Die 15 größten Müll-IrrtümerWarum eine falsch entsorgte Deo-Dose sogar gefährlich sein kann

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Dosen mit Deodorant von Nivea der Sorte "fresh natural 0%" ist Produktionswerk der Beiersdorf AG zu sehen.

Nur wenn das Deo-Spray ganz leer ist, darf es in der gelben Tonne entsorgt werden. Aus gutem Grund.

Deo-Dosen sind in der Regel aus Metall und Kunststoff – also in die gelbe Tonne. Nicht immer! Wir erklären diesen und 14 weitere Müll-Irrtümer.

Gerade im Badezimmer fällt viel Müll an: Von benutzten Zahnbürsten oder Rasierklingen über das leere Shampoo oder die Deo-Dose bis zu Überbleibseln vom Make-up. Wird dieser Müll richtig getrennt, kann er recycelt werden – allerdings fällt das vielen Menschen schwer, wie eine YouGov-Umfrage ergeben hat. Laut dieser achten zwar dreiviertel der Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland darauf, ihren Müll im Bad zu trennen, dabei landet der Müll jedoch häufig in der falschen Tonne.

Häufig haben etwa Pflegeprodukte noch eine Umverpackung aus Papier. Die gehört ins Altpapier. Aber auch dabei gibt es etwas zu beachten: Hat die Verpackung ein Sichtfenster aus Plastik, muss das getrennt von dem Rest in die gelbe Tonne. 

40 Millionen Tonne Haushaltsabfälle müssen richtig getrennt werden

Mehr als 40 Millionen Tonnen Haushaltsabfälle wurden im vergangenen Jahr nach Angaben des Statistischen Bundesamtes erfasst. Das ist der höchste Wert seit erstmaliger Erhebung der Daten im Jahr 2004. Pro Kopf entspricht das rund 483 Kilogramm Haushaltsmüll und damit sogar 25 Kilogramm mehr im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit. Jede Menge Müll, die es auf die richtigen Tonnen zu verteilen gilt. Doch dabei halten sich bis heute einige Irrtümer hartnäckig. Die will die Initiative „Mülltrennung wirkt“ beseitigen. Welcher Müll wirklich in welche Tonne gehört – ein Überblick.

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Irrtum Nr. 1: Deo- und Haarspray kommen grundsätzlich in die gelbe Tonne

Die Deo-Dose, der Rasierschaum oder das Haarspray sind in der Regel aus Metall und Kunstoff. Da könnte man meinen, dass die auf jeden Fall in die gelbe Tonne gehören. Falsch gedacht: Nur wenn sie komplett leer sind, dürfen sie in die gelbe Tonne. Sind noch Reste in der Sprühdose, muss sie bei einem kommunalen Wertstoffhof oder im Sondermüll entsorgt werden. Landen sie trotzdem in der gelben Tonne, können im Entsorgungsfahrzeug oder in der Sortieranlage unter Druck geraten – dadurch kann es zu gefährlichen Bränden oder Verpuffungen kommen.

Leichter ist es bei leeren Shampooflaschen oder Zahnpastatuben. Sie kommen wie alle anderen Verpackungen aus Kunststoff in die gelbe Tonne. Dazu zählen auch Behälter von Wimperntusche, Lippenstiften und anderen Kosmetika – denn sie sind häufig ebenfalls aus Kunststoff. Um das Recycling effizienter zu machen, ist es besser, wenn man Verpackung und Deckel und andere Bestandteile getrennt voneinander wegwirft, da sie häufig aus unterschiedlichen Materialien hergestellt werden.

Das Gesicht einer Frau ist unscharf hinter einer Zahnbürste zu erkennen.

Wohin mit der alten Zahnbürste?

Irrtum Nr. 2: Benutzte Zahnbürsten gehören in die gelbe Tonne

Regelmäßig sollte man die Zahnbürste auswechseln. Da die meisten Zahnbürsten noch aus Plastik sind, könnte man da auf die Idee kommen, sie auch in die gelbe Tonne zu werfen. Allerdings gehören in die nur Verpackungen. Deshalb sollte die ausgediente Zahnbürste über den Restmüll entsorgt werden. Der Müll, der im Badezimmer anfällt, kommt vergleichsweise nur selten in die graue Tonne. Neben Zahnbürsten gehören ebenfalls Kosmetiktücher, Papiertaschentücher und Wattepads sowie Rasierklingen und Einwegrasierer dazu.

