Die Fußballnationalmannschaft der Frauen kämpft derzeit bei der EM erneut um den Titel. Eine Keimzelle der Erfolge lag in Bonn: Der Bonner SC war vor 30 Jahren deutscher Meister. Die langjährige Rundschau-Mitarbeiterin Monika Larmann, die damals im Meisterteam stand, erinnert sich.
BONN. Kennen Sie noch Beverly Ranger? Ja, Beverly Ranger, die schwarze Perle" im Fußball. In allen Gazetten war sie damals präsent, alle Rundfunkanstalten haben über sie berichtet, das Fernsehen natürlich auch. Na gut, es ist schon lange her, so um die 30 Jahre. Aber immerhin hat sie seinerzeit ein Tor des Monats" geschossen, über das heute noch im Internet nachzulesen ist: Ein Tor, bei dem man mit der Zunge schnalzt, das jedem im Gedächtnis bleibt."
Tor des Monats von
Beverly Ranger
Ein Tor, das dort auch in einer Reihe mit Helmut Rahns Treffer von 1954 oder Gerd Müllers WM-Tor 1974 gegen die Niederlande genannt wird. Bei Beverly war es das Jahr 1975, als sie einen Alleingang an fünf Gegenspielerinnen vorbei mit einem knallharten Schuss abschloss und damit im Fernsehen groß herauskam. Fast wäre dabei in den Hintergrund getreten, dass ihre Mannschaft der Bonner SC war und dass diese Mannschaft mehrere Spitzenspielerinnen in ihren Reihen hatte, die es an Spielkunst mit Beverly mehr als aufnehmen konnten: Anne Haarbach-Trabant zum Beispiel, die Spielertrainerin, die Geschwister Christa und Charlotte Nüsser, Erika Neuenfeld oder auch Torfrau Hanne Klein. Und sie alle zusammen errangen in diesem Jahr immerhin die Deutsche Meisterschaft.
In einer späteren Chronik hieß es: Für den einzigen bedeutenden Titel im Briefkopf des Bonner SC sollten die Frauen-Fußballerinnen sorgen. Am 15. Juni 1975 schlugen sie im Finale um die deutsche Meisterschaft den FC Bayern München mit 4:2. Im Pennenfeld-Stadion jubelten ihnen 2500 Zuschauer zu." Beim Rathaus-Empfang in Bonn sagte der damalige Oberbürgermeister Dr. Hans Daniels, selbst begeisterter Fußballer: Wenn ich Sie so sehe, weiß ich nicht, was ich mehr liebe - die Frauen oder den Fußball."
Die Spielerinnen waren klasse, aber der Macher des Erfolgs war Willi Krahe, der inzwischen schon verstorbene Manager. Der Dicke mit der Zigarre war es, der für die ökonomische Basis sorgte und die Truppe mit Leidenschaft, Geschick und manchmal auch Tricks zusammenhielt. Als Spielführerin der Meisterelf habe ich von alledem so manche Kostprobe mitbekommen.
Krahe gründete 1971 / 72 eine Frauenmannschaft im BSC, deren langjährige Betreuerin Käthe Schmitz gestern 70. Geburtstag feierte. Krahes Arbeitskollege Dietmar Fischenich lockte mich als 19-Jährige nach Bonn, vorher war ich in einem Leichtathletikverein, trainierte 800 m-Laufen und Speerwerfen. Die Frauen im BSC, die Krahe bis Ende 1974 selbst trainierte, sorgten schnell für Furore, gewannen mehrfach ein Internationales Pfingstturnier, das von 1973 an einige Jahre in Bonn stattfand, sowie Auslandsturniere.
1974 bei der allerersten DM im Frauenfußball waren wir dann auch dabei. Als Mittelrheinmeister - wir setzten uns gegen die damals schon etablierten Frauen aus Bad Neuenahr durch - und es ging zur DM nach Mainz, wo wir nur Vierte wurden. Der erste Deutsche Frauenmeister hieß TuS Wörrstadt. Nun wurde Willi Krahe vom Ehrgeiz gepackt. Er verpflichtete aus Wörrstadt Libero Karin Pätzold und Spielertrainierin Haarbach-Trabant. Vom Dritten Bubach-Calmesweiler lockte er Beverly Ranger nach Bonn.
Die Diplomsportlehrerin Anne Haarbach-Trabant, die heute in Ratingen wohnt, erinnert sich: Ich kam im Oktober 1974 zum BSC und wir wurden 1975 Deutscher Meister." Und weiter: Die Spielerinnen waren sehr ehrgeizig und machten auch beim härtesten Training nicht schlapp. Mit Gero Bisanz gründete Haarbach-Trabant die Frauennationalmannschaft, die 1983 ihr erstes Länderspiel in Koblenz gegen die Schweiz 5:1 gewann.
22 Jahre später will das DFB-Frauenteam derzeit unter reger Anteilnahme der Medien seinen EM-Titel in England verteidigen. Die große Chance, aber auch ein Risiko des Frauenfußballs ist seine besondere Medienwirksamkeit. Vor 30 Jahren war ja nicht nur Beverly Ranger in den Schlagzeilen. Auch Christa Nüsser und ich wurden zu Heldinnen gestempelt in Storys aller Medien in Deutschland - von Boulevardzeitungen, über Spiegel, Stern, Bunte, Sport-Illustrierte und Neue Revue und bis hin zu Dutzenden von Radio- und Fernsehsendern, als wir Profi-Angebote aus Italien erhielten. Das hat sich über die Jahre hinweg fortgesetzt, und dem Frauenfußball bei allen Übertreibungen gewiss sehr gut getan.
Aber es gibt auch die andere Seite: die Tatsache, dass wir ganze 100 Mark für die Meisterschaft bekamen, dass heute viele Bundesligaspiele der Frauen manchmal eher unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden - und auch, dass eine sehr gute männliche B-Jugend gegen viele Frauen-Bundesligisten durchaus gewinnen könnte. Die Kölnerin Irmgard Stoffels, die noch mit der SSG Bergisch-Gladbach Meistertitel im Frauenfußball feierte, meint dazu: Das ist wie mit den Kölner Fortunen: Alle liebten sie, aber keiner ging hin. Das nicht zu vergessen und weiterhin unverdrossen an der Marke Frauenfußball" zu arbeiten, ist eine der wichtigsten Lehren aus den letzten 30 Jahren.
Von Beverly Ranger weiß man nur, dass sie jetzt in den USA lebt und dass ihr soziales Umfeld dort keineswegs bundesligareif ist . . .