Tatkräftige Hilfe leistet ein Kölner Arzt, der in der Karibik lebt, nach dem verheerenden Hurrikan Melissa.
Nach Hurrikan MelissaSo hilft ein Kölner Arzt in der Karibik

Tatkräftige Hilfe: Yaron Rado (l.) aus Köln fliegt medizinische Hilfsgüter von den Cayman Islands nach Jamaika.
Copyright: Yaron Rado
„Es ist eine Katastrophe von biblischen Ausmaßen“, sagt Yaron Rado und ergänzt: „Land unter, im wahrsten Sinne des Wortes.“ Für den Kölner war sofort klar: „Ich kann nicht einfach dasitzen und ein Päckchen auf die Nachbarinsel schicken.“ Also setzte er sich in seine Cessna und flog in rund zwei Stunden von George Town, der Hauptstadt der Cayman Islands, hinüber nach Montego Bay, einem der zentralen Touristenmagnete von Jamaika.
Doch sein Ziel war nicht die vor allem bei Kreuzfahrtschiffen beliebte Bucht, sondern das Hinterland. Insbesondere hier hatte der mit Fünf auf die höchste Kategorie (verwüstend) eingeschätzte Hurrikan Melissa vor rund drei Wochen schwerste Schäden mit verheerenden Konsequenzen für die dort lebenden, sozial ohnehin schon benachteiligten Menschen angerichtet. Erstmals überhaupt in einer Hurrikansaison in der Karibik wird seitdem diskutiert für diesen Sturm die Hurrikanskala, um die Stufe Sechs zu erweitern. „Im Hinterland mit den riesigen Überschwemmungsgebieten, soweit das Auge reicht, fehlt es an allem; es gibt keine Versorgung, keine Infrastruktur“, berichtet der 53-Jährige. Weil ein Fluss von den Wassermassen hochgespült worden ist, ziehen nun zig Alligatoren umher und fressen Menschen und Tiere.

Yaron Rado aus Köln fliegt medizinische Hilfsgüter von den Cayman Islands nach Jamaika.
Copyright: Yaron Rado
„Wir leben zwar auch im Hurrikan-Korridor, sind aber seit 20 Jahren verschont geblieben“, berichtet der Radiologe, der in der Uniklinik das Licht der Welt erblickte und in Braunsfeld groß geworden ist. Regelmäßig besucht er seine Eltern, die unweit des Stadtwalds leben. Seit zwei Jahrzehnten lebt er auf der Hauptinsel der Cayman Islands, wo er jahrelang in zwei Krankenhäusern tätig gewesen ist. Inzwischen hat der Absolvent des Gymnasiums Kreuzgasse mit Partnern eine Klinik selbst übernommen und führt sie als Vorstandsvorsitzender.
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Seit Jamaika vom Hurrikan getroffen und verwüstet wurde, ist er bereits dreimal zwischen den Inseln hin- und hergeflogen, um Hilfsgüter, insbesondere medizinische und technische Ausrüstung, zu überbringen. „Wir wollen hier eine aktive Rolle übernehmen, um unsere Schwesterinsel in dieser außerordentlichen Situation zu unterstützen — das ist ein Zeichen der Solidarität und Fürsorge.“
Währenddessen musste er zudem selbst noch ein dramatisches Erlebnis verkraften: Alexander, einer seiner engsten Freunde, begeisterter Flieger, Kölner und wie Yaron Rado vor Jahren in die Karibik ausgewandert, stürzte bei einem Parallelflug mit Hilfsgütern aus bisher ungeklärten Gründen ab. „Das Flugzeugwrack wurde bis heute nicht gefunden, die Leichen von Alexander und seiner 22 Jahre alten Tochter werden noch gesucht.“
Als Yaron dieser Tage in Jerusalem war, hat er in der Grabeskirche von Jesus Christus zahlreiche Rosenkränze gekauft und vor Ort von einem Priester segnen lassen. „Die habe ich der Gemeinde von meinem verunglückten Freund übergeben.“ Dessen tiefe Religiosität habe ihn stets sehr beeindruckt, sagt Yaron, der gläubiger Jude ist und bis heute seiner Heimatgemeinde, der Synagogen-Gemeinde an der Roonstraße, verbunden ist.
Verbindung nach Köln besteht trotz der Entfernung seit vielen Jahren
Zudem hat er eine seit Jahren bestehende enge Verbindung mit seinen Kölner Freuden aus Kindergartentagen und der Schulzeit. Sie tauschen sich nicht nur regelmäßig virtuell über eine Gruppe in den sozialen Medien aus. Noch wichtiger sind die turnusgemäßen persönlichen Treffen in einem Brauhaus in der Nähe des Domes, zu denen sich die mittlerweile weithin verstreuten Freunde als fest eingeschworene kölsche Gruppe über Jahrzehnte trifft.
Zurück nach George Town: Über den dort ansässigen Rabbiner hatten Alexander und Yaron ihre persönlichen Hilfsmaßnahmen koordiniert, da dieser eine Verbindung zu seinem Amtsbruder nach Jamaika hatte. Während in der Touristenhochburg Montego Bay die Aufräum- und Wiederherstellungsarbeiten rasch vorankommen, normalisiere sich in den anderen Regionen des Landes die Lage nur langsam.
„Es geht aber voran, vor allem dank internationaler Hilfsorganisationen und beispielsweise durch den Einsatz von Hubschraubern der US-Armee“, berichtet der Arzt, der sich als Kölner durch und durch bezeichnet. Das lässt sich auch daran ablesen, dass er – trotz der Entfernung von Tausenden Kilometern – Gründungsmitglied des 2017 gegründeten jüdischen Karnevalsvereins „Kölsche Kippa Köpp“ ist.
