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Kommentar

Charles III.
Wir leben in einer Republik – was können wir trotzdem vom britischen König lernen?

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Britain's King Charles III wearing the Imperial state Crown leaves Westminster Abbey after the Coronation Ceremonies in central London on May 6, 2023. - The set-piece coronation is the first in Britain in 70 years, and only the second in history to be televised. Charles will be the 40th reigning monarch to be crowned at the central London church since King William I in 1066. Outside the UK, he is also king of 14 other Commonwealth countries, including Australia, Canada and New Zealand. (Photo by Gareth Cattermole / POOL / AFP)

König Charles III kurz nach seiner Krönung in Westminster Abbey.

Krönung auf fast allen TV-Kanälen: Übertreiben wir es damit nicht ein bisschen? Oder hat uns das Zeremoniell, das da um Charles III. vollzogen wurde, doch etwas zu sagen?

Staunend haben viele Deutsche am Fernseher gesessen und die Krönung von König Charles III. und seiner Frau Camilla verfolgt. Was vollzog sich da in Westminster Abbey? Für viele Zuschauer einfach ein grandioses Spektakel. Manche ermüdet der royale Prunk allerdings. Warum wird darüber so viel berichtet, was haben uns Bilder eines Königs in einer Demokratie überhaupt zu bedeuten?

Eine ganze Menge, das sei gleich vorab gesagt. Natürlich, das Geschehen in London war einzigartig und für die Bürger kaum eines anderen Landes nachvollziehbar – nicht einmal in ähnlich alten, aber im Lauf der Geschichte arg gerupften Monarchien wie Dänemark und Schweden. Und wir?

König Charles III: Diese Krone wird er nie wieder tragen

Wir haben keinen so alten Staat wie die Briten, und das deutsche Talmi-Kaisertum von Bismarcks Gnaden war nach weniger als 48 Jahren verdientermaßen am Ende. Umso genauer sollten wir auf die neun Jahrhunderte – bis zur Charta of Liberties von 1100 – zurückreichende Verfassungstradition blicken, die in London so prunkvoll gefeiert wurde. Zelebriert in einem christlichen Gottesdienst, aber so, dass keine Glaubensrichtung ausgeschlossen war.

In religiöser Form wurde die Lehre von den zwei Körpern des Königs demonstriert, wie sie der große deutsche Historiker Ernst Kantorowicz beschrieben hat: Der Mensch Charles Windsor mit seinen privaten, vergänglichen Ansichten und Interessen trat hinter der Amtsperson zurück. Er wurde gesalbt und zeremoniell bekleidet. Ihm wurde die schwere Edwardskrone aufgesetzt, die er nie wieder tragen wird. Er übt ein - ererbtes - Amt aus, das er zwar auch niederlegen könnte, über das er aber ansonsten nicht verfügen kann.

Diese Bindung des Amtsträgers an seine rechtsstaatliche Pflicht, die Scheidung des privaten vom amtlichen „Körper“, sollte weit über die britische Monarchie hinaus zum Nachdenken Anlass geben. So ein König ist das Gegenbild zu Autokraten, die den Staat zur Beute machen; der Verzicht auf den des früher üblichen Treueschwur unterstreicht das.

Umso peinlicher das Vorgehen der Londoner Polizei gegen antiroyale Demonstranten. Eine Schande für das Mutterland der freien Rede. Denn Charles III. regiert gerade keine „Diktatur mit mehr historischem Lametta", wie Linken-Vize Ates Gürpinar anlässlich seiner Rede im Bundestag behauptete. Er ist „König im Parlament“, und zwar in einem der ältesten Parlamente der Welt. Auch wir Bürger einer Republik, die zaghaft ihre eigenen, nüchternen Traditionen bildet, dürfen und sollten mit Respekt darauf blicken.