Unser „Arbeitszeugnis“So beurteilt die Rundschau die Arbeit von KVB-Chefin Stefanie Haaks

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Stefanie Haaks, Chefin der Kölner Verkehrs-Betriebe sitzt mit Mund-Nase-Schutz am Steuer einer Kölner Stadtbahn.

KVB-Chefin Stefanie Haaks im August 2020 am Steuer einer Kölner Stadtbahn.

In diesen Tagen fallen die Würfel über die Zukunft von Stefanie Haaks, Chefin der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB). Vor der Wiederwahl stellt ihr die Rundschau ein „Arbeitszeugnis“ aus.

Eigentlich ist alles ganz bequem geregelt.   Bequemer als für die allermeisten Arbeitnehmer. Der Beschluss des Aufsichtsrates zur Verlängerung des Vertrages der Vorstandsvorsitzenden der Kölner Verkehrs-Betriebe AG (KVB) kann „frühestens ein Jahr vor Ablauf der bisherigen Amtszeit gefasst werden“. So ist es im Aktiengesetz verankert. Bei den KVB ist es „gute Sitte“, einem Vorstandsmitglied spätestens zu dieser Jahresfrist zu signalisieren, wie es weitergeht. Am 1. März 2019 trat Haaks mit einem Fünfjahresvertrag ihren neuen Job in Köln an.

Das bedeutet, in diesen Tagen fallen die Würfel über ihre Zukunft bei der KVB. Dabei dürfte sie diesen großen Sicherheitspuffer wohl gar nicht als so bequem empfinden. Denn es sind gerade unbequeme Zeiten für die KVB. Wegen des Umgangs mit den krankheitsbedingten Ausfällen steht der Vorstand heftig in der Kritik. Was bedeutet das für die anstehende Wiederwahl von Haaks? Die Rundschau stellt ihr ein „Arbeitszeugnis“ aus.

Welche Signale hat sie zum Job-Start gesetzt?

Neue Besen kehren gut, weiß der Volksmund. Viel Staub hat Haaks zum Jobantritt aber nicht aufgewirbelt. Allerdings vollzog die neue KVB-Chefin eine kleine Wende: So oft es auch zu schrecklichen Abbiegeunfällen zwischen Bussen und zumeist Radfahrern kam, so oft beharrten die KVB auf ihrer Position: „Keine Abbiegeassistenten.“

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Haaks lenkte um. Wenn es auch Jahre für die Umsetzung brauchte. Im vergangenen Dezember vermeldete der Betrieb, dass nun alle Busse mit einem Abbiegeassistenten ausgestattet sind. Ein weitere „Duftmarke“ setzte „die Neue“ mit der Ankündigung, die Werkstattzeiten der Bahnen bei Defekten und Wartungen zu verringern. So sollten Ausfälle und Verspätungen minimiert werden. Doch der Effekt verpuffte – unter anderem, weil es bei den KVB seit vergangenen August wegen hoher Krankenstände zu massiven Verspätungen kommt.

Wie hat sie die Corona-Krise gemanagt?

Die Pandemie war die größte Krise in der Geschichte der KVB. In der Spitze verlor der Verkehrs-Betrieb 8,1 Prozent der Abo-Kunden. Die Ursache mag im Virus zu finden sein, allerdings setzte die KVB-Vorständin der Flucht der Stammkunden denkbar wenig entgegen. Erst spät und dann nur klammheimlich wurde   eingeführt, dass die Abo-Kunden ihr Ticket ruhen lassen können.

Wer den Service nutzen wollte, musste ihn gezielt nachfragen, offensiv wollte der Betrieb nicht dafür werben. Damit nahm der KVB-Vorstand das Risiko in Kauf, dass Abo-Kunden nach einer Kündigung   nicht mehr zurückkommen. Nicht nur, dass der Service des „ruhenden Tickets“ nach wenigen Monaten wieder eingestellt wurde, es folgte auch keine großangelegte „Charme-Offensive“ zum Halten der Kunden.  

Am markantesten war da noch, dass das Abo-Ticket in den Sommerferien landesweit genutzt werden konnte, als Dank für die Treue. Weil das aber auf der Ebene der Verbände geregelt wurde, waren die KVB dabei nur Trittbrettfahrer.

Wie geht sie mit der Personalkrise um?

Wie schon bei Corona sind auch beim hohen Krankheitsstand der Verursacher nicht die KVB. Aber auch hier gibt es Kritik am Umgang des Vorstands mit der Krise. Im vergangenen August wurde offensichtlich, dass die Krankenquote unter den Fahrerinnen und Fahrern   das erwartete Maß weit überschreitet.

