DÜSSELDORF - Zuletzt ging alles ganz schnell. Am Tag nach Rüttgers' heftigem Donnerwetter in der „Sponsoren-Affäre“ trat der glücklose CDU-Generalsekretär Hendrik Wüst (34) zurück. Nach einer Reihe von Pleiten, Pech und Pannen war der Chef der Abteilung Attacke für den eigenen Parteichef im Landtagswahlkampf untragbar geworden.Das vernichtende Echo auf das „unmoralische Angebot“ an Sponsoren für den Landesparteitag am 20. März hatte das Fass zum Überlaufen gebracht. Selbst Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) nannte den Werbebrief der CDU-Zentrale an Sponsoren „selten dämlich“. Darin hatte die Partei Firmen im Rahmen eines Sponsorenvertrags exklusive Gespräche mit Ministerpräsident Rüttgers für einen Aufpreis von 6000 Euro angeboten.
SPD und Grüne waren empört über den „Ministerpräsident zum Mieten“. Rüttgers verwahrte sich gegen den Vorwurf der Käuflichkeit und versicherte, er habe von dem Brief nichts gewusst. Während sich an der Parteibasis Protestbriefe häuften, beriet Wüst mit Mitarbeitern die Lage. Auch in der Fraktion wuchs der Druck - CDU-Abgeordnete waren stinksauer. Der wütende Rüttgers konnte und wollte die Ausfälle des mit 20 000 Euro Einnahmen im Monat üppig dotierten CDU-Generals nicht länger dulden.
Es war bei Wüst einfach ein Skandal zu viel. Der Münsterländer Jäger hatte zu häufig in die eigenen Reihen geschossen. Ende 2009 wurde öffentlich, dass Wüst seit Mitte 2006 monatlich 310 Euro zu viel an Zuschüssen für Kranken- und Pflegeversicherung kassiert hatte. Die Opposition sprach von „Abzockerei“. Der Generalsekretär zahlte 5000 Euro an die Landeskasse zurück. Rüttgers hielt in der „Gehaltsaffäre“ an seinem umstrittenen Parteimanager fest. Und der gab sich selbstbewusst. Er sei mit dem Sattel geradezu verwachsen, konterte er Fragen, wie fest er noch im Sattel sitze.
Jetzt aber musste Wüst absteigen. „Man kommt an einen Punkt, wo man sich fragt, ob man der Partei im Wahlkampf noch helfen kann. Wenn nicht, dann muss es ein Anderer machen“, teilte er mit. „Der 25. Organisationsfehler war zu viel“, so ein Insider. Schon mit der „Videoaffäre“, bei der SPD-Herausforderin Hannelore Kraft per Kamera beobachtet wurde, hatte sich Wüst verbale Prügel eingefangen. Hinzu kamen die „E-Mail-Affäre“ mit dem Austausch von Infos zwischen Partei und Regierung sowie eine Prozesslawine gegen CDU-Mitarbeiter vor Gericht.
Der junge CDU-Politiker brachte die Opposition mit markigen Sprüchen („Kraftilanti“) immer wieder zur Weißglut, zugleich hatte er seine Parteizentrale offenbar nicht im Griff. „Da arbeitete jeder für sich“, so ein Kenner. Das sei jetzt bestraft worden.
CDU-Landeschef Jürgen Rüttgers sucht derzeit nach einem Nachfolger. Im Gespräch sind die Ruhrgebietspolitiker Oliver Wittke und Helmut Diegel. Falls Rüttgers auf einen „weiblichen General“ setzt, gilt Ulla Heinen als Favoritin. Heute tagt in Düsseldorf der CDU-Landesvorstand. Dann muss Rüttgers dem Gremium eine Lösung präsentieren.
Jurist Wüst wird derweil als einfacher Landtagsabgeordneter aktiv bleiben. In der CDU gilt er weiter als politisches Talent...
