Mehrere große Einrichtungen werden bald aufgegeben, Schwierigkeiten bei der Unterbringung zeichnen sich bereits ab.
Stadt warnt vor RisikenMehrere Flüchtlingsunterkünfte in Köln werden abgebaut

Die Flüchtlingsunterkunft am Südstadion soll im Januar 2027 aufgegeben werden.
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Gut 9200 Geflüchtete werden derzeit im Stadtgebiet untergebracht und betreut, und auf der Grundlage der aktuellen Situation geht die Verwaltung davon aus, dass diese Zahl recht konstant bleiben wird. Zugleich warnen die Fachleute vor Risiken, die eintreten können, wenn sich die Zahl von Asylsuchenden und illegal Einreisenden plötzlich wieder erhöht, wie es beispielsweise ab 2015 der Fall war.
Im Moment aber ist die Situation zumindest nicht extrem angespannt. Es reisen weniger Menschen ein, mittelfristig wird nicht mit deutlich abnehmenden Zahlen gerechnet, heißt es in einer Mitteilung für mehrere Ausschüsse des Stadtrates. Zudem müssen einige größere Einrichtungen aus verschiedenen Gründen aufgegeben werden. So wird die Notunterkunft an der Vorgebirgstraße in Zollstock Ende Januar 2027 geräumt. Für die Anlage mit Wohncontainern in der Nähe des Südstadions läuft zu diesem Zeitpunkt der Mietvertrag aus. 396 Plätze in 79 Wohneinheiten gibt es dort. Weil das Grundstück für die Parkstadt Süd gebraucht wird, sollen die Container abgebaut werden.
An der Merianstraße in Fühlingen wird bereits zum Ende dieses Monats keine Unterbringung mehr stattfinden. Die Containeranlage mit 378 Plätzen wird aufgegeben, damit das Grundstück vom Sportamt wieder als Parkplatz für den Fühlinger See genutzt werden kann. An der Nikolausstraße Ecke Berrenrather Straße in Sülz wird die Stadt ebenfalls auf 40 Unterbringungsplätze verzichten müssen. Die Containeranlage mit gemeinsamen Sanitäreinrichtungen und Gemeinschaftsküchen soll abgebaut werden, damit das Grundstück ab dem Jahreswechsel anders genutzt werden kann. Bis Ende Juni sollen die Räume freigemacht werden, anschließend beginnen die Rückbauarbeiten.
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Mietverträge laufen aus
An der Ringstraße in Rodenkirchen sind 578 Menschen in einem alten Autohaus untergebracht. Der Mietvertrag läuft dort noch bis Ende März 2028, dann aber soll auch diese Immobilie nach Angaben der Verwaltung verschwinden, weil die Eigentümer des Grundstücks an dem Platz neue Wohnungen bauen wollen.
Für die Verwaltung ist die Aufgabe dieser Einrichtungen eine Herausforderung, denn Ersatz ist schwierig zu finden. „Trotz Anstrengungen bei der Akquise neuer Standorte bestehen aktuell nur selten Optionen zum Kauf oder zur Anmietung geeigneter Immobilien“, heißt es in der Mitteilung für die Politik. Insgesamt würden bis Ende 2027 Standorte mit rund 1450 Plätzen verloren gehen. Dem gegenüber stünden geplante Neuanmietungen und Baumaßnahmen im Rahmen von etwa 230 Plätzen. Das Fazit der Verwaltung angesichts dieser Zahlen liest sich durchaus dramatisch: „Bis Ende 2027 stehen merklich sinkende Unterbringungskapazitäten einem nach aktuellem Stand gleichbleibend hohen Bedarf gegenüber.“
Umstrittene Hotel-Anmietungen
Eine Möglichkeit, dieser Misere zu begegnen, ist die Anmietung von Hotels, die schon in der Vergangenheit immer wieder zu politisch kontroversen Debatten geführt hatte. Schließlich sind die Kosten für diese Einrichtungen vergleichsweise hoch. Mit Stand vom 31. Dezember 2025 waren 1672 Betten in 25 Beherbergungsbetrieben von der Stadt für Geflüchtete belegt. Meist ist in den Häusern eine Selbstversorgung in eigenen oder gemeinschaftlichen Küchen möglich. Bevorzugt werden nach Auskunft der Stadt solche Hotels angemietet, die recht viele Zimmer haben, damit auch der Einsatz von Sozialarbeitern dort gut organisiert werden kann. Obwohl durch Inflation oder höhere Energiekosten die Preise für Hotelanmietungen in der Vergangenheit stetig anstiegen, ist es der Verwaltung im letzten Halbjahr nach eigener Auskunft gelungen, die Preise stabil zu halten oder sogar zu senken.
Trotz alldem treibt der Blick in die Zukunft den Verantwortlichen im Rathaus durchaus auch Sorgenfalten auf die Stirn: Weil die Zahl der Plätze für die unterzubringenden Menschen tendenziell sinke, könne auf den individuellen Bedarf der Betroffenen womöglich nicht mehr immer Rücksicht genommen werden: „Abhängig von der weiteren Bedarfsentwicklung kann daher auch die Akquise von Standorten ohne abgeschlossene Wohneinheiten notwendig werden.“ Damit würden die vom Stadtrat beschlossenen Standards nicht mehr eingehalten. Und weil es keine Reserve für die Unterbringung mehr gebe, seien zudem bei einem „kurzfristigen und signifikanten Anstieg der Ankunftszahlen“ auch die Not-Unterbringungen in städtischen Turnhallen nicht ausgeschlossen.
