Köln – Kaum sind die Geschäfte wieder geöffnet und die Einkaufsstraßen etwas gefüllt, sind auch die Taschendiebe wieder da. Zu dieser Einschätzung kommt die Polizei nach den ersten Lockerungen im Einzelhandel. „Wir verzeichnen bereits einen leichten Anstieg“, sagte ein Polizeisprecher der Rundschau. Die Täter hätten es auf die Taschen der Kunden in den Läden abgesehen und würden dort in einem unbeobachteten Moment die Geldbörse stehlen. Derzeit werde besonders in den Geschäften gestohlen, weil auf den Straßen die Bürger auf den Abstand achten würden und es so für Taschendiebe schwieriger geworden sei. „Es gibt bereits Fälle, bei denen die gestohlenen EC-Karten am Geldautomaten eingesetzt wurden“, ergänzte der Sprecher. Wegen der Abstandsregeln können die Täter ihre bewährten Tricks kaum noch anwenden. So findet der Rempeltrick kaum noch statt, weil die Bürger aufpassen, wer sich hinter und vor ihnen bewegt. Auch der so genannte „Ketchup-Trick“ geht ins Leere. Ein Täter bespritzt aus Versehen das Opfer mit roter Soße und ein Mittäter nimmt im Getümmel die Geldbörse an sich.
Mundschutz bei der Polizei
Die Kölner Polizei weist darauf hin, dass Besuche und Beratungen in den Dienststellen weiter nicht möglich sind. Anzeigenaufnahmen und Vernehmungen seien allerdings mit Schutzmaßnahmen gewährleistet.
Ein Mundschutz ist für jeden, der einen Termin bei der Polizei hat, zwingend notwendig. Notfalls wird den Bürgern eine Maske zur Verfügung gestellt. Die Polizei arbeitet nach derzeitigem Stand noch bis zum 10. Mai im „reduzierten Dienstbetrieb“, wie ein Polizeisprecher sagte.
Die Behörde arbeite intensiv an Plänen, wieder den normalen Betrieb aufzunehmen.
Seit Beginn der Corona-Krise arbeitet die Behörde in einem 14-Tage-Schichtbetrieb. Beamte arbeiten von zu Hause oder haben frei und ersetzen nach zwei Wochen die ausgeruhten Beamten. (ta)
Seit Beginn der Corona-Krise sind die Taschendiebstähle massiv zurückgegangen. „Die Domplatte ist leer. Wer soll dort bestohlen werden?“, hatte Polizeipräsident Uwe Jacob vor über einem Monat erzählt. Nun sind die Menschen zurück und die ersten Diebe auch. Dennoch sind die Beamten weiter mit der Entwicklung der Taschendiebstähle in Köln zufrieden. Im Jahr 2018 gab es in der Domstadt genau 6662 angezeigte Taten, ein Jahr später waren es 5605 Diebstähle von Geld, Handys oder EC-Karten. Auch im Land Nordrhein-Westfalen sind die Taschendiebstähle wegen fehlender Tatgelegenheiten deutlich zurückgegangen. Vom 1. März bis zum 19. April 2019 gab es laut dem Landeskriminalamt in Düsseldorf genau 4975 Taschendiebstähle – im gleichen Zeitraum im Jahr 2020 kam es zu 2168 Straftaten von Taschendieben.
In Köln wurde der Zeitraum 1. März bis 8. April der Jahre 2019 und 2020 verglichen. Dabei gab es in der coronafreien Zeit vor einem Jahr 809 Taten, ein Jahr später gab es „nur“ 249 Taschendiebstähle.