Irrtum Nr. 3: Pizzakartons gehören ins Altpapier

Pizzakartons werden von vielen Fans des italienischen Klassikers in der Regel im Altpapier entsorgt, denn: Pizzakartons sind aus Papier. Das ist aber leider nur die halbe Wahrheit. Oftmals befinden sich Rückstände von Käse und Fett im Karton. Sobald die Pappschachtel stark verunreinigt ist, kann sie nicht mehr recycelt werden und gehört deshalb in den Restmüll. „Die Frage ist: Was ist stark verunreinigt? Die übliche Verschmutzung von ein bis zwei Fettflecken ist kein Problem“, erklärt Axel Subklew, Sprecher von „Mülltrennung wirkt“. Handelt es sich aber um Käsereste und flächendeckende Fettflecken, gehört der Pizzakarton in den Restmüll. „Und bitte, nehmen Sie die Essensreste da raus“, fleht der Müll-Experte.

Eine halb gegessene Pizza liegt in einem Pizzakarton.

Ein bis zwei Fettflecken sind okay, aber bitte keine Essensreste ins Altpapier.

Gleiches gilt für Backpapier. Hier ist der Name leider irreführend, ist die Backofenunterlage in der Regel mit Teflon beschichtet. Dies sorgt dafür, dass Backpapier sich nicht in Wasser auflöst und demnach nicht recycelbar ist. Ebenso gehören Kassenzettel nicht ins Altpapier, sondern in den Restmüll. Sie bestehen aus sogenanntem Thermopapier und das kann ebenfalls nicht recycelt werden. Auch benutzte Taschentücher, benutztes Küchenpapier und Geschenkpapier gehören aus demselben Grund in die schwarze Tonne.

Irrtum Nr. 4: Buntes Glas kann in jeden Altglascontainer

Weiße Gläser kommen in den Container für weißes Glas, braune Gläser in den für braunes Glas. Doch in welchen Container kommt zum Beispiel blaues Altglas? Und warum kann es nicht einfach in irgendeinen Container? „Gerät zum Beispiel ein farbiges Glas zwischen das Weißglas, verfärbt sich das gesamte Glas beim Einschmelzen und der Wiedereinsatz ist nur noch sehr beschränkt möglich“, sagt Axel Subklew. Die Trennung ist also entscheidend für die Weiterverarbeitung und somit auch für die Wiederverwertbarkeit der Gläser.

Es gibt gute Gründe, warum man grünes, braunes, weißes und andersfarbiges Glas in den allermeisten Fällen voneinander trennen sollte.

Blaues oder andersfarbiges Altglas muss in diesem Zusammenhang in den Container für Grünglas, weil dieses beim Einschmelzen und Recyclen mit anderen Farben vermischt werden kann, ohne dass die Farbe beeinträchtigt wird. „Es gibt diesen Mythos, dass sowieso alles zusammengeschmissen wird. Das ist in Köln definitiv nicht so. Einmal getrenntes Glas bleibt auch immer getrennt“, so Subklew.

Irrtum Nr. 5: Kaputte Trinkgläser gehören ins Altglas

Definitiv nicht in den Glascontainer gehören dagegen kaputte Trink- oder leer gebrannte Kerzengläser, genauso wenig wie zerbrochene Fensterscheiben oder Spiegel-Splitter. Dabei handelt es sich in der Regel um andere Glasarten. „Diese haben eine andere Zusammensetzung, deshalb sind sie für das Einschmelzen ungeeignet“, erklärt Axel Subklew. Durch eine andere Beschaffenheit weisen sie einen anderen Schmelzpunkt auf. Folglich können sie nicht gemeinsam mit dem Glas aus den Altglascontainern eingeschmolzen und wiederverwertet werden. Stattdessen werden solche Glasreste entweder beim Wertstoffhof oder aber im Restmüll entsorgt.

Irrtum Nr. 6: Glasbehälter dürfen nur ohne Deckel ins Altglas

Muss er ab? Oder bleibt er dran? Wer den Gang zum Altglascontainer antritt, wird in der Regel herrenlosen Deckeln von Glasbehältern begegnen. Denn viele Verbraucherinnen und Verbraucher rätseln noch immer, wie das mit dem Deckel zu handhaben ist. „Wir sagen eindeutig: Der Deckel darf drauf bleiben“, sagt der Sprecher von „Mülltrennung wirkt“. Die Sortieranlagen können sie, nach Angaben der Initiative der dualen Systeme in Deutschland, die mit ihren Dienstleistern aus der Entsorgungs- und Recyclingbranche die Sammlung, Sortierung und Verwertung der Abfälle organisieren, herausfiltern. Dafür werde aber ein erhöhter Energieverbrauch benötigt. Der Deckel kann abgeschraubt und in der gelben Tonne entsorgt werden, notwendig ist dies nach Angaben der Initiative aber nicht.

