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Europawahl 2019Erdrutsch: Grüne liegen vor der CDU

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Nicht begeistert von der ersten Prognose für die CDU: Claudia Lücking-Michel, Axel Voss und Christos Katzidis.

Bonn – „Oh“, stöhnten einige Christdemokraten bei ihrer Wahlparty in Poppelsdorf auf, als kurz nach 18 Uhr die Prognosen von ARD und ZDF die Union bundesweit bei rund 28 Prozent sahen. Bonns CDU-Kreisvorsitzender Christos Katzidis hatte kurz zuvor noch die Hoffnung geäußert, dass CDU und CSU zusammen vielleicht vorne eine „3“ vorweisen könnten.

Doch aus Sicht der Bonner CDU kam es am Wahlabend noch sehr viel dicker: Die Grünen sind bei der Europawahl in der Bundesstadt mit 32 Prozent der Stimmen stärkste politische Kraft geworden und liegen erstmals vor der CDU (23 Prozent). Die SPD folgt mit Abstand auf Platz 3 (15,4 Prozent).

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„Das ist ein Erdrutsch“, sagte die grüne Kandidatin für das Europarlament, die Bonnerin Alexandra Geese, die aufgrund des guten Abschneidens ihrer Partei künftig Europaparlamentarierin ist. Völliges Neuland ist Brüssel für die 50-jährige Mutter von drei Kindern nicht, denn sie ist freiberufliche Dolmetscherin, und zwar seit 2015 für das Europäische Parlament. Schon am Dienstag finde die erste Fraktionssitzung statt. „Es geht sehr schnell los“, sagte die Bonnerin am Wahlabend der Rundschau. Die große Grünen-Fraktion werde künftig in Brüssel ein gewichtiges Wort mitreden.

Riesenpotential für Grüne auf Bundesebene

Das Bonner Ergebnis zeige, was für eine Riesenpotential die Grünen in der Bundesstadt hätten, freute sich Tom Schmidt. Dass seine Partei bei der nächsten Kommunalwahl einen eigenen Oberbürgermeisterkandidaten aufstelle, sei da fast schon eine Selbstverständlichkeit.

Tausende Stimmzettel werteten die Stimmzähler allein im Bonner Stadthaus aus.

Enttäuscht und ernüchtert vom Wahlergebnis äußerte sich gegenüber der Rundschau der Spitzenkandidat der CDU, Axel Voss, der aber erneut ins Europäische Parlament einzieht, dem er seit 2009 angehört. Voss: „Das ist kein schönes Ergebnis.“ Der „Hype“ um den Klimawandel und Umweltschutz – klassische grüne Punkte eben – hätten die Debatten bestimmt. Die CDU müsse eine Neubewertung dieser Themen vornehmen. Das sieht auch Kreisvorsitzender Christos Katzidis so, der mit einem derartigen Ergebnis nicht gerechnet hatte und nun seine Partei auffordert, bei den Themen Nachhaltigkeit und Umwelt aktiver und positiver voranzugehen und nicht immer zuerst an Wohlstand und Wirtschaft zu denken, wie er am Wahlabend auf Anfrage sagte.

Zufrieden zeigte sich die FDP-Kreisvorsitzende Franziska Müller-Rech und der Fraktionschef Werner Hümmrich vom Abschneiden der Liberalen, die ihr Ergebnis nahezu halten konnten. In „unruhigen Zeiten“ sei das ein gutes Ergebnis, und man sei immerhin weiter viertstärkste politische Kraft in der Bundesstadt. Auf Platz 3 liegt in Bonn die SPD, die aber herbe Verluste von rund 13 Prozentpunkten hinnehmen musste. Die AfD blieb mit knapp sechs Prozent fast unverändert. Die Linke verlor knapp einen Prozentpunkt