Regenschauern und Windböen? Dagegen gibt es farbenprächtige Kostüme und vor allem gute Laune, wie der Weiberfastnachtszug in Roisdorf mit 31 Wagen, Gruppen und Musikkapellen bewies.
Zug in Bornheim-RoisdorfFarbe und Frohsinn als Rezept gegen Regen

Amen, Banana & Alaaf: Die Messdiener kamen als Minions.
Copyright: Frank Engel-Strebel
Viele Jecken sahen es pragmatisch: Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung. Hunderte Karnevalsfreunde trotzten den Regenschauern und den Windböen und feierten gestern begeistert den Weiberfastnachtszug in Roisdorf. Auf einer Zuglänge von 400 Metern verteilten sich 31 Wagen, Gruppen und Musikkapellen.
Erstmals dabei mit gut 80 Musikern war die befreundete Lumpenkapelle aus Eschach im Allgäu, die wegen der langen Anreise in der Nacht zuvor in der Turnhalle in Roisdorf übernachtet hatte und den Zug musikalisch ordentlich aufmischte. Gewohnt kreativ zeigten sich die Jecken aus dem Vorgebirgsort mit ihren Wagen und Fußgruppen. Von den Heimatfreunden gab's sogar einen Getränketipp: Statt Kölsch rieten sie den Karnevalisten, der „Versuchung nachzugeben“ und es doch mal mit dem „Roisdorfer Düwel“ zu probieren: „Wir mischen seit Jahren Sekt und Rebellenblut und haben auf der Kirmes dafür sogar einen eigenen Stand. Das schmeckt teuflisch gut! Fühlt sich ganz harmlos an, haut dann aber ordentlich rein“, beschrieb es der Vorsitzende der Heimatfreunde, Ernst Gierlich.

Zwei von 30 Sonnenblumen: Sybille Breuer (links) und Gabriele Kretschmer, hatten jede Menge Spaß.
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Bei den Nachbarn und Freunden der Brunnenallee schlug das „Wickinger-Hätz“, und die Minis der Messdiener von St. Sebastian hatten sich in kesse Minions verwandelt. Ihr Motto: „Amen, Banana & Alaaf“. Seit Jahrzehnten nicht wegzudenken aus dem Roisdorfer Lindwurm ist die Gruppe der „Sonnenblumen“. Die fidelen Damen machten das Vierteljahrhundert voll und glitzerten zu ihrem 25-Jährigen mit ihren schillernden, farbenfrohen Outfits „für Jlöck“. Angefangen hatte alles in der Session 2000/2001, als die damalige Roisdorfer Prinzessin Waltraud I. (Ostrowski) regierte. Sie war Erzieherin an der katholischen Kita St. Sebastian und liebte Sonnenblumen. In dieser Zeit formierten sich Eltern und Kita-Kinder zu der gleichnamigen Gruppe. Waltraud Ostrowski hat zwischenzeitlich einen Holländer geheiratet und lebt mittlerweile auf Ameland. Im vergangenen Jahr hatten einige der Sonnenblumen sie besucht. „Wir sind glücklich und stolz, jedes Jahr beim Zug mitzumachen, ze laache, ze fiere un ze danze“, sagte „Blümchen“ Sybille Breuer. Die Gruppe besteht aus rund 20 Frauen und zehn Männern.
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Die „Quellentiger“, ebenfalls Roisdorfer Urgesteine, sorgten für knallbuntes 80er-Jahre-Fieber, wohingegen die „Roisdorfer Mädche“ die 1920er Jahre aufleben ließen. Glanzvoller Höhepunkt war natürlich der große Prunkwagen von Roisdorfs 50. Karnevalsprinzessin in Folge, Nicole I. (Pällmann), die unter dem Motto „Heimat is e Jeföhl“ regiert und es am Ende des Zuges noch einmal so richtig Kamelle regnen ließ.

Die Heimatfreunde Roisdorf schworen auf "Roisdorfer Düwel".
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In diesem Jahr wurde erneut der Weg des Umzuges geändert. Start war am Alexander-von-Humboldt-Gymnasium und am Rathaus, wo auch die Ehrentribüne mit den Tollitäten stand. Diesmal ging es auch wieder über die Brunnenstraße, damit wurde auch das Oberdorf berührt: „Das war sehr aufregend und sehr spannend“, schilderte Zugleiter und Ortsvorsteher Karl-Heinz Nauroth der Rundschau. Eine Auflage der Ordnungsbehörde war es, dass die Roisdorfer Feuerwache an der Siegesstraße mit Gittern abgesichert werden musste und der Zugweg deswegen auch nicht am alten Kirchturm entlang gehen durfte: „Diese Absicherung zu organisieren war ein schwieriges Unterfangen, aber wir haben es geschafft“, erklärte Nauroth. Dafür ging es wieder durch die Brunnenstraße: „Das freute nicht nur die Anwohner, sondern auch viele unserer Sponsoren, die an der Brunnenstraße angesiedelt sind“, erklärte der Zugleiter, der sich bei seinen vielen „Helferlein“ im Vorfeld bedankte, da die Sicherheitsauflagen der Stadt bisweilen schwer umzusetzen waren. Glücklicherweise habe es großzügige Hilfe örtlicher Unternehmen gegeben, die bei der Absicherung geholfen und Nauroth zugearbeitet hatten: „Dieses tolle Team hat mir die Arbeit als Zugleiter sehr erleichtert.“
