Der Köln-Triathlon steigt am 6. September mit einem Teilnehmerrekord. Beim Training für angemeldete Teilnehmer geht es vor allem um die Wechsel.
„Wir wollen einfach dabei sein“Wie Triathlon-Neulinge sich dem Wettkampf in Köln stellen

Eine Besonderheit des Köln-Triathlons ist die Schwimmstrecke im Rhein.
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Ihre neuen Rennräder haben sich Anna Dunschen und ihre Freundin ohne größeren Hintergedanken zugelegt. Radsport liegt schließlich im Trend und macht Spaß. So einfach ist das. Als das Rennrad da war, kamen die beiden plötzlich auf die Idee: „Wir gehen beide gerne joggen und haben uns gedacht: Wenn wir jetzt auch ein Rennrad haben, dann können wir ja auch direkt einen Triathlon machen“, sagt die 25‑Jährige. Gut, dass der Köln-Triathlon Einsteigern mit der Sprintdistanz eine vergleichsweise geringe Einstiegshürde bietet. Doch damit wollten sich die Freundinnen nicht zufriedengeben – und entschieden sich direkt für die Olympische Distanz. 2,2 Kilometer Schwimmen im Rhein, 45,9 Kilometer Radfahren und 9,4 Kilometer Laufen.
Köln-Triathlon feiert Teilnehmerrekord
Anna Dunschen ist eine von über 4100 Sportlerinnen und Sportlern, die am 6. September bei der fünften Auflage des Köln-Triathlons an den Start geht – ein neuer Teilnehmerrekord. Triathlon boomt. Die Startplätze sind seit Monaten ausverkauft. Mit Blick auf die Rekordzahlen des Köln-Marathons und des Radklassikers „Rund um Köln“ ist das wenig verwunderlich. Der Veranstalter aller drei Events, die Kölner Ausdauersport GmbH, profitiert von der nach wie vor wachsenden Begeisterung für den Lauf- und Radsport (siehe Interview). Wer schon läuft und Rad fährt – für den ist auch der Triathlon ein greifbares Ziel.
Dass ein Triathlon aber andere Ansprüche hat als ein reines Lauf- oder Radsport-Event, liegt in der Natur der Sache. „Triathlon ist eine sehr komplexe Sportart“, sagt Frederik Martin, Gründer des Kölner Unternehmens „Pro Athletes“, das sich auf Coaching und Leistungsdiagnostik im Ausdauersport spezialisiert hat. Bei Anfängern beobachtet er vor allem zwei gegensätzliche Herangehensweisen: „Es gibt diejenigen, die zu viel Respekt haben. Und dann gibt es die, die viel zu naiv an die Sache gehen.“

Auch in der Test-Wechselzone darf Anna Dunschen ihr Rennrad nur schieben.
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Um den richtigen Mittelweg zu finden, bieten die Veranstalter des Köln-Triathlons und „Pro Athletes“ gemeinsame Trainings für bereits angemeldete Teilnehmer an. An einem verregneten Mittwoch geht es auf dem Parkplatz am Fühlinger See vor allem um die vierte Disziplin des Triathlons, die gerade bei Einsteigern oft vergessen wird: die Wechsel zwischen den drei eigentlichen Disziplinen.
Wechsel als vierte Disziplin: Viele Kleinigkeiten zu beachten
Für Anna Dunschen und die anderen Teilnehmer geht es in die Test-Wechselzone auf dem Parkplatz. Dabei gibt es viele Kleinigkeiten zu beachten. Bereitgelegtes Equipment nur bis auf Höhe des Vorderreifens ablegen. Erst Helm auf, dann Fahrrad anfassen. In der Wechselzone Fahrrad schieben. Gar nicht so einfach, das alles im Kopf zu behalten. „Es hilft enorm, die Abläufe vor dem Wettkampf ein paar Mal durchzuspielen“, sagt Frederik Martin.

Barfuß geht es für die meisten nach dem Schwimmen in die Radschuhe.
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Auch Oliver Wycisk ist Triathlon-Einsteiger. Eigentlich kommt er aus dem Kraftsport. Seine Sorge gilt vor allem dem Laufen. Auch er hat sich für die Olympische Distanz entschieden. „Das wird vermutlich mein erstes und letztes Mal, dass ich so eine Strecke laufen werde“, sagt der 30‑Jährige. Radfahren sei bei ihm dagegen „eh immer gut“ gewesen. Sein Rad, ein bunt beklebtes Rennrad, hat er sich einst in Prag gekauft und ist damit bis nach Köln gefahren.

