Köln – Während ein junger Mann am Informationsschalter des Kölner Hauptbahnhofes Auskünfte einholt, wird das neben ihm stehende Fahrrad geklaut und ist in kürzester Zeit außer Sichtweite. Zugegeben, ein besonders dreistes Stück und vielleicht noch nicht mal typisch für die verschiedenen Trickdiebstähle, die jeden Tag im Bahnhof versucht oder durchgeführt werden. Aber eben ein Beispiel dafür, wie schnell ein kleiner Moment der Unachtsamkeit zum Verlust von Wertgegenständen führen kann.
Um das Bewusstsein hierfür insbesondere in Bahnhöfen zu fördern, hat die Bundespolizei gemeinsam mit den Kollegen in anderen Ländern eine gemeinsame Kampagne ins Leben gerufen. „Stop Pickpockets“ nennt sich die, für den Auftakt wurden in Deutschland die Hauptbahnhöfe in Hannover, Frankfurt, Berlin und Köln auserkoren.
Die gängigsten Tricks
1 Der Scheibenklopfer. Ein Täter klopft von außen gegen die Zugscheibe. Währenddessen entwendet ein Komplize im Waggon dem abgelenkten Opfer seine Wertgegenstände.
2 Der Stauerzeuger. Er blockiert die Rolltreppe und lässt das Opfer und andere auflaufen. Während alle nach vorne schauen, greift ein Komplize von hinten in die Tasche.
3 Der Anrempler. Der Täter rempelt eine Opfer an oder nimmt es mit einem anderen „ in die Zange“. Während das Opfer abgelenkt ist, greift er oder der Komplize in die Tasche.
4 Der falsche Tourist. Er fragt sein Opfer nach dem Weg und hält ihm einen Stadtplan vor. Während das Opfer versucht zu helfen und die Karte nimmt, wird es ausgeraubt.
5 Der Blumenschenker. Die Täter begrüßen das Opfer freundschaftlich oder schenken ihm eine Blume. Das Opfer ist verdutzt, die Brieftasche verschwindet.
6 Der Beschmutzer. Er bekleckert das Opfer „versehentlich“. Während des wortreichen Reinigungsversuches verschwindet das Geld aus der Bekleidungstasche. (two)
Konkrete Zahlen lägen zwar noch nicht vor, erklärt Pressesprecherin Christin Fußwinkel von der Bundespolizei, die für den Bahnhof zuständig ist. Aber dass mit der Zunahme des Publikumsverkehrs auch diese Zahlen wieder in die Höhe gingen, sei unverkennbar: „Allein am Wochenende hatten wir fünf Fälle hier“, sagt sie. Bundesweit seien es an die 40 000. So gut wie nie arbeiten Trickdiebe alleine, meist sind es gut organisierte Banden. In der Regel aus dem Ausland, so Fußwinkel, aber eine spezielle Nationalität tue sich hier nicht hervor. Auch eine bestimmte „Opferklientel“ sei nicht zu beobachten, gefährdet sei schlichtweg jeder, der einen Moment nicht aufpasst – jüngere Menschen genauso wie ältere.
Dabei sind die Methoden, nach denen die Diebe vorgehen, ganz unterschiedlich (siehe Infokasten). Sie reichen von berühmten Anrempler bis zum falschen Touristen, der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Jüngstes Beispiel: Ein junger Mann wird von einem anderen kurz angerempelt, der entschuldigt sich dafür, gleichzeitig zieht ein „Kollege“ dem Opfer das Smartphone aus der Hosentasche. Der Mann bemerkt den Diebstahl sogar noch, die ganze Aktion geht aber dermaßen schnell, dass keine Zeit zum Reagieren bleibt. Die Täter flüchten. Dass das Handy später bei einer Routinekontrolle durch die Bundesbeamten wieder auftaucht, ist pures Glück. Die Bundespolizei leitete ein Strafverfahren wegen „besonders schwerem Fall des Diebstahls“ gegen die beiden Jugendlichen ein.
Viele Menschen gerade in der Bahnhofsumgebung sind in Eile, vielleicht sogar in Hektik, passen deshalb nicht gut genug auf. Ganz neu sind die Maschen zwar auch nicht, aber allzu oft funktionieren die Methoden eben immer noch. Fast immer lenkt mindestens ein Täter das Opfer ab, während sein Komplize den eigentlichen Diebstahl begeht.
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Es gab Zeiten, da galt Köln als heimliche Hauptstadt der Taschendiebe. Dass dem immer noch so sei, wollte die Polizeisprecherin zumindest für den Bahnhofsbereich zwar nicht bestätigen, und auch in der öffentlichen Wahrnehmung wurde das Thema durch andere Problemfelder etwas nach hinten gedrängt. „Aber ja, Trickdiebstahl bleibt nach wie vor ein sehr großes Thema für uns“, erklärt Christin Fußwinkel.
Auch die Kölner Polizei verzeichnet Zunahme
Auch die Kölner Polizei verzeichnet mit dem zunehmenden Wegfall der Corona-Beschränkungen eine „steigende Tendenz“, was Taschendiebstähle angehe. Was angesichts der wachsenden Frequenzen in der Innenstadt auch nicht weiter verwundert: Gerade eben erst wurden etwa auf Grundlage der Daten von „hystreet“ für die Hohe Straße die bundesweit höchsten Besucherströme ermittelt. Das „normale Geschäft“ hat Köln leider auch in diesem Bereich wieder erfasst.