Eine Anzeige der KVB zeigt am Neumarkt die Wartezeiten auf die Kölner Stadtbahnen an.

Nicht immer kamen die Bahnen der KVB in Köln in den vergangenen Monaten im eigentlich geplanten Takt.

Der Busbetrieb wurde eingeschränkt. Der Stadtbahnbetrieb fuhr hingegen auf Sicht – zum Leidwesen der Fahrgäste. Bis zu 25 Prozent der Fahrten entfielen. Ob er betroffen ist, erfuhr der Kunde erst an der Bahnsteigkante, über die Anzeige. Planbarkeit bestand nicht mehr. So wäre es wohl weiter gegangen, wäre die öffentliche Kritik nach dem Rundschau-Bericht im Dezember nicht immer lauter geworden.

Selbst aus dem Aufsichtsrat drang die Forderung nach außen, Verlässlichkeit herzustellen. Getrieben von der Kritik präsentierte der Vorstand einen ausgedünnten Fahrplan. Erst ab dem 1. März wird er gänzlich greifen. Teils gehen die KVB in einen 20-Minuten-Takt über – soll dann aber verlässlich sein.

Wie ist das Klima im Vorstand unter ihr?

Ende 2021 kam durch Rundschaurecherche ans Tageslicht, die Stimmung im Vorstand ist so schlecht, dass der Aufsichtsrat einen Streitschlichter angeordnet hat. Es musste ein Mediationsverfahren durchgeführt werden. Die Schlichtung zog sich fast über ein Jahr hin. Danach hieß es knapp: erfolgreich abgeschlossen. Hinter vorgehaltener Hand berichten Insider, es gibt noch immer Frontlinien in dem vierköpfigen Führungsteam.

Grob gesagt: Beharrer gegen Neuerer und umgekehrt. Ein Aufsichtsratsmitglied fasst es – auf die anstehende Personalie Haaks angesprochen – so zusammen: „Man müsste eigentlich den ganzen Vorstand austauschen.“ Oder, wie es der Fraktions- und Parteivorsitzende der Kölner CDU, Bernd Petelkau, auf dem Neujahrsempfang der Partei mit Blick auf die Personalausfälle sagte: „Der Vorstand der KVB ist total überfordert.“

Kann Haaks auch „Attacke“?

Sie wären so gerne ein Dienstleistungsunternehmen, doch die KVB sind vielmehr Behörde. Weil Teil des Stadtwerkekonzerns beißen sich KVB-Vorstandsvorsitzende lieber auf die Zunge, als eine verkehrspolitische Entscheidung des Stadtrates oder der Stadtspitze infrage zu stellen.

Immerhin: Im Rahmen der diplomatischen Gepflogenheiten hat Haaks zu verstehen gegeben, dass sie von den Expressbussen auf der Aachener Straße – einst von Grünen und CDU auf die Bahn gesetzt – nicht viel hält. Auf weiter Strecke nur wenig genutzt binden die Busse Geld und Personal. Bei der Frage, ob es auf der Ost-West-Achse zwischen Heumarkt und Aachener Straße einen Tunnel braucht, positioniert sich Haaks klar für den Tunnel.

Diffus bleibt ihr Bild als Führungskraft. Wie ihr „Standing“ im Betrieb, ihre Durchsetzungskraft als Betriebsleiterin ist, darüber haben viele Aufsichtsratsmitglieder nur eine vage Idee.

Steht ihre Wiederwahl in Frage?

Um es unumwunden zu sagen: Nein. Ihre Vertragsverlängerung durch den Aufsichtsrat um weitere fünf Jahre darf als sicher gelten. Keiner wirft ihr Versagen auf ganzer Linie vor. Ein Stimmungsbild aus dem Aufsichtsrat: Haaks hat Erwartungen nicht direkt enttäuscht, sie hat sie aber auch nicht übererfüllt. In Schulnoten ließe sich das wohl am besten mit einer 3- ausdrücken.

Mit Blick auf die Krisen lässt sich ableiten: Sie ist da durch gekommen, hat sie aber auch nicht gemeistert. Eine im Aufsichtsrat vertretene Ratsfraktion wird der Vertragsverlängerung nicht zustimmen. In den anderen gibt es Überlegungen, als Mahnung, die Verlängerung nicht zum frühestmöglichen Zeitpunkt zuzusagen.

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