Irrtum Nr. 7: EC- und Kreditkarte gehören in den Restmüll

Das Logo der Smartphone-Bank N26 ist auf einer Karte der Bank zu sehen.

EC- und Kreditkarten gehören nicht in den Hausmüll.

Wussten Sie, dass es sogar verboten ist, alte EC- und Kreditkarten im Hausmüll zu entsorgen? Seit Ende 2018 gelten sie als Elektrogeräte und müssen folglich fachgerecht beim Wertstoffhof beseitigt werden. Ob eine Karte bereits unter dieses Gesetz fällt, ist an dem Zeichen einer durchgestrichenen Mülltonne auf der Karte zu erkennen. Bankkarten enthalten einen Mikrochip, darin enthaltene Rohstoffe können also recycelt werden. Wichtig ist, alte EC- und Kreditkarten vorher sorgfältig zu zerschneiden. Sobald Chip und Magnetstreifen zerstört und Daten, wie zum Beispiel Name, IBAN oder Kreditkartennummer, unkenntlich gemacht wurden, kann ein Missbrauch ausgeschlossen werden.

Irrtum Nr. 8: Alte Handys können in den Restmüll

Alte Mobiltelefone haben wohl viele noch zu Hause. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren es im Jahr 2021 rund 206 Millionen ausrangierte Handys in deutschen Haushalten. Dieser Umstand ergibt sich wahrscheinlich auch daraus, dass kaum jemand weiß, wie alte Geräte richtig entsorgt werden. In den Hausmüll gehören sie auf keinen Fall. Denn: In Handys befinden sich wertvolle Rohstoffe, wie zum Beispiel Gold, Silber und Kupfer, die wiederverwertbar sind. Verbraucherinnen und Verbraucher sollten ihre alten Geräte deshalb zum Recyclinghof bringen. Seit 2016 sind auch größere Elektrohändler dazu verpflichtet alte Mobiltelefone anzunehmen und auch gemeinnützige Organisationen, wie der Naturschutzbund (Nabu) und die Deutsche Umwelthilfe (DUH) sammeln ausrangierte Handys, bereiten sie auf und verkaufen sie weiter.

Irrtum Nr. 9: Nur leere Flaschen gehören ins Altglas

Altglas wird in der Wohnung oftmals gesammelt. Dabei stellen viele nur leere Getränkeflaschen beiseite. Dabei können alle leeren Glasbehälter in den Containern entsorgt werden. So zum Beispiel auch Öl-, Ketchup- oder Soßenflaschen. Auch Rotkohl-, Gurken- und Marmeladengläser zählen dazu. Solange diese Verpackungen aus Glas sind, können sie auch in Glascontainern beseitigt werden.

Was viele Verbraucherinnen und Verbraucher nicht wissen: Auch Cremetiegel, Parfümflakons und Verpackungen für Medikamente, wie beispielsweise Hustensaftfläschchen, gehören in den Altglascontainer.

Bei diesem Altglas ist die richtige Trennung ebenfalls wichtig. Sortiert nach den Farben Weiß, Braun und Grün werden die Behälter in den jeweiligen Altglascontainern entsorgt. Das Glas ist in einer ganz anderen Farbe gefärbt? Dann kommt es zum Grünglas – das verträgt beim Recycling die meisten Fehlfarben.

Irrtum Nr. 10: Batterien können in den Restmüll

Weil viele Verbraucherinnen und Verbraucher nicht wissen, wohin mit ihren alten Batterien, landen leider immer wieder welche im Restmüll. Dort gehören sie jedoch ganz und gar nicht hin. Bereits im Jahr 2009 wurde ein Gesetz eingeführt, welches Hersteller dazu verpflichtet, alte Batterien kostenfrei zurückzunehmen. Deutschlandweit wurden mehr als 170.000 Sammelstellen in Super- oder Drogeriemärkten, Elektro-Fachgeschäften oder Tankstellen eingerichtet, damit Bürgerinnen und Bürger nicht für jede einzelne Batterie den Hersteller aufsuchen müssen. „Batterien dürfen auf gar keinen Fall in den Restmüll. Dann wird es echt gefährlich. Wenn sie beschädigt werden und das darin enthaltene Lithium austritt, kann sich das in Sekunden entzünden“, sagt der Sprecher von „Mülltrennung wirkt“.

