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Film Festival ColognePolitik rechnet mit neuen Strukturen beim FFCGN

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Das Film Festival Cologne ist seit über 30 Jahren einer der wichtigsten Treffen der Filmbranche in Deutschland-

Das Film Festival Cologne ist seit über 30 Jahren einer der wichtigsten Treffen der Filmbranche in Deutschland-

Film Festival Cologne (FFCGN): Die Träger- und Organisations-GmbH des Kölner Filmfestes und dessen Festivalleitung sind auf dem Prüfstand. Aktuell finden dazu intensive Gespräche zwischen den Förderpartnern statt.

Aktuell laufen „intensive Gespräche zwischen allen beteiligten Förderpartnern zur zukünftigen Ausgestaltung und Neustrukturierung des Festivals“. Diese Aussagen tätigten jüngst Vertreter der Verwaltung und des Kulturausschusses des Rats der Stadt Köln gegenüber der Rundschau. Gemeint ist das Film Festival Cologne (FFCGN), das Martina Richter, aktuell die alleinige Inhaberin der Festivalgesellschaft „Cologne Conference GmbH“, seit vielen Jahren leitet.

Eine mögliche Neustrukturierung beträfe mutmaßlich auch die Aufteilung der Anteile an der Festival-GmbH, die bereits 2020 schon einmal in der Diskussion war. Ob die finanziellen Träger des FFCGN, die Stadt Köln, das Land Nordrhein-Westfalen (NRW) und die Film- und Medienstiftung NRW, auch über die Personalie Martina Richter diskutieren, darüber machten die Genannten auf Nachfrage bisher keine Angaben. Richter selbst wollte auf Nachfrage der Rundschau nicht auf die neuen Entwicklungen eingehen.

Große Machtfülle bei der langjährigen Festivalleiterin

Die Festivalleiterin ist spätestens seit dem „offenen Brief“ mehrerer ehemaliger Mitarbeiter Ende September 2024 in der Kritik. In dem Brief klagen die Ehemaligen – damals noch anonym – Martina Richter unter anderem an, eine „toxische Arbeitsatmosphäre zu schaffen“. Johannes Duncker, Leiter des Kurzfilmfestivals Köln, hatte daraufhin entschieden, die Partnerschaft mit dem FFCGN zu beenden.

Rund ein Jahr später wiederholten sechs ausgeschiedene Mitarbeiter der Festivalgesellschaft von Martina Richter die schweren Vorwürfe gegen ihre Chefin in einem Radio-Feature des Deutschlandfunks – dieses Mal unter Angabe ihrer Namen. Richter bestreitet die Vorwürfe und wehrt sich seit dem beschriebenen offenen Brief 2024 öffentlich gegen die Anschuldigungen.

Im Kunstbereich zu arbeiten ist ein Privileg. Man sollte diese Arbeit daher nicht nur leidenschaftlich, sondern auch verantwortungsvoll ausführen – in allen Bereichen.
Madeleine Bernstorff, künstlerische Leiterin Kurzfilmtage Oberhausen

Aber nicht nur die Person Martina Richter, sondern auch die bestehenden Festivalstrukturen stehen in der Kritik. Richter hat sich in den vergangenen Jahren einen Großteil der Entscheidungsmacht an dem Kölner Filmfest organisiert. Seit 2016 leitet sie das Film Festival Cologne. Dies beinhaltet sowohl die künstlerische Leitung als auch die Organisation des Festivals. Sie entscheidet als Geschäftsführerin und alleinige Gesellschafterin der Cologne Conference GmbH auch über die Ausgaben der öffentlichen Fördermittel von knapp unter einer Million Euro.

Die kulturpolitische Sprecherin der Grünen, Brigitta von Bülow, fordert auf Nachfrage der Rundschau die Hauptförderer (Stadt, Land und Film- und Medienstiftung NRW) auf, größtmögliche Transparenz in der zukünftigen Ausgestaltung des Festivals zu erreichen. Ihre Kollegin Maria Helmis-Arend (SPD) setzt sich dafür ein, die Aufarbeitung der Vorwürfe im Kulturausschuss weiter zu begleiten. Von Bülow stellt heraus, dass es wichtig sei, das Film-Festival in Köln zu erhalten und zu fördern. „Dennoch“, so die Kulturpolitikerin weiter, „wird es definitiv eine Neustrukturierung des Festivals geben.“

Festivalleiterin Richter mit der ehemaligen OB Henriette Reker (r.) auf einer der Veranstaltungsbühnen des FFCGN .dpa

Festivalleiterin Richter mit der ehemaligen OB Henriette Reker (r.) auf einer der Veranstaltungsbühnen des FFCGN .dpa

Knut Scholz, kulturpolitischer Sprecher der Linken im Rat, geht noch einen Schritt weiter: „Eine externe Fachstelle sollte damit beauftragt werden, die Vorwürfe gegen Frau Richter zu überprüfen, mit Befragungen der ehemaligen und aktuellen Mitarbeiter und natürlich von Frau Richter.“ Leider gebe es keine Kontrollgremien beim FFCGN, die eine solche Prüfung jederzeit einleiten könnte, so Scholz weiter. Das müsse dringend geändert werden. Er fordert daher, „das Film Festival Cologne in öffentliche Trägerschaft zu überführen mit klaren Kontrollmechanismen, transparenter Mittelverwendung und verbindlichen Standards zum Schutz vor Machtmissbrauch“.

Ralph Elster von der CDU will „der Verwaltung eine Chance geben, einen konkreten Vorschlag zu erarbeiten, den wir dann bewerten“. Das Thema solle in der zuständigen Medienstabstelle nach Karneval „wieder auf den Tisch kommen“.

Doppelspitzen bei anderen NRW-Filmfestivals

Beispiele für andere Festival-Strukturen gibt es in NRW bereits: Die „Kurzfilmtage Oberhausen“ und das „Internationale Frauen Film Fest“ in Dortmund und Köln sind hier zu nennen. In beiden Fällen werden die Festivals von gemeinnützigen Gesellschaften in öffentlicher Trägerschaft organisiert und betrieben. Und bei beiden Festivals ist zudem eine Doppelspitze engagiert.

Die Kurzfilmtage Oberhausen beschäftigen seit Anfang 2025 ihre Doppelführung: Madeleine Bernstorff als künstlerische Leiterin und Susannah Pollheim als Verantwortliche für die Finanzen. „Es war eine bewusste Entscheidung, die Leitung aufzuteilen. Zudem gibt es einen Aufsichtsrat, in dem auch die Stadt Oberhausen sitzt, dem wir regelmäßig Rechenschaft ablegen müssen“, so Bernstorff und Pollheim gegenüber der Rundschau. Madeleine Bernstorff formuliert zudem noch persönliche Worte zu ihrer Leitungsfunktion: „Im Kunstbereich zu arbeiten ist ein Privileg. Daher sollte man diese Arbeit nicht nur leidenschaftlich ausführen, sondern auch verantwortungsvoll – in allen Bereichen.“