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Interview mit Joachim Stamp„Mit Neuwahlen spielt man nicht“

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Joachim Stamp 

  1. Joachim Stamp, Vize-Ministerpräsident und FDP-Landeschef, sieht einem doppelten Machtwechsel entgegen.
  2. Im Bund dürfte seine Partei bald erstmals nach acht Jahren wieder mitregieren, im NRW-Landtag steht die Kür eines Nachfolgers von Armin Laschet an.
  3. Über seine Erwartungen sprach er mit Tobias Blasius.

Ministerpräsident Laschet steht vor dem Abschied nach Berlin, und die CDU ringt noch immer um die Nachfolge. Wie stabil ist die schwarz-gelbe NRW-Koalition noch?

Wir arbeiten seit viereinhalb Jahren vertrauensvoll mit der CDU zusammen. Trotz der knappen Landtagsmehrheit haben wir nicht eine einzige Abstimmung verloren. Alle Kandidaten, die für die Nachfolge von Armin Laschet gehandelt werden, sind respektable Persönlichkeiten, mit denen wir unsere erfolgreiche NRW-Koalition gut fortsetzen können. Das hervorragende Arbeitsklima hängt nicht nur an einer Person, sondern an der guten Basis, die wir in der gesamten Koalition haben.

Die FDP gilt im Bund plötzlich als Kanzlermacher, die CDU steht vor einem Scherbenhaufen. Was macht das neue Kräfteverhältnis mit Ihrer Zusammenarbeit in NRW?

Die Stärke unserer NRW-Koalition lag immer darin, dass wir uns nie als verlängerte Werkbank einer Bundesregierung verstanden haben. Daran wird sich auch nichts ändern, unabhängig davon, wer in Berlin regieren sollte. Richtschnur des Regierungshandelns sind die Interessen unseres Landes und der Menschen hier – und nichts anderes.

Verkehrsminister Hendrik Wüst gilt als wahrscheinlicher neuer Ministerpräsident, ist aber in der CDU nicht unumstritten. Scheitert seine Wahl im Landtag, könnten vorgezogene Neuwahlen drohen…

Mit Neuwahlen spielt man nicht. Und ich kenne keine seriöse Kraft, die daran Interesse hätte. An den 28 Stimmen der FDP im Landtag wird die Neuaufstellung der Landesregierung nicht scheitern. Wir wollen die erfolgreiche Koalition mit der CDU gerne noch länger fortsetzen.

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Wählt die FDP also bedingungslos Wüst ins Amt?

Den Personalvorschlag macht in den nächsten Tagen die CDU. Es geht uns nicht darum, einen Ministerpräsidenten einfach nur für sieben oder acht Monate ins Amt zu wählen, sondern ein neues Kapitel unserer Zusammenarbeit zu beginnen. Wir haben als FDP in der restlichen Legislaturperiode und darüber hinaus noch viel vor. Deswegen ist es mir wichtig, dass wir uns mit der CDU vor der Wahl des neuen Regierungschefs auf wichtige Anliegen verständigen, die wir noch umsetzen werden.

Auf welche?

Neben der Reform des Teilhabe- und Integrationsgesetzes, mit dem wir einen Mentalitätswandel in den Ausländerämtern im Umgang mit gut integrierten Flüchtlingen erreichen wollen, streben wir weiter Erleichterungen bei der Grunderwerbsteuer und eine Überarbeitung des Versammlungsrechts an.

Was wollen Sie denn beim umstrittenen Versammlungsgesetz ändern?

Wir sollten die kritischen Hinweise von Experten und die Befürchtungen in Teilen der Bevölkerung ernst nehmen. Das Versammlungsgesetz muss ein modernes, praxistaugliches und rechtssicheres Instrument sein. Mir schwebt ein guter gesellschaftlicher Interessenausgleich vor, wie er uns schon bei der Überarbeitung des Polizeigesetzes gelungen ist. Uns Freien Demokraten ist es wichtig, dass das Grundrecht der Demonstrationsfreiheit mit den Belangen der öffentlichen Sicherheit in Einklang gebracht wird.

Das klingt fast nach Nachverhandlungen zum Koalitionsvertrag…

Nein, wir haben einen guten Koalitionsvertrag und müssen nicht in langwierige Nachverhandlungen eintreten. Es ist auch nicht unser Stil, jemanden unter Druck zu setzen. Mir und uns Freien Demokraten ist nur wichtig, vor der Wahl des neuen Ministerpräsidenten Kernanliegen für die weitere Zusammenarbeit zu formulieren. Es muss ein klares gemeinsames Verständnis darüber geben, dass wir mit der CDU in diesen für uns wichtigen Themen schnell vorankommen.