Am Freitag, 23. Januar 2026, beginnt die 28. Ausgabe des internationalen Dokumentarfilm-Festivals „Stranger Than Fiction“ in Köln. Wir haben uns eine Auswahl der Beiträge vorab angesehen.
DokumentationenDas bietet das Filmfestival „Stranger Than Fiction“ in Köln

Szene aus dem Dokumentarfilm "Vracht"
Copyright: Dschoint Ventschr Filmproduktion
Nova 78
„Lasst mich das ankündigen“, sagt Patti Smith selbstbewusst hinter der Bühne, „wenn sie rumschimpfen, sollen sie halt mich beschimpfen.“ Die Ankündigung: Keith Richards wird nicht zur „Nova Convention“ kommen. Und so geht Smith, gerade auf dem ersten Höhepunkt ihrer Karriere angelangt, raus und bietet an, denjenigen, die ihr Eintrittsgeld zurückhaben wollten, dies aus eigener Tasche zu bezahlen. Sie habe allerdings grade mal zwölf Dollar dabei...
Natürlich nimmt niemand das Angebot an, ist doch, nicht nur aus heutiger Sicht, an diesen drei Tagen in einem Theater auf der New Yorker East Side die Crème de la Crème der Avantgarde versammelt, um ihren Helden William S. Borroughs zu ehren.Jahrzehnte lang waren die Filmaufnahmen verschollen.
Vor 14 Jahren tauchten sie wieder auf, im letzten Jahr feierte der Film „Nova 78“ Premiere und bietet jugendlich-frische Auftritte von heutiger Ikonen Smith, Frank Zappa oder Laurie Anderson (mit einer sehr braven Frisur). Aber auch alte Haudegen wir Timothy Leary, Merce Cunningham und Allan Ginsberg nehmen teil.
Alles zum Thema Ausflug Köln
- Vor Bürgervotum Grüne in Köln ringen um Position zu Olympia-Bewerbung
- Dokumentationen Das bietet das Filmfestival „Stranger Than Fiction“ in Köln
- Konzert in Lanxess Arena Bushido übt Spagat zwischen Gangsta-Rap und Familienliebe
- Jecker Sechs-Stunden-Trip Flamersheimer und Arloffer Dreigestirn hat den Bierkönig erorbert
- Billie Eilish Weltstar empfiehlt Fans Kölner Lokale und Geschäfte
- Kleine Küche, große Wirkung Wie eine YouTube-Serie das Restaurant „Onda“ möglich machte
- Einmol innet Hännesche Altenhilfe ermöglicht Führung durchs Kölnische Stadtmuseum
Und mittendrin Bourrough, der zu diesem Zeitpunkt 62 ist ein Elder Statesman, Vorbild und Leitstern gleichermaßen. Die Filmemacher verzichten auf Erklärungen, Off-Kommentare oder Bauchbinden. Das ist zunächst verwirrend, aber nach und nach lichtet sich der Nebel und man betritt eine längst vergangene kulturelle Welt, deren Auswirkungen bis in unsere Gegenwart reichen. (HLL)
24.1., 20.30 Uhr
Bürglkopf
Das Rückkehrzentrum Bürglkopf auf einem Berg in Tirol liegt weitab von der Zivilisation. Hier warten Asylbewerber monate-, manchmal jahrelang auf eine Entscheidung, ob sie abgeschoben werden oder bleiben dürfen. Isolation statt Integration scheint die Devise der österreichischen Behörden zu sein.
Regisseurin Lisa Polster hat die Bewohner des Bürglkopf selbst sprechen lassen – vor einer beeindruckenden, idyllischen Naturkulisse, die in scharfem Kontrast steht zu den Berichten der Männer und Frauen, die dort auf Asyl hoffen. Ihre Sorgen sind oft gleich: die Trennung von ihren Lieben zu Hause, psychische Probleme, die Ungewissheit, die Langeweile, der Wunsch, arbeiten zu dürfen – letzterer wird den meisten nicht erfüllt, und wenn, gibt es nur einen Hungerlohn von 1,60 Euro die Stunde.
