Interview

Neue Intendanz
Tatort und Reform – Kölner Medienrechtsexperte über die Zukunft des WDR

Lesezeit 3 Minuten
Professor Dr. Rolf Schwartmann trägt einen grauen Anzug und lächelt

Medienrechtler Prof. Dr. Rolf Schwartmann

Beim WDR wird am 27. Juli eine neue Intendanz gewählt. Prof. Dr. Rolf Schwartmann von der TH Köln erklärt, welche Änderungen er sich danach bei dem Sender erhofft.  

Rolf Schwartmann ist Leiter der Forschungsstelle für Medienrecht an der TH Köln. Im Interview schätzt er die wichtigsten Aufgaben der zukünftigen WDR-Intendanz ein.

Was sind die drei wichtigsten Baustellen beim WDR, die die neue Intendantin oder der neue Intendant in Angriff nehmen sollten?

Die wichtigste Baustelle besteht darin, sich mit der Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auseinanderzusetzen. Wie ist der gesetzliche Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks angemessen umzusetzen. Zweitens geht es darum, die Ausgewogenheit des Programms sicher zu stellen und es so zu gestalten, dass es den Anforderungen der Digitalisierung der Medien gerecht wird. Wie bleibt die Identität des öffentlich-rechtlichen Rundfunks als für die Gesellschaft sehr wichtige demokratische Stütze erhalten und drittens, als eigener Punkt:  Was ist die Rolle künstlicher Intelligenz im WDR? Wo liegen die Chancen und Risiken der revolutionären Technik für die Gesellschaft und die Medien?

Wie könnte eine Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aussehen?

Aus meiner Sicht ist es für einen Intendanten wichtig, sich ernsthaft mit Kritik und Reformvorschlägen auseinanderzusetzen. Impulse von außen gibt es allemal: Eine Kommission der CDU hat etwa Ende letzten Jahres ein Konzeptpapier vorgelegt, in dem sie sich mit wichtigen Fragen für die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auseinandersetzt: Woran kann gespart werden? Welche Formate sollten privaten Anbietern überlassen werden? Wie kann die Einhaltung journalistischer Standards gesichert werden?

Woran sollte der WDR sparen und woran nicht?

Wichtig ist, dass in einer großen Anstalt wie der ARD Schwerpunkte angemessen verteilt werden. Vielleicht kann sogar die Frage aufgeworfen werden, ob jede Anstalt einen eigenen Tatort braucht, wenn sie ihn sich eigentlich nicht mehr leisten kann. Bei Lifestyle-Themen, etwa Kochsendungen muss man aus meiner Sicht bündeln.  Beim Tatort geht es vielleicht noch um die Repräsentation regionaler Identitäten, aber Zürcher Geschnetzeltes darf in München und in Dresden ähnlich schmecken. Im Ergebnis muss es jedenfalls darum gehen, Synergien zu heben. An der Qualität des Angebots sollte nicht gespart werden.

Was genau bedeutet die anfangs erwähnte Ausgewogenheit im Programm?

Das Programm muss nach den rechtlichen Vorgaben Vielfalt abbilden und sich auf neue gesellschaftliche Entwicklungen einstellen. Was von gesellschaftlichem Interesse ist, muss journalistisch gut behandelt und fair bewertet werden. Es geht mir aber auch um ein faires Miteinander mit Wettbewerbern. Es muss ein ausgewogenes Maß zwischen den privaten Anbietern und dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk herrschen. Ich würde mir von der neuen Intendanz wünschen, dass die Person sich diesem Wettbewerb einer fairen Auseinandersetzung mit privaten Anbietern stellt. Konkret sollte das Programm im Internet nicht ausufern. Hier muss ein angemessener Rahmen entstehen, damit auch private Anbieter, seien es Verlage oder Sender ihren essenziellen Auftrag im Rundfunksystem erfüllen können.

Was sollte im Programm des WDR zukünftig mehr gezeigt werden?

Das Programm sollte einen Schwerpunkt auf das Erklären der Möglichkeiten und Risiken generativer künstlicher Intelligenz legen. Insbesondere auch Kinder und junge Menschen muss man in den Stand setzen, Medien im Zeitalter von KI kompetent zu nutzen, die mit den besonderen neuen Herausforderungen für ein demokratisches Gemeinwesen verbunden sind.

Was muss eine gute Intendantin oder ein guter Intendant mitbringen? 

Die Person muss sich offen der gesellschaftlichen Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk stellen und konstruktiv damit umzugehen und notwendige Schritte auch nach innen vermitteln und unmsetzen. Das hat der amtierende Intendant Buhrow durch eine Rede zur Reform des öffentlichen Rundfunks gemacht. Dafür gab es Anerkennung und insbesondere in den eigenen Reihen auch ein bisschen Kritik.

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