Für seinen Abschied gibt der Bürgermeister gesundheitliche und familiäre Gründe an. Aber auch politische.
BAD MÜNSTEREIFEL. Er wirkt erleichtert, als fiele eine Last von seinen Schultern. Im historischen Saal des Roten Rathauses gibt Achim Bädorf gestern Morgen offiziell bekannt: Ich werde bei der Kommunalwahl im kommenden Jahr nicht mehr als Bürgermeisterkandidat antreten. Gut 12 Monate noch, dann ist Schluss.
Dann hat er der Kurstadt-Verwaltung 13 Jahre - vier als Stadtdirektor, acht als hauptamtlicher Bürgermeister - vorgestanden. Er verschweigt nicht, dass ihm gerade die letzten Monate nach dem Tode seines väterliches Freundes und Förderers Heinz Mauel und dem Knatsch in der CDU, der sich auch um seine Person rankte, zu schaffen machte. Doch noch ist Achim Bädorf Bürgermeister - und zu einer diplomatischen Sprache verpflichtet: Die Zusammenarbeit war nicht ganz einfach. Die CDU ist in einer Neufindung, die noch nicht abgeschlossen ist.
Namen nennt Bädorf nicht, doch dass er mit Mauels Nachfolger an der Fraktionsspitze, Johannes Brühl, nicht gerade gemeinsamen Urlaub verbringen würde, ist bekannt. Das geht auch aus Brühls Stellungnahme (siehe Stimmen) hervor: Der Verzicht Bädorfs bringe neue Perspektiven. Großes Bedauern klingt jedenfalls anders. Dennoch, sagt Bädorf, bin ich sicher, dass die CDU mich zur Kommunalwahl wieder aufgestellt hätte. Hätte, wenn und aber...
Aber selbst wenn die Kur~ stadt-Union wie ein Mann hinter ihrem Bürgermeister gestanden hätte, er wäre auch dann nicht mehr angetreten, versichert Bädorf: Dann wäre die Entscheidung aber schwerer gefallen. Die gesundheitlichen Folgen seines Verkehrsunfalls im September 2001 ließen eine längere Amtsführung nicht zu: Ich werde ab Oktober 2004 einen Tag in der Woche in die Mucki-Bude gehen, um unter fachlicher Aufsicht den Rücken zu stärken. Sowas sei im Amt zeitlich undenkbar. Denn er hat erfahren müssen, was es heißt, sowohl eine Verwaltung zu führen als auch in der Bürgerschaft zu repräsentieren. Dass sein Ehrgeiz ihn immer wieder dazu bewogen habe, die ein oder andere Aufgabe, den ein oder anderen Posten in Verbänden, Aufsichts- und Verwaltungsräten anzunehmen, verschweigt der Mittvierziger keineswegs. Doch die Folgen seien gerade mal drei Wochen Urlaub im Jahr, nahezu unentwegtes Herumfahren zu Terminen - ob zu Versammlungen, Karnevalssitzungen, Ausstellungen oder Gedenkfeiern an Ehrenmälern. Ich habe da nie eine Rede zwei Mal gehalten, sagt Bädorf und fügt hinzu: In diesem Amt wird man schneller älter.
Mit derartiger Vehemenz wie zu früheren Zeiten würde er sich mit diesem Sack an Erfahrungen auf dem Rücken nicht mehr für die Zusammenführung von Stadtdirektor und Bürgermeister in eine Person stark machen, gesteht Bädorf: Die Vorteile werden zu Teilen von den Nachteilen aufgefressen.
Denn wer jedes Wochenende eine Reihe von Veranstaltungen besuchen wolle, habe zwangsläufig wenig Zeit für die Familie, meint der Ehemann und Vater von vier Kindern - und erzählt aus privaten Erfahrungen: Mein Vater war Kreisdirektor, er hat bis zum 59. Lebensjahr gearbeitet - wegen des Ansehens und der Pensionsansprüche für die Familie. Mit 61 ist er dann gestorben, die letzten eineinhalb Jahre verbrachte er im Krankenhaus. Soweit wolle er es nicht kommen lassen. Einen Fulltimejob werde er nicht mehr annehmen, die Pensionsansprüche ließen eine gewisse Gelassenheit zu. Ob der gelernte Jurist als Anwalt oder als Verbandsfunktionär tätig sein wird, ist völlig offen.
Dass er die Teile des Amtes, die das Ego streicheln - Einladungen, eine gewisse Art des Hofiertwerdens - vermissen könnte, schließt Bädorf ehrlicherweise nicht aus: Doch das wäre noch schlimmer, wenn man einige Jahre später aufhört.
In der CDU geht nun die Suche nach einem Nachfolger los. Fraktionschef Johannes Brühl sieht viel Arbeit auf sich zukommen, die Fühler würden nach einem jungen Kandidaten mit Verwaltungserfahrung ausgestreckt. Einen Bestimmten haben wir noch nicht im Auge, so Brühl. Bädorf glaubt, dem Nachfolger ein gut bestelltes Feld zu übergeben: Vieles ist mir im Laufe meiner Tätigkeit, insbesondere durch die Unterstützung der mich tragenden Union gelungen, nur weniges endgültig misslungen und einiges lässt sich ja auch noch im verbleibenden Jahr erreichen. Gerne wolle er noch einen Camping-Platz ermöglichen. Schließlich will auch das Ego eines Bürgermeisters a.D. gestreichelt sein.