Doch auch die Dorfbewohner kommen in diesem vielstimmigen Werk zu Wort. „Bürglkopf“ macht oft fassungslos und wütend, doch es schwingt stets ein Funken Hoffnung auf eine bessere Zukunft mit. (crb)
26.1.,18 Uhr
Blame
„Wir lösen Katastrophen aus, aber wir lernen nicht daraus“, sagt Wissenschaftlerin Zhengli Shi. Sie und einige Kollegen untersuchen seit vielen Jahren Viren und wie Tiere sie auf Menschen übertragen. Früh haben sie vor einer Pandemie gewarnt, wie sie 2020 mit dem Coronavirus über die Welt hineinbricht, doch ihre Warnungen sind ungehört verhallt.
Filmemacher Christian Frei begleitet die Forscher Zhengli Shi, Linfa Wang und Peter Daszak und beleuchtet Wissenschaftsfeindlichkeit, Verschwörungstheorien, gegenseitige Schuldzuweisungen und politische Verantwortungslosigkeit während der Zeit der Pandemie.
Der sehenswerte Film wirkt über weite Strecken enorm bedrückend – Bilder von leergefegten Innenstädten, improvisierten Leichenhallen und überfüllten Krankenhäusern wecken Erinnerungen an eine Zeit, die man lieber vergessen möchte. Die düstere Hintergrundmusik und Freis oft unheilschwangere Off-Stimme tun ihr Übriges. (crb)
27.1., 18 Uhr
Vracht
Teenager Rudmer hat einen Traum: Kapitän des Frachtschiffs Panerai zu werden. Vier Jahre haben die Macher dieses Films ihn und seine – gleichaltrigen oder nur wenig älteren – Kolleginnen und Kollegen während der Ausbildung begleitet. Das Filmteam hält sich eher im Hintergrund und lässt so ganz ungezwungen eine berührende Coming of Age-Erzählung entstehen.
Rudmers Ambitionen und die Härte seines Jobs, der eigentlich zu schnellem Erwachsenwerden zwingt, kontrastieren mit seinem noch sehr kindlich anmutenden Charakter. Dieser Widerspruch zeigt sich besonders im Zusammenspiel mit seiner Freundin und Kollegin Leanne.
Ein bisschen Seemannsromantik des 21. Jahrhunderts gönnt das Filmteam um Regisseur Max Carlo Kohal den Zuschauern zwischendurch obendrauf. Die zeitweise träumerischen Bilder der Containerschiffe, Häfen und Flüsse sind das Sahnehäubchen auf dieser absolut sehenswerte Dokumentation. Und ganz nebenbei hat die Stadt Köln in „Vracht“ einen kleinen Gastauftritt. (crb)
31.1., 18 Uhr
Mykonos – Super Paradise
„Es war unmöglich, hierher zu kommen und sich nicht in Mykonos zu verlieben.“ Und viele, die in den 1960er und 70er Jahren kamen, sind geblieben. In Steve Krikris’ Film erinnern sich Zugewanderte und Einheimische, wie sie die Zeit auf der pittoresken Fischerinsel damals erlebten: eine Atmosphäre der Freiheit, nicht zuletzt der sexuellen Freiheit.
Zunächst kamen die Hippies, dann der Jet Set und schwule Reisende – und schließlich kehrten vielen von denen zurück, die auf dem Festland nach Arbeit gesucht hatten und nun die Tourismusmaschine mächtig ankurbelten. „Mykonos hat seine Seele geopfert“, sagt einer der Befragten, während eine andere findet, die „Magie“ könne man trotzdem immer noch fühlen.
Krikris mischt aktuelle mit Archivaufnahmen, darunter mit Fotos von Promis von Onassis und Callas bis Thomas Fritsch. Ein wenig schräg: Manche alte Filmaufnahme wirkt wie aus einem Erotikstreifen der 70er, in denen sich nackt am Strand gewälzt wird. (HLL)
1.2., 16 Uhr
Alle Filme werden im Kölner Filmhaus gezeigt, eine kleine Auswahl auch im Brühler Zoom Kino.



