RheinüberquerungFähre von Köln-Niehl nach Flittard wird neu geplant

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Ein Schiff fährt über den Rhein an einen Anleger.

Dieser Anleger soll einmal die Fährgäste in Empfang nehmen.

Der neue Verein Fährkultur Köln-Nord nimmt einen weiteren Anlauf, um die Fähre über den Rhein wiederzubeleben. Bis in die 1960er pendelte ein Schiff im Norden Kölns.

„Wir wollen durch die neue Fähre eine Million Autokilometer von den Kölner Straßen nehmen und somit an der Verkehrswende teilnehmen“, erklären Max Dembour und Axel Lengert. „Dies würde auch einen einmaligen Eingriff ins Naturschutzgebiet am rechtsrheinischen Ufer rechtfertigen“, sind die beiden überzeugt.

Dembour, der erste Vorsitzende des neu gegründeten Vereins „Fährkultur Köln-Nord“, sowie Vorstandsmitglied Axel Lengert, wollen im zweiten Anlauf doch noch einen Fährbetrieb zwischen Niehl sowie Flittard/ Stammheim auf die Beine stellen. Ihr Verein, exakt am „Elften im Elften“ 2022 gegründet, seit Jahresanfang ins Register eingetragen und seit Anfang Februar als gemeinnützig anerkannt, will den alten Traum der Fährverbindung im Kölner Norden weiter verfolgen und letztlich realisieren. „So eine Fähre ist eben auch etwas Emotionales, ein schönes Ausflugsziel“, schwärmt Lengert. „Er verbindet die links- und rechtsrheinischen Stadtteile direkt miteinander.“

Köln: Fähre von 1967 soll wiederbelebt werden

Ende des Vorjahres hatte sich „Niehl-Fährt“aufgelöst, der Verein, der die 1967 eingestellte Fähre wiederbeleben wollte. Denn aufgrund verschiedener Erschwernisse – darunter das streng geschützte Naturschutzgebiet am rechtsrheinischen Ufer, mögliche Konflikte mit einem Ruderclub, eine Konkurrenz zum geplanten städtischen Wasserbus-System – sei das Projekt wohl nicht realisierbar, kam man damals unter den Mitgliedern überein.

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Der neue Verein setzt jedoch dennoch auf einen Landepunkt im Naturschutzgebiet, mit geringstmöglicher Beeinträchtigung von Flora und Fauna: Vom Anleger-Pavillon, an den der Ponton mit dem Steg für Passagiere angeschlossen ist, würde eine rund 100 Meter lange Brücke auf Stelzen das Naturschutzgebiet am Rheinufer durchqueren, bis sie auf „Festland“ trifft. Baumfällungen soll es natürlich nicht geben. Der Landepunkt läge innerhalb des Naturschutzgebietes „Flittarder Rheinaue“, jedoch noch so gerade auf Stammheimer Gebiet – anders als der Name suggeriert, umfasst die Schutzzone Areale in beiden Stadtteilen. Im Konzept ist bewusst ein Landepunkt gewählt, bei dem die zu durchquerende Uferzone schmaler ist als ein Stück weiter südlich.

Köln-Niehl: Niehler Damm soll Startpunkt sein

Ansonsten ist im Konzept vieles wie bei „Niehl-Fährt“: Linksrheinisch bliebe es beim Fähranleger am Niehler Damm als Startpunkt. Nach wie vor soll es eine rein elektrobetriebene Fähre mit Kapazität für 80 Personen und 40 Fahrräder werden, die mit Wasserkraft aus den Turbinen im linksrheinischen Ponton versorgt würde. „Wir planen sogar, zum Netto-Stromproduzent zu werden, also über den Eigenbedarf der Fähre hinaus Wasserkraft-Strom zu erzeugen.“ Die Initiative „Rhein-Sharing“ der Technischen Hochschule (TH) Köln, die sich mit der Stromversorgungs-Technik beschäftigt, sei nach wie vor an Bord.

Um die Fährverbindung zu realisieren, will der Verein vor allem Öffentlichkeit herstellen, die Diskussion forcieren und auf Entscheidungsträger bei der Stadt und der Bezirksregierung Köln einwirken. „Wir sind das Sammelbecken, um die Befürworter der Fährverbindung zu kanalisieren, so dass die Fähre irgendwann Wirklichkeit wird“, so Lengert.

Die Verbindung würde ein Einzugsgebiet bis Leverkusen und den Rheinisch-Bergischen Kreis haben, schätzen die beiden. „Im Übrigen wäre sie keine Konkurrenz zu einem möglichen städtischen Wasserbus-System, sondern komplementär, durch ihre Zubringer-Funktion“, ergänzt Dembour, der vor kurzem selbst das Fährpatent gemacht hat, welches zum Steuern der Fähre berechtigt. Er war einst eine Zeit lang Vize-Vorsitzender bei „Niehl-Fährt“, auch Vorstandsmitglied Stefan Kaszian war beim alten Verein aktiv.

Ein weiterer Punkt: Mögliche Überschüsse aus dem Fährbetrieb sollen zugunsten Kunst und Kultur sowie Stadtverschönerung in den anliegenden Veedeln gehen. „Und unser Name ist besser, weil er nicht nur Niehl im Namen trägt, sondern mit dem Kölner Norden auch das Rechtsrheinische einschließt.“

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