Oliver Wycisk (30) kommt aus dem Kraftsport und bereitet sich nun auf seinen ersten Triathlon vor.
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Die Komplexität beginnt aber schon vor dem eigentlichen Rennen, bei der Einrichtung der Wechselzone im Rheinpark, für die jeder Starter selbst verantwortlich ist – und die man im besten Fall beim Wechsel zwischen den Disziplinen auch wiederfindet. Sie setzt sich fort bei der Kleidung und deren Wechsel. „Wie komme ich nach dem Schwimmen mit nassen Füßen in meine Radschuhe?“, will einer der Teilnehmer wissen. Eine Lösung: Schuhe vorher mit Babypuder präparieren.
Vielen geht es darum, Antworten auf Unsicherheiten zu bekommen. Besonders viele Teilnehmer haben Respekt vor dem Schwimmen im offenen Wasser, weiß Frederic Martin. „Es scheitert in der Regel nicht an der Fitness, sondern daran, dass man sich überschätzt.“ Begleitboote und Helfer an Land überwachen das Rennen deshalb und können notfalls schnell eingreifen. Generell sei der Rhein mit seiner Strömung aber ein dankbares Gewässer für einen ersten Triathlon.

Beim Wechseltraining auf dem Parkplatz am Fühlinger See proben die Teilnehmer die Abläufe unter Extrembedingungen – bei strömendem Regen.
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Beim Radfahren sollten es vor allem Einsteiger nicht mit dem Material übertreiben. Auch ein Gravelbike reiche aus. „Wenn man Spaß an der Sache hat, dann kann man auch aufrüsten“, sagt Martin. Beim Laufen könne grundsätzlich am wenigsten passieren. Aber: „Viele sind verwundert, dass sich das Laufen ganz anders anfühlt, wenn man vorher schon das Schwimmen und Radfahren in den Beinen hat“, sagt Martin.
Im Training gehe es darum, den Teilnehmern Sicherheit und Ruhe zu geben. „Es geht nicht darum, jede Sekunde herauszuholen, sondern darum, dass die Sportler jede Sekunde genießen können“, sagt Martin. Bei aller Komplexität der Sportart sei er zuversichtlich, dass auch Erstteilnehmer gut ins Ziel kommen. Auch Anna Dunschen ist optimistisch. „Wir wollen einfach dabei sein und etwas erleben“, sagt sie. Was für eine Zeit am Ende herauskommt – zweitrangig.
Markus Frisch: „Immer mehr Jüngere entdecken den Sport für sich“

Markus Frisch, Geschäftsführer der Kölner Ausdauersport GmbH.
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Markus Frisch ist Geschäftsführer der Kölner Ausdauersport GmbH, die den Köln-Triathlon, den Köln-Marathon und den Radklassiker „Rund um Köln“ veranstaltet.
Herr Frisch, wie geht es dem Köln-Triathlon?
Sehr gut. Bei der ersten Ausgabe 2022 hatten wir 2500 Teilnehmer, jetzt sind wir bei 4500 angekommen. Die Startplätze sind seit Monaten ausverkauft. Das ist auch erst einmal das Limit. Für eine größere Zahl müsste die Wechselzone größer werden.
Beim Köln-Marathon und bei „Rund um Köln“ wurde das Teilnehmerfeld zuletzt immer jünger und weiblicher. Ist das auch beim Triathlon zu beobachten?
Absolut, wir beobachten auch beim Triathlon einen Generationswechsel. Immer mehr jüngere Leute entdecken den Sport für sich. Der Frauenanteil ist in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen und beträgt aktuell 33 Prozent.
Woher kommt die Begeisterung bei den Jüngeren?
Der Boom im Lauf- und Radsport zahlt auch auf den Triathlon ein. Auch beim Triathlon bilden sich über die Sozialen Medien immer mehr Communities, in denen junge Menschen ohne Vereinsbindung zusammen Sport treiben. Dazu kommt das neue Gesundheitsbewusstsein in dieser Generation.
Für viele Kölner läuft der Triathlon aber immer noch unter dem Radar.
Das stimmt. Dabei ist der Triathlon eine so emotionale und energiegeladene Veranstaltung. Ich würde mir wünschen, dass viele Kölner am 6. September vorbeischauen, um sich das Spektakel anzuschauen. Wir haben hier etwas Besonderes: ein Innenstadt-Rennen auf diesem Niveau gibt es sonst nirgendwo. Wir schwimmen im Rhein, wir laufen am Dom. Besser geht es doch nicht. Das spiegeln uns auch die Teilnehmer.
Welche Aussichten gibt es für die Weiterentwicklung des Triathlons in den kommenden Jahren?
Es gibt schon noch Möglichkeiten, den Triathlon zu vergrößern. Aber das Rennen wird nicht besser, wenn wir 10.000 Leute am Start haben. Am Ende geht es für uns um die Qualität des Rennens. Wenn die Wege in der Wechselzone zu lang werden oder die Orientierung unter der Größe leidet, haben wir davon nichts. Ein nächster Schritt könnten Live-Bilder sein, das wäre auch für Sponsoren noch einmal deutlich interessanter. Daran arbeiten wir.