Der Verein Metropolregion Rheinland soll die Region stärken, aber schwächelt seit der Gründung im Jahr 2017. Es kaum zu einer Austrittswelle. Nun will Kölns OB Torsten Burmeister den Vorsitz übernehmen.
Neue Aufgabe für Kölner OBKann er die Metropolregion retten?

In der Blickachse des Doms, im Hochhaus Triangle in Deutz, residiert der Verein Metropolregion Rheinland.
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Unter einem Aufgabendefizit dürfte Torsten Burmester als Kölner Oberbürgermeister nicht leiden. Die Liste der Probleme, die in der Domstadt auf Bewältigung warten, ist lang. Die Verwahrlosung in der offenen Drogenszene, die Wohnungsnot, der Schulplatzmangel – um nur einiges zu nennen. Mehr als genug zu tun also. Dennoch lädt sich der OB noch mehr auf: Die Rettung der Metropolregion Rheinland nämlich. Im Rundschau-Interview aus Anlass seiner ersten 100 Tage im Amt gab er bekannt, den Vorsitz des Lobbyverbandes übernehmen zu wollen. Dessen Aufgabenfeld erstreckt sich von Wesel bis Euskirchen und von Aachen bis Wuppertal. Und seit seiner Gründung 2017 kommt er nicht aus den Problemen raus.
Hinter den Erwartungen
In der Metropolregion Rheinland sind Städte, Landkreise, Handelskammern, Verbände und Regionalvereine zusammengeschlossen. Einst zählte der Verein über 30 Mitglieder. Sein Bearbeitungsfeld deckte 12.300 Quadratkilometer ab. Er schickte sich an, die Interessen von 8,7 Millionen Menschen zu vertreten. Für sie sollte er Fördergelder und Förderprojekte in die Region holen. Mit dem Ziel, Arbeitsplätze zu schaffen und Steuereinnahmen zu generieren. Vorbilder waren die durchaus erfolgreiche Metropole Ruhr und die Metropolregion Nürnberg. Vorbilder, an die die Metropolregion Rheinland allerdings nie herankam. 2025 dann der Knall, der sich durch zunehmende Unzufriedenheit lange angekündigt hatte: Zwölf Mitglieder traten aus, darunter Flaggschiffe wie die Stadt Aachen, die Bundesstadt Bonn und der Landschaftsverband Rheinland.
Verein mit einem Webfehler
Der Verein hat einen Webfehler, für den er eigentlich nichts kann: Die Region, die er abdecken soll, ist zutiefst uneins. Ländlich geprägte Gebiete wie beispielsweise die Kreise Heinsberg oder Kleve stehen der Landeshauptstadt Düsseldorf oder Millionenstadt Köln gegenüber. In den Landkreisen herrschte stets die Sorge vor, dass sie zwar das Feld mit beackern dürfen, die Früchte aber die großen Städte ernten. Das führte unter anderem dazu, dass bei der Gründung der Metropolregion Rheinland das Format eines Vereins gewählt wurde. So erhofften sich die kleinen Mitglieder, gleichberechtigt vertreten zu sein. Zudem wurde der Mitgliedsbeitrag auf lediglich 22.000 Euro im Jahr festgelegt, als niederschwelliges Angebot an die Skeptiker.
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Die Skeptiker traten auf dieser Basis zwar dem Verein bei, aber ihre Skepsis nahm nicht ab – im Gegenteil. Bei der Besetzung des Vorstandes setzten sich wechselweise Köln und Düsseldorf durch, während es bei der Position des Geschäftsführers zu einer Misere nach der anderen kam. Innerhalb von acht Jahren gab es nicht weniger als fünf Geschäftsführer. Der erste verließ nach nur wenigen Monaten das Amt. Hoch umstritten war das darauffolgende Geschäftsführungsduo von Kirsten Jahn (Grüne, Köln) und Ulla Thönnissen (CDU, Aachen). Der Verein setzte sich damit der Kritik aus, die Position allein nach politischen Proporz zu besetzen, statt auf Qualifikationen wert zu legen. Danach sollte es ein ehemaliger Telekom-Manager richten. Auch das endete in einer Trennung. Seit Frühjahr 2025 ist nun Paul Sterz Geschäftsführer.

Das Vereinsbüro im Triangle kostet rund 150.000 Euro im Jahr
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Doch was den Leidensdruck unter den Mitglieder weit mehr erhöhte: Sie vermissten eine Erfolgsbilanz, messbar in klingender Münze. 2021 machten dazu Mitglieder in der Rundschau ihrem Ärger Luft. Christian Joisten, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Kölner Stadtrat, war damals einer der fünf Delegierten Kölns in der Mitgliederversammlung des Vereins. Er kritisierte, der Verein liefere nicht annähernd, was zu erwarten wäre. Oliver Krauß (CDU), damals Stimmführer in der Metropolregion für den Rhein-Sieg-Kreis, konnte auch vier Jahre nach Gründung immer noch nicht Sinn und Zweck des Vereins erkennen. Immer wieder drohten Mitglieder, unter diesen Bedingungen aussteigen zu wollen. Und weil sie auch in den darauffolgenden vier Jahren keine Besserung sahen, ließen sie 2025 Taten folgen. Es kam zu einer Austrittswelle. Weder konnte Kölns ehemalige Oberbürgermeisterin Henriette Reker in ihrer Zeit als Vereinsvorsitzende die Unzufriedenheit lindern, noch konnte ihr Nachfolger, der Düsseldorfer OB Stefan Keller, die Austritte verhindern.
Burmester will Abtrünnige zurückgewinnen
Nun will Burmester verhindern, dass der Aderlass zum Ausbluten des Vereins führt. Dabei will er ihn nicht nur im Status quo am Leben erhalten, sondern sogar noch „die Kommunen, die ausgeschieden sind, zurückholen“, wie er im Rundschau-Interview sagte. Doch bevor er dafür bei den ausgetretenen Städten und Kreisen in die Bütt geht, wird er wohl erst in Köln Überzeugungsarbeit leisten müssen. Denn es gibt noch ein ganz handfestes Problem. Der Verein residiert in einem Büro im Kölner Triangle, beste Lage in Deutz, direkt am Rhein. Bisher hat der Landschaftverband Rheinland (LVR) Miet- und Bürokosten getragen. Rund 150.000 Euro im Jahr. Doch der LVR ist ausgetreten. Laut einer Vorlage im Landschaftsausschuss ist vertraglich geregelt, dass in diesem Falle die Stadt Köln die Miete übernimmt. Eine Luxuslage finanzieren bei der angespannten Haushaltslage Kölns? Als hätte Burmester nicht schon genug Probleme.
