Abo

Busbibliothek KölnSo bringt die Stadtbibliothek Bücher in die Veedel

4 min
Die Kölner Busbibliothek. Der Wagen ist grau und ein großer Schriftzug „Busbibliothek“ kennzeichnet ihn.

Erfreut sich großer Beliebtheit: Seit 2023 ist die Busbibliothek wieder in Köln unterwegs.

Die Busbibliothek versorgt Veedel, in denen keine Stadtbibliothek ist. Das Team rund um Christina Kreuzer sorgt dafür, dass für jeden Kunden das passende Buch bereitliegt. 

Der Bus rollt an diesem Freitagnachmittag in die Junkersdorfer Statthalterhofallee und hält an seinem gewohnten Platz. Gegenüber der Haltestelle liegt eine Grundschule, Kinderstimmen hallen von dort in das Wohngebiet. Nach Schulschluss steigen einige Kinder mit Ranzen auf dem Rücken ein und geben ihre ausgeliehenen Bücher zurück. Denn dieser Bus ist kein gewöhnlicher: Es ist die Kölner Busbibliothek, betrieben von der Stadtbibliothek.

Auch der Sohn von Lisa Eisenmenger schaut sich nach der Schule im Wagen um, während sie mit dem Fahrrad vor der Tür wartet. Sie besuchen den Bus zum zweiten Mal gemeinsam, um ausgeliehene Medien zurückzugeben. Der Junge muss nach der Schule immer noch zehn Minuten warten. Die Zeit kann er jetzt in der Bibliothek verbringen. „Dann musst du aber meinen Ausweis mitbringen“, erinnert der Junge seine Mutter. „Kein Problem“, erwidert sie lachend.

Die Busbibliothek ist kein neues Konzept in Köln. Bereits 1931 fuhr ein Daimler-Benz-Bus durch die Straßen der Stadt, um die Einwohner mit Büchern zu versorgen. Bis 1990 ist die Flotte auf insgesamt sechs Wagen angewachsen, die jedoch infolge von Sparzwängen in den 2000er-Jahren abgeschafft wurden. Aber die Stadtbibliothek gab das Konzept nie auf: Zwischen 2005 und 2007 hat der Förderverein eine Busbibliothek unterhalten. Im Oktober 2023 startete schließlich das neue Angebot seine erste Tour.

Insgesamt 18 Stationen für die Busbibliothek

Bibliothekarin Christina Kreuzer fährt Woche für Woche die 18 Stationen an. Von Anfang an war sie in Planung und Umsetzung der Busbibliothek eingebunden. Die Inneneinrichtung haben sie und ihr Team detailliert entwickelt. „Am Ende mussten alle Puzzleteile zusammenpassen“, erinnert sie sich. Der Bus wurde eigens für seinen Einsatz von einem finnischen Hersteller gebaut.

In die Seitenwände sind schmale, silberne Regale eingelassen, damit die Bücher während der Fahrt sicher verstaut sind und der Bus weiterhin geräumig bleibt. Durch die Dachfenster fällt natürliches Licht. Während im vorderen Teil Romane, Kochbücher und DVDs für Erwachsene ausliegen, ist der hintere Teil für die Kinder reserviert. Dort sind die Regale mit Bilderbüchern, Comics, Tonies-Hörfiguren und Gesellschaftsspielen gefüllt. Eine Bank im Heck bietet den kleinen Besuchern Platz, um durch die Bücher zu blättern.

Die Inneneinrichtung der Busbibliothek: An den Seiten sind weiße Regale mit Büchern gefüllt, in der Mitte ein geräumiger Flur. Am Ende des Flurs ist eine Sitzgelegenheit.

Im hinteren Bereich des Busses können es sich die Besucher mit einem Buch bequem machen.

Im Bus finden rund 3500 Medien Platz. Kreuzer kann bei der Bestückung des Wagens auf circa 7000 weitere Titel zurückgreifen und das Angebot immer wieder auf den neusten Stand bringen. Von aktuellen Bestsellern bis zu Klassikern ist alles zu finden – wie in einer stationären Bibliothek. Kunden können durch den Bus stöbern oder gewünschte Medien vorbestellen. Bücher, die in Stadtbibliotheken ausgeliehen wurden, können auch im Bus zurückgegeben werden. Einzige Voraussetzung ist ein Bibliotheksausweis.

Kristina Steinbiß besucht die Busbibliothek jede zweite Woche am Halt in Junkersdorf. Während sie früher noch Bücher für ihre Kinder ausgeliehen hat, hält sie heute drei Romane für sich selbst in der Hand. „Ich schätze an der Busbibliothek, dass ich aktuelle Literatur direkt vor der Haustür bekomme“, sagt Steinbiß. Darin liegt einer der größten Vorteile des Angebots: Kreuzer und ihr Team steuern Veedel an, in denen es keine nahegelegene Stadtbibliothek gibt. Ein Halt dauert zwischen einer und zwei Stunden. Montags ist der Bus viermal im rechtsrheinischen Köln unterwegs, freitags dreimal im Westen der Stadt.

Für viele Kunden sei der Bus der einzige Kontakt am Tag

„Es ist ein schöner Arbeitsplatz“, sagt Bibliothekarin Kreuzer. Für sie ist der Bus ein Herzensprojekt. Viele Kunden kennt sie beim Namen und weiß, was sie interessiert. „Wenn ich mit verbundenen Augen an einen Ort kommen würde – ich glaube, ich könnte sagen, wo wir sind“, sagt sie lachend.  Der Bus hat einige Stammkunden, für die das neue Buch meist schon bereitliegt. Ansonsten fragt Kreuzer nach, „ob wir heute was für Sie haben“. Der soziale Aspekt sei dabei nicht zu unterschätzen. „Für manche Kunden ist der Bus der einzige Kontakt am Tag“, berichtet Kreuzer. Da erfahre sie auch mal was Privates, was sie dann Woche für Woche miterlebe.

In Junkersdorf ist es an diesem Nachmittag ruhig. Anders sei der Andrang mittwochs am Clarenbachplatz in Braunsfeld, erzählt Kreuzer. Dort steigen mitunter über 200 Menschen an einem Nachmittag ein. „Aber wenn an einem anderen Standort 20 Personen kommen, ist das auch ein Gewinn“, fügt die Bibliothekarin hinzu. In der Woche besuchen rund 800 bis 1000 Menschen den Bus.

Wer auf Kölner Straßen unterwegs ist, sieht sich jedoch auch mit Herausforderungen konfrontiert. Die größte besteht darin, geeignete Halteplätze zu finden: Der Bus benötigt ausreichend Raum, und die Kunden müssen sicher ein- und aussteigen können. Der Halt am Ebertplatz musste in den vergangenen Wochen schon zweimal ausfallen, weil Laubcontainer im Weg standen. Das sorge für Unmut, aber wenn Kreuzer und ihr Team in der folgenden Woche wieder auf dem Platz stehen, hören sie oft: „Schön, dass sie wieder da sind.“