesorgt. Die Zufahrt zu seinem Markt glich oftmals einer Odyssee – nicht zuletzt für die Zulieferer. „Mittlerweile ist es fast schneller, vom Kölner Westen nach Düsseldorf zu fahren, als in die Kölner Innenstadt zu kommen“, schüttelt Richrath den Kopf.
Obdachlosen- und Drogenszene wird immer mehr zum Problem
Und dann wiehert zu alledem auch noch der Amtsschimmel. „Ich habe schon mehrfach eine erhebliche Ordnungsstrafe bezahlen müssen, weil durch die Außengastronomie der Fluchtweg der Oper verstellt worden sei“, berichtet der Filial-Inhaber. Wohlgemerkt: Der Fluchtweg für eine Oper, die seit 14 Jahren keinen Spielbetrieb mehr hat.
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Doch was fast noch gravierender für den Betrieb der Filiale ist, sei die Odachlosen- und Drogenszene in der Innenstadt. Zwar soll das Problem nun mit einem Suchthilfezentrum am Perlengraben in der Südstadt angegangen werden. Aber noch dreht sich vor allem der Konsum und Handel überwiegend mit den Drogen Crack und Heroin um den Neumarkt.
Weil aber dort die Kontrollen der Szene angezogen haben, sind die Süchtigen unter anderem in die weitschweifige U-Bahnstation „Appellhofplatz“ ausgewichen. Ein Treppenaufgang endet unmittelbar vor dem markteingang. Die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) sind massiv von dieser Verdrängung betroffen und wollen voraussichtlich ab April die Haltestelle in den nächtlichen Betriebspausen schließen. Doch dafür bräuchte es noch flankierende Maßnahmen der Stadt.
„Schäme mich, wenn Geschäftskunden kommen“
Richrath hingegen muss die Probleme mit der Szene alleine lösen. „Ohne einen Sicherheitsdienst kann ich die Filiale nicht mehr betreiben“, berichtet der Inhaber. Das Problem mit Ladendiebstählen habe ein bedenkliches Ausmaß angenommen. „Die Kundentoiletten muss ich schließen, weil die Süchtigen sich dort ansonsten ihren Schuss setzen“, berichtet er. Dazu komme eine zunehmende Gewaltbereitschaft der Klientel. Wenn er Geschäftskunden zu Besuch habe, schäme er sich für die Zustände. Nur mit dem massiven Einsatz eines Sicherheitsdienst könne er diese einigermaßen eindämmen, so Richrath im Gespräch mit der Rundschau. Die Kosten dafür seien nicht gering und gingen vollständig auf sein Konto. Mag das Konto für die Betriebskosten unter diesen Umständen noch nicht leergelaufen ein, das Konto mit seinem Vorrat an Geduld kommt langsam in den Dispo. Noch zieht Lutz Richrath nicht die Konsequenzen. In diesem Jahr soll die Oper eröffnen. „Ich werde mir anschauen, ob sich dadurch etwas für mich verbessert“, sagt Richrath. Wenn nicht, werde er den Mietvertrag mit der Rewe-Group für diesen Standort nicht mehr verlängern , dann sei er raus aus der Kölner Innenstadt.

