Köln – Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki hat im Zusammenhang mit der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle um Verzeihung gebeten. Zum Abschluss des Gottesdienstes sagte er überraschend laut Domradio: „Zu den Sorgen, die Sie alle durch Corona ohnehin schon haben, haben wir, habe ich leider noch eine Bürde hinzugefügt.“
Die von sexueller Gewalt Betroffenen und die Gemeindemitglieder der Kirche hätten in den letzten Tagen und Wochen vor Weihnachten im Zusammenhang mit dem Umgang des Gutachtens zur Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt im Erzbistum viel ertragen müssen. „Für all das bitte ich Sie um Verzeihung.“
Woelki verpsricht weiter Aufklärung
Ebenso bat der Erzbischof um Entschuldigung dafür, dass in der Folge „unsere Priester (...) und insbesondere und vor allem die Menschen in unseren Gemeinden und Verbänden (...) dieser Kritik, die dem Erzbistum und insbesondere aber auch mir gilt mit ausgesetzt sind“.
Woelki: „Das alles tut mir aufrichtig und von Herzen leid. Ich habe Ihnen vor zwei Jahren mein Wort gegeben, dass wir mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln die Vorgänge aufklären und auch Verantwortliche benennen werden. Ich habe Ihnen versprochen, dass wir dies ungeschönt und ohne falsche Rücksichten tun. Ich stehe weiterhin zu diesem Wort, auch wenn dies öffentlich gerade anders gesehen und angezweifelt wird.“
Zuvor waren dem Erzbischof Vertuschungsversuche vorgeworfen worden
Der Kölner Erzbischof steht seit Wochen unter Druck wegen der Aufarbeitung der Fälle sexuellen Missbrauchs im Bistum. Ein bei einer Münchener Anwaltskanzlei in Auftrag gegebenes Gutachten zog Woelki vor der Veröffentlichung wieder zurück. Nun ist der Kölner Rechtsanwalt Björn Gercke mit der Aufarbeitung beauftragt.
„Im März liegt das unabhängige Gutachten vor und ich bitte Sie herzlich und aufrichtig. Haben Sie bis dahin noch ein wenig Geduld“, sagte Woelki. „Wir wollen Aufklärung und Aufarbeitung. Das sind wir vor allem jedem einzelnen Betroffenen schuldig.“
Das könnte Sie auch interessieren:
In der Predigt im Dom war Woelki zuvor weder auf die Corona-Krise noch auf die Missbrauchsfälle eingegangen. Er hatte sich auf die Botschaft der Geburt Jesu in der Krippe gesprochen, von der Nähe zu Gott, der „anders“ sei, aber gerade dies eine Hinwendung zum Menschen sei, die Einladung, ihm und einander in Liebe zu begegnen. Die persönlichen Worte an die Gemeinde kamen überraschend. Woelki ist zuletzt persönlich vorgeworfen worden, er wolle den Missbrauchsfall eines Düsseldorfer Priesters vertuschen. Der Erzbsichof hat sich zur Klärung der Vorwürfe an den Papst gewandt.