Irrtum Nr. 11: Speiseöl kann man in den Abfluss kippen

Die Toilette und der Abfluss in der Küche sind nicht für die Entsorgung alter Speiseöle und Fette geeignet. Sie können dort zu Verstopfungen und im schlimmsten Fall sogar zu Beschädigungen der Wasserleitungen führen. Nach Angaben des Umweltbundesamtes sollen die Reste der Öle daher gesammelt und anschließend in verschließbaren PET-Flaschen im Restmüll entsorgt werden. Wer eine Katze zu Hause hat, kann die Ölreste alternativ auch in Katzenstreu schütten. Das führt zu Klumpen, die im Anschluss ebenfalls in den Hausmüll wandern können. Fallen größere Mengen alter Öle an, sollten diese zum Entsorgungshof gebracht werden.

Irrtum Nr. 12: Einweg-Masken und Schnelltests gehören in die gelbe Tonne

Eine weggeworfene Maske liegt am Rheinufer auf dem Boden.

Masken sind Einwegprodukte und gehören in den Restmüll.

Noch immer benutzen wir hier und da Einweg-Masken und Corona-Schnelltests. Doch wohin mit den benutzten Überbleibseln? Der gebrauchte Mund-Nasen-Schutz gehört weder in das Altpapier noch in die gelbe Tonne, sondern in den Restmüll. Das gilt sowohl für medizinische, als auch für FFP2-Masken, denn beide sind Einwegprodukte. „Bei den Masken ist es total einfach: Sie sind hygienisch belastet und gehören daher immer in den Restmüll, weil sie dort verbrannt werden. Sie haben definitiv, wie auch alle anderen Verpackungen, nichts in der Landschaft zu suchen“, so Subklew.

Auch benutzte Corona-Schnelltests gehören nach Angaben des Umweltbundesamtes in den Restmüll. Dort sollten sie in einem „stabilen, fest verschlossenen Müllbeutel“ entsorgt werden. In der Müllverbrennungsanlage des Hausmülls herrschen dann Temperaturen, die eine „vollständige Vernichtung jeglicher Krankheitserreger garantieren“.

Irrtum Nr. 13: Zeitung muss ins Altpapier

Papier ist nicht gleich Papier. Aus diesem Grund kann zum Beispiel Zeitungspapier in einem simplen Schwarz-Weiß-Druck in die Biotonne und muss nicht zwingend ins Altpapier. Auch Eierkartons und Papiertüten dürfen vielerorts in den Biomüll. Das ist allerdings von der jeweiligen Kommune abhängig und in der Regel auf der Homepage der Gemeinde nachzulesen. „Das ist aber nicht der geordnete Weg. Der bessere Weg ist die Papiertonne“, so Axel Subklew.

Auch Küchenkrepp, Wattepads und Taschentücher dürfen in manchen Kommunen in der Biotonne landen. Auf keinen Fall dürfen dagegen Servietten, Papierhandtücher und vor allem gewachste Papiere, Pappe und Zeitschriften darüber entsorgt werden.

Irrtum Nr. 14: Glühbirnen und LEDs gehören in den Hausmüll

Weder alte Glühbirnen, noch LED- oder Energiesparlampen gehören in den Glascontainer. Während Glühbirnen schlicht im Hausmüll entsorgt werden können, gehören Energiesparlampen und LEDs in den Sondermüll.

Irrtum Nr. 15: Kaputte Kleidung gehört in den Altkleidercontainer

Wer alte, kaputte oder stark verschmutzte Kleidung loswerden will, bringt sie häufig zum Altkleidercontainer. „Irgendwer wird das schon noch gebrauchen können“, denken sich viele Verbraucherinnen und Verbraucher. Allerdings kann kaputte Kleidung auch nicht „irgendwer“ gebrauchen. Sie gehört in den Hausmüll. In den Containern sorgen kaputte Kleidungsstücke für einen Mehraufwand, weil diese herausgesucht und beiseite gelegt werden müssen.

Darüber hinaus gibt es Unternehmen, die sich darauf spezialisiert haben, stark beschädigte Kleidung entgegenzunehmen und weiterzuverarbeiten. Sie stellen daraus zum Beispiel Dämmmaterial oder Putzlappen her. Auch Schuhe können im Altkleidercontainer entsorgt werden, sollten aber zusammengebunden und, wenn möglich, in einer Tüte abgegeben werden. So ist sichergestellt, dass sie als Paar ankommen. (mit dpa)

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