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OffenbachplatzBühnen der Stadt stellen Konzept bis 2030 vor

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Der Eiserne Vorhang der Oper am Offenbachplatz.

Der Eiserne Vorhang der Oper am Offenbachplatz. 

Wiederöffnung und darüber hinaus: Die Bühnen der Stadt stellen ihr Konzept bis 2030 vor.

Die Scheinwerfer für Schauspiel und Oper werden derzeit in den neuen alten Häusern am Offenbachplatz aufgebaut. Da scheint es an der Zeit, auch die vielen anderen Dinge auszuleuchten, die zum Betrieb der Spielstätten dazugehören. Am Freitag wurde im Betriebsausschuss Bühnen ein Gesamtkonzept bis 2030 vorgestellt. Klaus Kröhne, stellvertretender Geschäftsführer der Bühnen, verglich sich dabei mit einem Jongleur, der alle möglichen Bälle in die Luft wirft.

Start der Kampagne steht bevor

Beraten von der Hamburger PR-Agentur Jung von Matt, deren Logo ein trojanisches Pferd ist, soll in wenigen Wochen eine Kampagne starten, die helfen soll, die Bühnen wieder in das Zentrum der Stadt zu bringen, nachdem dort 14 Jahre lang „tote Hose war“, wie es Opernintendant Hein Mulders flapsig bezeichnete. Vier Hauptaufgaben haben sich die PR-Fachleute gestellt: In einer Art Katharsis sollen Fehler und Frustration, welche die immer teurere Dauerbaustelle mit sich brachte, nicht beschönigt, sondern aufgearbeitet werden. Im September gibt es im Wienand Verlag ein Buch über Sanierung und Interim.

Sieben Mal musste das Interim verlängert werden, zeitweise gab es 36 Standorte in- und rund um Köln, auf die Probenräume, Techniklager, Verwaltung und Bühnen verteilt waren. Eine logistische Herausforderung, die in 16 Spielzeiten gestemmt wurde — was 800 Mitarbeiter aus 37 Nationen Zeit und Nerven kostete. Die Mitarbeitenden selbst beriefen sich im Video auf den im vergangenen Jahr vereinbarten Verhaltenskodex, bei dem Wertschätzung und Sicherheit unabdingbar sind. Auch beim Umzug.

Derzeit arbeite man im Depot und Staatenhaus unter erschwerten Bedingungen, indem es gelte, den laufenden Betrieb und den bevorstehenden Umzug zu meistern. Im Staatenhaus gibt es zudem einen Saal weniger aufgrund der Koexistenz von Oper und Musical. Man sei tatsächlich auf der Zielgraden, wie Jürgen Marc Volm versicherte. „Die Ziele konnten eingehalten werden, baulich sind wir fertig.“ Auch an Weihnachten und Neujahr hätten teilweise bis zu 250 Arbeiter auf den Baustellen gewirbelt, nun gelte es noch kleine Mängel an Böden und Treppen zu beseitigen.

Große Technik-Show zur Eröffnung

„Wir prüfen derzeit, ob die technischen Installationen funktionieren“, sagte Volm. Der Technik will Kay Voges, Intendant des Schauspiels, dann zur Eröffnung die große Bühne bereiten. „Es soll eine große Technik-Show geben. Wir feiern die Maschine Theater beim Eröffnungsfest.“ Dafür ist ein ganzes Wochenende vorgesehen: am 19. und 20. September. Am 24. September findet ein offizieller Festakt im Opernhaus statt. Den Premierenreigen eröffnet das Schauspiel am 25. September im Großen Haus, einen Tag später hebt sich der erste Vorhang im kleinen Haus. Am 27. September folgt die Oper mit „Der Rosenkavalier“ von Richard Strauß, mit dem damals der letzte Vorhang am Offenbachplatz fiel.

Sanierungsdesaster sitzt tief

„Das Sanierungsdesaster sitzt tief, konstatierte Gunnar Reichard von den Bühnen. Womöglich habe eine Entfremdung eingesetzt, daher fange die Kampagne damit an, die Bürger direkt anzusprechen unter dem Slogan: „Eine Bühne wird Deine Bühne“ – verbunden mit einer Dramaturgie: 1. Akt: Was ist seither passiert? 2. Akt. Es war nicht alles gut, was passierte. 3. Akt: Entdeckung der neuen Möglichkeiten. Und 4. Akt: Dabei sein, Premieren genießen. „Kunst soll auf Bordsteinhöhe stattfinden“, versprach Reichard. 500 Plätze gilt es mehr an der Oper zu füllen ähnliches ilt für das Schauspiel.

Da müssen neue Zielgruppen erschlossen werden. So plant Opernchef Mulders unter dem Titel „Klassisch Kölsch“ Kooperationen mit Kölner Bands wie Kasalla oder Querbeat. Sehr wichtig ist den Bühnenverantwortlichen, den Komplex am Offenbachplatz als sogenannten „dritten Ort“ zu etablieren, als einen Treffpunkt über das Bühnengeschehen hinaus. Die Kantine soll nach den Vorstellungen von Kreativen und Publikum gemeinsam genutzt werden. Im kleinen Haus soll schon tagsüber ein Café öffnen. Aber, so Klaus Kröhne, man denke auch über Nutzungsmöglichkeiten für die Foyers nach, zum Beispiel für Yogaangebote oder Seniorentanz.

Weniger Platz im Depot

Wie Brigitta Gillessen, Leiterin der Kinderoper erläutert, wird an der neuen Spielstätte Demokratie und Zusammenleben im Fokus stehen. Es gibt einen Beirat aus Kindern und Jugendlichen. Und laut Gillessen wird ein eigener inklusiver Kinderchor zusammengestellt. Dort arbeiten junge Sängerinnen und Sänger mit und ohne Downsyndrom zusammen. Mit tauben Schauspielern werde der Freischütz einstudiert, deutsche Gebärdensprache dabei künstlerisch in die Inszenierung integriert.

Keine guten Nachrichten gibt es für den Tanz: Ursprünglich war geplant, dass das komplette Depot ein Zuhause für eine eigene Tanzkompagnie und die freie Szene wird sowie als rechtsrheinische Spielstätte dem Schauspiel zur Verfügung steht. Als Sparmaßnahme wurden die Pläne im Herbst 2024 ad acta gelegt. Jetzt ist klar: Bis wenigstens 2030 soll das Depot 1 an den Musicalbetreiber Frank Blase („Himmel und Kölle“) untervermietet werden. „Die Option für eine Tanzkompagnie ist bis dahin gestorben“, so Tanzkuratorin Hanna Koller.

Den Bühnen und der freien Szene steht dann nur noch das kleinere Depot 2 zur Verfügung. Dabei waren die Pläne schon so weit gediehen, dass unter den internationalen Bewerbern ein Siegerteam ausgemacht wurde: Marlene Monteiro Freitas und Martin Valdés Stauber. Quasi als Trostpflaster ist nun eine Koproduktion mit der Berliner Volksbühne geplant, wo Monteiro Freitas neben Florentina Holzinger zur Leitung gehört. An Tanzgastspielen will Hanna Koller indes nicht sparen. Im Gegenteil freut sich die Tanzkuratorin, dass sie nun auch technisch aufwendigere Produktionen zeigen könne.