Laut und aber weitgehend friedlich ging es Silvester in Köln zu.
Silvester in KölnSo feierten Zehntausende in der Innenstadt

Viel los war zu Silvester in der Kölner Innenstadt
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Ehepaar Flügge ist aus dem Schwarzwald angereist und um kurz vor Mitternacht in der Altstadt am Rhein unterwegs. „In Köln ist es immer toll und in Donaueschingen sind jetzt alle schon im Bett“, erzählt Kerstin Flügge und lacht, während sie sich zum Anstoßen aufs neue Jahr noch schnell einen kleinen Sekt-to-Go kauft. Ralf Flügge und seine Ehefrau fühlen sich in der Altstadt sicher und sehen Köln als gutes Beispiel für den Umgang mit Silvesternächten: „Köln macht das schon ganz gut, viel Polizeipräsenz und auch die Sicherheits- und Rückzugszone um den Dom finden wir eine gute Idee.“
Zum dritten Mal hat die Stadt zwischen Rhein und Ringen eine Böllerverbotszone eingerichtet. Böller, die einfach nur knallen, sind dort verboten. Raketen und andere Feuerwerkskörper mit optischen Effekten sind vom Verbot ausgenommen. Rund um den Dom herrschen noch einmal schärfere Regeln. „Die Feuerwehr hat mir berichtet, dass die Einsätze signifikant zurückgegangen sind, seitdem es die Böllerverbotszone gibt. Insofern ist gerade das Bild am Dom ein friedliches. Das Böllerverbot funktioniert an dieser Stelle gut“, findet Oberbürgermeister Torsten Burmester.

Silvester in Köln
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An seinem ersten Silvesterabend als Kölner Oberbürgermeister ist Burmester an verschiedenen Stellen präsent. Zunächst besucht er den Koordinierungsstab der Stadt, wo alle Informationen über die Lage in der Stadt zusammenlaufen. In Kalk tauscht er sich mit Einsatzkräften der Berufsfeuerwehr und Freiwilliger Feuerwehr aus, anschließend ist er mit Polizei und Ordnungsamt auch in der Altstadt unterwegs.
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Klar ist aber auch: Nicht jeder hält sich an die Regeln. Während Burmester spricht, explodiert wenige Meter entfernt ein Böller, dessen Wirkung definitiv nicht über den reinen Knall hinausgeht. „Wir sanktionierten Verstöße mit hohen Geldstrafen, auch wenn wir nicht jeden Einzelnen erreichen werden, der sich nicht an das Verbot hält“, sagt Burmester.
Neben der aktuellen Sicherheitslage geht es Burmester bei seinem Besuch in der Innenstadt aber auch ums Erinnern. Vor zehn Jahren wurden Frauen und Mädchen in der Kölner Silvesternacht massenhaft Opfer von Taschendiebstahl, Bedrohung und sexueller Gewalt – auch, weil die Polizei in dieser Nacht mit zu wenigen Kräften geplant hatte und eine Abstimmung zwischen den zuständigen Behörden unzureichend war. „Zehn Jahre nach diesem Vorfall muss man sich fragen: Greifen die Maßnahmen, die wir bisher auf den Weg gebracht haben? Und ich glaube, sie greifen“, sagt Burmester. „Aber trotzdem muss man auch an die Ereignisse von vor zehn Jahren erinnern. Dass Menschen, insbesondere Frauen, zu Schaden gekommen sind und dass sexuelle Übergriffe stattgefunden haben. Das alles muss in Zukunft verhindert werden.“ Schon im Vorfeld hatte Burmester sich mit Opfern getroffen, in der Nacht besucht er Orte, an denen es zu den einschneidenden Vorfällen gekommen war.

Viel Polizei war Silvester in Köln unterwegs
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Als die Uhr Mitternacht schlägt, verdichtet sich der Nebel der gezündeten Raketen am Rheinufer in der Altstadt. Nach kurzen Umarmungen und Neujahrsgratulationen geht es jetzt richtig los. Es zischt, es knallt, teilweise zünden Menschen die Raketen aus ihren Händen und lassen sie in die Nacht zischen. Was dem einen ein Lachen ins Gesicht zaubert, bereitet den anderen Sorge. Vereinzelt machen sich die bunten Leuchtkugeln auf den Weg in die Menge und Menschen springen erschrocken auf, wenn Böller vor ihren Füßen explodieren.

Oberbürgermeister Torsten Burmester mit Polizisten
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Sarah ist mit ihren Freunden aus Hamburg gekommen, um das neue Jahr zu begrüßen. Die Gruppe steht mitten im Gedränge, allerdings mit Sicherheitsabstand zum Rheingarten, um den Feuerwerkskörpern zu entgehen. Sarah fühlt sich sichtlich unwohl, während zwei Meter neben ihr eine Gruppe Raketen in die Nacht feuert. „Ich finde es gut, dass es in großen Städten bereits Verbotszonen gibt, das gibt es in Hamburg auch.“ Doch trotz Böllerverbotszone ist es in Köln erlaubt, Raketen zu zünden. „Normalerweise halte ich Abstand, hier wird das schwierig. Sicher fühle ich mich gerade nicht.“
Während das Feuerwerk auch nach Mitternacht im Rheingarten nicht abklingt, scheinen manche nicht nur den Spaß an den Farben im Sinn zu haben. Als ein junger Mann mit Raketen bewaffnet auf die Menge zielt, greift die Polizei ein und verhindert seine Flucht noch rechtzeitig. „Ruhig“ verläuft die Nacht aus Sicht des Ordnungsamtes. „Normal“ wäre vielleicht das passendere Wort. Denn ruhig ist der Start ins neue Jahr am Rheinufer ganz sicher nicht. Dazu kommen die mittlerweile üblichen Vorfälle, auch in diesem Jahr geraten Einsatzkräfte von Polizei und Ordnungsamt in Raketen-Beschuss. Diskussionen rund um Sinn und Unsinn des Feuerwerks werden auch in Köln bleiben.
