RHEINBACH. Von wegen Harmonie: Geschachere und Gerangel bestimmten bei der CDU-Mitgliederversammlung die Kür der Kandidaten für die Wahlkreise bei der Kommunalwahl im September. Prominentestes Opfer war Ferdinand Pfahl, Vorsitzender des Herbstmessevereins, der sich nach nur fünfjähriger Amtszeit nicht wieder für die CDU um einem Posten im Stadtrat bewerben darf. Pfahl verlor eine erst in der Sitzung geforderte Kampfabstimmung um den Wahlkreis 2 gegen Silke Josten-Schneider deutlich mit 36 zu 74 Stimmen. Für Bürgermeister Stefan Raetz kam die Niederlage nicht überraschend: Ferdinand Pfahl ist für viele ein rotes Tuch.
Auch bei der Besetzung der Listenplätze gab es eine Überraschung: Ralf Richard, der ursprünglich für Platz 20 vorgesehen war - der bei einem außerordentlich guten Wahlergebnis der CDU noch für den Einzug in den Rat reichen könnte - musste diesen Platz Peter Lahl überlassen.
Das ist Demokratie", konstatiert Pfahl gestern gegenüber der Rundschau. Nun sei sein Sitz im Rat in Frauenhand, dennoch werde er nach vorne schauen und weiter für seine Partei kämpfen. Auch für den zu Beginn der Versammlung frisch gekürten Vorsitzenden Markus Pütz (39) geht dieses Ergebnis in Ordnung. Abstimmungsergebnisse muss man akzeptieren", so sein Kommentar. Die ehemalige Vorsitzende Heike Sonnack-Rohr, die nach internen Auseinandersetzungen ihren Rücktritt erklärt hatte, sprach jedoch von einem Rückschritt. Wir wollten doch eigentlich nach vorne gehen. Alle, die in der Vergangenheit gegen mich gekämpft haben, haben jetzt einen besseren Listenplatz bekommen."
Viele aus der alte Garde der Rheinbacher CDU, die aus persönlichen und beruflichen Gründen ihr Mandat im Laufe der Legislaturperiode abgegeben hatten, seien jetzt erneut ins Spiel gebracht worden. Beispiele dafür seien Fred Bongartz, Roswitha Mandt oder Michael Schneider. Auf der Reserveliste der CDU steht Bürgermeisterkandidat Stefan Raetz auf Platz 1, Vera Spitz auf Platz 2, Heike Sonnack-Rohr auf Platz 3, Markus Pütz auf Platz 4 und Bernd Beißel auf Platz 5. Danach geht es alphabetisch weiter.
Der neue Vorsitzende der Rheinbacher CDU, Markus Pütz ist Vater von vier Kindern und betreibt eine Rechtsanwaltskanzlei. Er ist seit 1989 in der Rheinbacher Kommunalpolitik aktiv - zuerst in der JU - und arbeitet inzwischen seit zwei Legislaturperioden in Ratsgremien der Stadt mit; seit der letzten Kommunalwahl ist er Ratsherr und stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Pütz lobte das Engagement, die Menschlichkeit und die Herzlichkeit, mit der seine Vorgängerin Heike Sonnack-Rohr politisch gearbeitet habe. Ihr eher unrühmliches Ende als Stadtverbandsvorsitzende kommentierte Sonnack-Rohr kurz: Wenn ich mir etwas vorzuwerfen hätte, dann wäre es mein zu großes Vertrauen, mein wohlmeinender Idealismus und mein mangelndes politisches Kalkül. Auch Bürgermeister und CDU-Spitzenkandidat Stefan Raetz meldete sich zu Wort, um die Arbeit der Vorsitzenden zu würdigen: Sie hat viel versucht, viele Angebote gemacht, nicht immer wurden sie angenommen", resümierte er. Der bisherige Vorstand könne mit erhobenem Haupt das Feld verlassen.