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Interview

NRW-Check
„Die NRW-CDU bekommt den negativen Bundestrend zu spüren“

4 min
Peter Matuschek, Leiter von Forsa, spricht bei einer Pressekonferenz

Peter Matuschek, Geschäftsführer von Forsa

Ein Jahr vor der Landtagswahl hat die Regierungskoalition von CDU und Grünen laut NRW-Check erheblich an Zustimmung verloren. Forsa-Geschäftsführer Peter Matuschek ordnet die Ergebnisse der Umfrage ein.

Herr Matuschek, laut aktuellem NRW-Check sind 80 Prozent der Befragten mit der Arbeit der Bundesregierung und 77 Prozent mit der von Kanzler Friedrich Merz (CDU) unzufrieden. Warum?

Aus unseren bundesweiten Befragungen im Rahmen des RTL/ntv-Trendbarometers wissen wir, dass die Unzufriedenheit mit Merz vor allen Dingen mit seiner Amtsführung und seiner Person begründet wird. So wird am häufigsten an Merz kritisiert, dass er seine Wahlversprechen gebrochen habe und dass er zu viele vollmundige Ankündigungen macht, die er nicht einlöst.

Hinzu kommt die Kritik, dass er keine klare Linie habe und es ihm an Führungsstärke mangele. Die Unzufriedenheit mit einzelnen Politikfeldern spielt dabei nicht die wichtigste Rolle. Das gilt im Großen und Ganzen auch für die CDU-Anhänger, die mit Merz‘ Arbeit nicht zufrieden sind – im aktuellen NRW-Check mittlerweile 40 Prozent der CDU-Anhänger auch in seinem Heimatland. Im Sommer 2025 waren es nur 9 Prozent.

Inwieweit hat die Bundespolitik einen Einfluss auf die Zustimmungswerte der Parteien auf Landesebene, gerade bei der CDU?

In NRW sind die Zustimmungswerte der CDU bei der Landtagswahlabsicht immer noch deutlich höher als bei der Bundestagswahl. Aber auch die NRW-CDU bekommt den negativen Bundestrend zu spüren, der sich jetzt hier im Land niederschlägt. Profitieren können davon im aktuellen NRW-Check – wie derzeit auch bundesweit zu beobachten – die Grünen und insbesondere die AfD, und zwar sowohl bei der Bundestagswahl- als auch bei der Landtagswahlabsicht.

So wird am häufigsten an Merz kritisiert, dass er seine Wahlversprechen gebrochen habe und dass er zu viele vollmundige Ankündigungen macht, die er nicht einlöst. Hinzu kommt die Kritik, dass er keine klare Linie habe und es ihm an Führungsstärke mangele.
Peter Matuschek

Der AfD wird im aktuellen NRW-Check, verglichen mit den letzten Erhebungen, plötzlich in vielen Feldern mehr Kompetenz zur Problemlösung zugetraut…

Ja, das ist in der Tat bemerkenswert, gerade in einem Bundesland, in dem rechtsradikale Parteien es lange Zeit sehr schwer hatten. Auf den meisten Politikfeldern und auch generell wird weiterhin der CDU die größte Kompetenz in NRW zugeschrieben, aber die AfD hat hier im aktuellen NRW-Check deutlich zugelegt.

Auch die Zufriedenheitswerte der CDU-geführten Landesregierung und von Ministerpräsident Hendrik Wüst sind trotz des eben angesprochenen Landesbonus gesunken. Spielen dabei die Personalien Paul und Scharrenbach eine Rolle?

Diese Personalien haben wir uns im NRW-Check nicht gesondert angeschaut. Blickt man auf einzelne Bereiche der Landespolitik, die wir aktuell abgefragt haben, konnte man schon Ende 2024 eine große Unzufriedenheit in einigen Bereichen wie der Schul- oder der Verkehrspolitik erkennen. Die hat sich seither nicht weiter verschlechtert. Weitaus wichtiger dürften daher die negativen Auswirkungen durch die politische Großwetterlage und die Bundespolitik sein.

Die Erhebung zeigt, dass die Anhänger der Grünen überproportional unzufrieden zu sein scheinen: Sowohl mit ihrer eigenen Partei als auch mit der grünen stellvertretenden Ministerpräsidentin Mona Neubaur.

Diese Entwicklung konnten wir auch schon in früheren NRW-Checks beobachten. Die Zufriedenheit der CDU-Anhänger mit der Arbeit der Landesregierung und mit Wüst ist immer deutlich größer gewesen als die Zufriedenheit der Grünen-Anhänger mit der Arbeit der Landesregierung und „ihrer“ stellvertretenden Ministerpräsidentin. Bei Neubaur kommt hinzu, dass sich recht viele Wahlberechtigte und selbst Grünen-Anhänger immer noch kein richtiges Urteil über ihre Arbeit gebildet haben oder sie nicht kennen.

Bei den größten Problemen im Land wird im NRW-Check die Verkehrssituation am häufigsten von den Befragten genannt. Warum gerade dieses Thema und nicht, wie man in der aktuellen Situation vielleicht annehmen könnte, die Benzinpreisexplosion, Inflation, Preissteigerung?

Die Verkehrspolitik ist ein Thema, das immer für Unmut sorgt. Nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs 2022 ist das kurzzeitig etwas in den Hintergrund gerückt, wurde aber ansonsten in allen NRW-Checks immer von mindestens 20 Prozent der Befragten als größtes Problem genannt. Im aktuellen NRW-Check hat das Thema Wirtschaft für die Menschen aber deutlich an Bedeutung gewonnen. Die schwierige wirtschaftliche Lage und die steigenden Preise bereiten den Menschen merklich häufiger Sorgen als noch im letzten Sommer.

Hinzu kommen jetzt auch noch die hohen Benzinpreise, die im aktuellen NRW-Check zum ersten Mal überhaupt genannt werden. Es gibt aber immer spezifische landespolitische Themen, neben der Verkehrspolitik auch die Bildungspolitik, die in jedem NRW-Check konstant als wichtige Probleme genannt werden.

Wenn eine Partei versucht, bestimmte Themen zu besetzen, stellt sich die Frage, ob man ihr auch zutraut, diese Probleme zu lösen. Und da hat die NRW-SPD generell ein massives Problem.
Peter Matuschek

Mit Oppositionsführer Jochen Ott hat die SPD einen Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2027, der hat sich exakt dieses Thema, Bildung, als Schwerpunkt auf die Fahne geschrieben hat. Laut NRW-Check wissen aber nur acht Prozent der Wahlberechtigten überhaupt, dass Ott Spitzenkandidat ist. Wie passt das zusammen?

Wenn eine Partei versucht, bestimmte Themen zu besetzen, stellt sich die Frage, ob man ihr auch zutraut, diese Probleme zu lösen. Und da hat die NRW-SPD generell ein massives Problem. Im Bereich Bildung und Schule liegt sie bei der Frage nach der Problemlösungskompetenz gleichauf mit der AfD. Und der Unmut über die Schulpolitik der rot-grünen Landesregierung hat seinerzeit mit dazu beigetragen, dass die SPD 2017 die Wahl in NRW verlor. Ob die SPD daher gut beraten ist, ausgerechnet mit dem Thema Bildungspolitik punkten zu wollen, ist eher fraglich.