Unsere höchste Erhebung, die Zugspitze im Werdenfelsener Land, liegt mit 2962 Metern denkbar knapp unter der magischen 3000-Meter-Grenze. Diesen Umstand beklagen Tourismusmanager seit langem als Wettbewerbsnachteil gegenüber den angrenzenden Alpenstaaten: Frankreich hat Europas höchsten Gipfel, den Mont Blanc (4807 m), die Schweiz das Matterhorn (4478 m), Österreich den Großglockner (3797 m) und Italien sein Ortlermassiv (3899 m).
Seit längerem forschen Geowissenschafter der Uni Garmisch an Verfahren zur Stabilisierung von Kalkfelsgestein, das in den bayerischen Alpen wegen seiner porösen Beschaffenheit als besonderes Problem gilt. Dabei entwickelten die Wissenschaftler eine Methode, Natursteine mit einem Spezial-Betongemisch so zu stabilisieren, dass sie nicht mehr absturzgefährdet sind.
Im Auftrag der Bayerischen Staatsregierung soll nun am Ostgipfel der Zugspitze dieses Verfahren erstmals zum Einsatz kommen. Geplant ist, aus dem der Zugspitze vorgelagerten Höllental großflächige Felsbrocken herauszubrechen und am Ostgipfel wieder aufzubringen. 38 Meter wollen die drei Großsponsoren (BMW, der FC Bayern München und Outdoor-Spezialist Jack Wolfskin) der Felsspitze, auf der sich das Gipfelkreuz befindet, spendieren - womit die Zugspitze auf 3000 Meter anwachsen würde. Ein Plan, den Tourismusverbände fast uneingeschränkt begrüßen. „Für uns als Bergsteigernation wäre das sehr verlockend“, sagt auch Andrea Händel vom Deutschen Alpenverein, dessen Bergführer teilweise an den Arbeiten beteiligt sind. „Ein 3000er ist nun mal die Krönung einer jeden Region.“ Für den Fremdenverkehr sieht Händel ebenfalls interessante Impulse: „Wir rechnen fest damit, dass die Maßnahme mehr Japaner anzieht.“
Allerdings muss Händel auch eingestehen, dass das Bauvorhaben etwa die Murmeltiere irritieren würde: „Kann sein, dass sie ihre Löcher nicht mehr finden.“ Schwerere Einwände kommen von Manfred Kristen, Leiter der Wetterstation im Schneefernerhaus: „Das gibt geologische Probleme, denn der Ostgipfel hat nur ein kleines Fundament. Die Steine rutschen bald wieder ab.“ Zudem „würde unsere 104 Jahre dauernde Messreihe empfindlich gestört“, weil sich die Windverhältnisse änderten. Kristen weist auch auf den Ensembleschutz durch die Unesco hin. „Ich bezweifle, dass das mit den zuständigen Behörden abgestimmt ist.“ Die Zugspitze gehört zu Garmisch-Partenkirchen und Grainau.
Gestartet werden soll das Experiment dennoch im Sommer. Die Felsbrocken werden mit der Bayerischen Zahnradbahn bis zum Schneefernerhaus transportiert. Von dort bringen Hubschrauber das Gestein zum Ostgipfel. Hier wird es in Form eines Dreiecks mit dem Spezialbeton-Gemisch 38 Meter hoch aufgeschichtet. Die Form soll der nahe gelegenen Alpspitze ähneln. Das Ganze wird von drei Seiten mit starken Stahltrossen gesichert. So könne, meinen Experten, die neue Konstruktion Eis, Schnee und Sturm trotzen. (orths / eck)