BONN. Für viele war es ein Schock: Die Bonner CDU-Vorsitzende Dr. Pia Heckes hat am späten Montagabend vor dem CDU-Kreisvorstand ihren Rücktritt vom Amt der Parteichefin erklärt. Die 47-Jährige zog damit die Konsequenzen aus der überaus deutlichen Niederlage, die sie nur wenige Stunden zuvor in der Ratsfraktion hatte hinnehmen müssen.
In geheimer Abstimmung hatte die Fraktion Ratsherrn Helmut Joisten mit 16 Stimmen zum Bürgermeisterkandidaten gewählt, während Heckes - schon bei der Kommunalwahl vor gut zwei Wochen als Oberbürgermeisterkandidatin gescheitert - mit acht Stimmen abgekanzelt wurde (Rundschau von gestern).
„Wir sind Heckes zu
Dank verpflichtet“
Die Muffendorferin, von 1999 bis zur Wahl Erste Bürgermeisterin von Bonn, war exakt 14 Monate Vorsitzende ihrer Partei. Auf einem Sonderparteitag soll im Dezember ein Nachfolger gefunden werden; bis dahin ist der bisherige Partei-Vize Martin J. Wilde kommissarischer Kreischef.
Nur schriftlich begründete Heckes gestern gegenüber der Presse ihren Schritt: „Die CDU-Ratsfraktion hat in einer Kampfabstimmung über die Nominierung des Kandidaten für das Bürgermeisteramt - also in einer für sich genommen eigentlich nicht so sonderlich wichtigen Frage - die Vorsitzende der CDU-Kreispartei beschädigt. Daraus habe ich mit meinem (. . .) Rücktritt vom Parteivorsitz die entsprechenden Konsequenzen gezogen.“ Darüber hinaus war Heckes zu keiner weiteren Stellungnahme bereit. „Kein Kommentar“, hieß es knapp auf Anfrage der Rundschau.
Mit Bedauern, aber auch mit Verständnis und Respekt habe der Vorstand auf den Rücktritt Heckes reagiert, so Wilde. Die Partei sei ihr „zu großem Dank verpflichtet“, weil sie die CDU nach den Skandalen um Ex-Ratsfraktionsvorsitzenden Reiner Schreiber erfolgreich aus einer ganz schwierigen Situation herausgeführt und konsolidiert habe. Ähnlich äußerte sich der Chef der Ratsfraktion, Benedikt Hauser: „Es ist unbestritten das Verdienst von Heckes, die Partei neu aufgestellt zu haben.“
Der Rücktritt Heckes sei ihre persönliche Entscheidung gewesen, betonte Hauser. Er selbst sei „unglücklich über diese Entwicklung“. In der Fraktion sei es um die Bürgermeisterfrage gegangen und nicht darum, die Parteichefin anzugehen: „Ich hätte mir vorstellen können, das vernünftig zu bereden.“ Fast schon entschuldigend: „Ich wollte den Rücktritt nicht und auch nicht diese ,Klatsche , aber ändern kann ich das nicht.“
Dass die Abstimmungsniederlage in der Fraktion auch die Quittung für einen wenig erfolgreichen Wahlkampf gewesen sein könnte, wollen Wilde und Hauser zumindest relativieren. Nicht Heckes allein, Partei und Fraktion hätten gemeinsam mit ihr die Kommunalwahl verloren, betonte Hauser. Wilde: „In der Fraktion gab es Kritik am Wahlkampf von Heckes. Ich persönlich halte mögliche Schwächen von ihr nicht für wahlentscheidend.“ Das Wahlergebnis (38,0 Prozent für die CDU, 31,1 für OB-Kandidatin Heckes) sei insgesamt „weit davon entfernt, zufriedenstellend zu sein“.
Nun sucht die CDU also wieder nach einem neuen Vorsitzenden. Parteiinterne Überlegungen, dass Landtagsabgeordneter Gerhard Lorth oder der Bonner Stadtbezirksverbandsvorsitzende Markus Schuck dafür in Frage kämen, dürften sich vorerst erübrigen. Sowohl Schuck als auch Lorth erklärten gegenüber der Rundschau, für diesen Job „nicht zur Verfügung zu stehen“. Auch Wilde will im Dezember mit Rücksicht auf seinen Beruf als Geschäftsführer des Bundes Katholischer Unternehmer in Köln nicht als Parteichef kandidieren.