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Zehnter GeburtstagOberbergisches Publikum ist das wichtigste Mitglied der Band Stockbrot

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Vier Männer lachen in die Kamera.

Vierköpfiges Trio (v.l.): Sänger Phillip Hund, Drummer Philipp Blum, Gitarrist Torsten Klawunder mit (vorn) Techniker Benni Gries. 

Vor zehn Jahren am Lagerfeuer gegründet: Die oberbergische Band  Stockbrot feiert ihre Geburtstagsparty mit einer treuen Fangemeinde.

Nur noch wenige Tage, dann heißt es „Zehn Jahre Wahnsinn“. „Das wird das aufregendste Event meines bisherigen Lebens“, stößt Gitarrist Torsten Klawunder hervor. Am Samstag feiert die Band Stockbrot Jubiläum, und mit ihr 400 Fans, die das Glück hatten, Karten zu ergattern. Denn die waren rasant vergriffen. „Eine Gruppe aus Mittelagger hat sogar einen Reisebus mit 60 Plätzen gechartert, der sie nach Nümbrecht fährt“, staunt Schlagzeuger Philipp Blum.

Er weiß: „Einige Fans, die sich „Stockbrot-Ultras“ nennen, haben sich sogar unser Logo, die Rock-Hand mit Gitarrenhals, aus dem ein Ast wächst, auf die Haut tätowieren lassen. Die tragen das jetzt bis an ihr Lebensende auf dem Körper.“ Um so einen Hype würde sie manch   bekanntere Band beneiden. „Dabei sind wir doch nur eine kleine Dorfband. Drei Freunde, die Spaß daran haben, Musik zu machen.“ Aber genau das trägt bei zum Erfolg von Stockbrot: Sie sind anders.

Alles begann beim Weihnachtsmarkt in Oberagger

Allein schon die Gründung! Vor zehn Jahren, als der Weihnachtsmarkt in Oberagger zu Ende war, wollte keiner nach Hause. Zu gemütlich war es, am Lagerfeuer ein bisschen Musik zu machen, und zwischen Getrommel auf dem Korpus einer alten Gitarre, Glühwein und Akkorden war der Name „Stockbrot“ geboren. Auftritte in Garagen folgten, Gartenpartys. Das Programm: eine Mischung aus Rock, Schlager, auch kölschen Tön und Charts. Da singe auch die Oma voller Inbrunst „Ti amo“ mit, schmunzelt Schlagzeuger Blum.

„Es war wie ein Schneeball, wie ein Schimmelpilz, der sich ausbreitet. Erst haben wir vor 50 Leuten gespielt. Und dann beim Lichterfest in Nümbrecht als Vorgruppe von Kasalla oder beim Rathaus-Open-Air in Bergneustadt vor fast 4000 Leuten. Das war ein Ritterschlag!“ Inzwischen häufen sich die Anfragen. Macht das Schnuppern am Erfolg Lust auf mehr? „Nein!“, wehren die beiden entschieden ab. „Ungefähr die Hälfte lehnen wir ab.“

Einige Fans haben sich unser Logo auf die Haut tätowieren lassen.
Phillip Blum über die Stockbrot-Ultras

20 bis 30 Auftritte im Jahr seien genug. „ Wir wollen keinen Druck. Müssten wir von der Musik leben, würden wir verlieren, was uns ausmacht.“ Ein schönes Hobby, das soll es auch bleiben. „Wie Angeln, wo man am Ende mit zwei Fischen nach Hause geht“„, vergleicht Klawunder. „Aber uns macht das Feedback des Publikums glücklicher als zwei Fische.“

Denn ihr Publikum im Alter von acht bis 80 sei das wichtigste Bandmitglied. „Wir wollen zusammen einen schönen Abend verbringen, handgemachte Musik, Improvisation, wir streben keinen Superperfektionismus an. Dazu gehören Patzer, da lachen wir dann mit dem Publikum zusammen drüber“, erzählt Klawunder.

Oberbergisches Publikum feierte die Band bis nachts um drei

Ein Beispiel? Kürzlich erkrankte Sänger Phillip (mit Doppel-l) Hund ganz kurz vor einem Auftritt. „Da haben wir als Ersatz sein Foto an eine alte Stehlampe geheftet, auf die Bühne gestellt, wir beide haben stattdessen gesungen und das Publikum um tatkräftige Unterstützung gebeten“, erzählt Blum. „Die Leute haben uns dann erst um drei Uhr nachts von der Bühne gelassen.“

Bisher spielt Stockbrot Covermusik. Das könnte sich bald ändern. Gerade probieren sie ein erstes eigenes Stück aus, zum Mitsingen für die Oberberger, verrät der 41-Jährige. Da reimt sich „Bergisch gut – ohohoho – auf Waffeln statt Fastfood. Und keiner will fort – nööh – wir bleiben hier am Ort“. Denn sie sind Oberberger mit Leib und Seele. Torsten Klawunder lebt in Zimmerseifen. Philipp Blum stammt aus Neuenothe und ist von Beruf Lehrer in Bergneustadt, an derselben Schule, an der er als Jugendlicher in der Schülerband spielte. Nur Sänger Phillip reist jede Woche aus dem Münsterland an, aus Freundschaft.

Das Jubiläumskonzert ist das erste Konzert, das die Gruppe selbst organisiert. Eine Menge Arbeit. „Wir sind ja zusammen mit unserm Techniker Benni Gries nur vier Mann. Wir haben ja keine Roadies, sondern machen alles selbst“, seufzt Klawunder. So stapeln sich in der Marienhagener Firma, deren technischer Leiter der 38-Jährige ist, Kabel, Sperrholzplatten und Lautsprecherboxen für den Aufbau.

Es gibt einen Gastauftritt von Gründungsmitglied Marius Blum und die Verlosung eines Wohnzimmerkonzerts. Mehr wird nicht verraten. „Selbst die Stockbrot-Ultras wissen noch nicht, was sie erwartet!“

Das Jubiläumskonzert am Samstag in der Homburger Papiermühle ist ausverkauft. Wer kein Ticket ergattert hat, kann die Band aber am 9. Mai beim Feuerwehrfest in Bergneustadt und Mitte August beim Rathaus-Open-Air erleben.