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VerkehrGrünes Plädoyer gegen die Südtangente

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Rhein-Sieg-Kreis – Als „eines der absurdesten Projekte“, das im neuen Bundesverkehrswegeplan zu finden ist, hat der Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer (Düren) die umstrittene Südtangente bezeichnet. „Das Ding gehört da raus“, sagte der stellvertretende Grünen-Fraktionschef im Bundestag bei einem Besuch von Gut Heiderhof in Königswinter-Vinxel über die Straßenverbindung zwischen dem linksrheinischen Bonn-Hardtberg (A 565) und dem rechtsrheinischen Sankt Augustin-Birlinghoven (A 3).

Während eines Treffens bei der Grünen-Sommertour mit Vertretern des Vereins „Lebenswerte Siebengebirgsregion“ sagte der Parlamentarische Staatssekretär im NRW-Umweltministerium MdL Horst Becker (Lohmar): „Wir stehen an Ihrer Seite.“ Die Zweite Vorsitzende des Vereins, Susanne Gura, stellte aus ihrer Sicht klar: „Das Planungsrecht für die Südtangente muss verschwinden.“

Wie berichtet, steht die Südtangente nur als „weiterer Bedarf“ im Entwurf des Bundesverkehrswegeplans. Große Chancen auf Verwirklichung hat sie damit nicht. Becker sprach von „einer scheinheiligen Lösung des Bundes, um der CDU zu helfen“. Der relativ gute Kosten-Nutzenwert für das umstrittene Projekt sei „manipulativ hochgerechnet“ worden. Der Staatssekretär betonte, dass die Region mit der Rheinbrücke zwischen Wesseling und Niederkassel sowie dem sechsspurigen Ausbau der Autobahn 565 in Bonn zwei Projekte im Plan stehen habe, die politisch unumstritten seien, und auf die man sich konzentrieren solle. Beide sollten als „vordringlicher Bedarf“ und damit höher als die Südtangente eingestuft, werden.

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Treffen während der Sommertour

Becker und Krischer warnten vor einer gegenseitigen Blockade der Projekte, wenn die Südtangente im Plan bleibe, da in die Region Bonn/Rhein-Sieg nicht endlos viel Geld fließen werde. Als „nicht zukunftsfähig“ bezeichnete Kreistagsabgeordneter Martin Metz (Sankt Augustin) die Straßenplanung. Bonn und Sankt Augustin lehnten sie ab, der Kreistag sei gespalten, Königswinter sei gespalten. Das Festhalten an dem Projekt blockiere andere Ansätze, um die Verkehrssituation zu verbessern.

Metz und Becker sprachen von mehr Öffentlichen Personennahverkehr, dem Bau von Radschnellwegen, Park-and-Ride-Angeboten und von Optimierungen an bestehenden Strecken wie Kreuzungsumbauten. Metz räumte aber auch ein: „Wir werden in den Spitzenzeiten immer Staus haben, die Region ist ja ein Ballungsraum.“

Die beiden forderten die CDU auf, sich von dem Projekt – es wird auch von der Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg unterstützt – zu verabschieden und an einem regionalen runden Tisch nach Lösungen zu suchen. Horst Becker, der mit Blick auf die jahrelange Diskussion über die Südtangente und der damit verbundenen Blockade von einer „verkehrspolitischen Verelendungsstrategie“ sprach, sagte: Bleibe sie im Bundesverkehrswegeplan, werde das Projekt zum Thema bei den Landtags- und Bundestagswahlen im nächsten Jahr.

Nach Königswinter besuchten Becker und Krischer bei der Sommertour noch die Naturschule Aggerbogen in Lohmar-Wahlscheid. Sie hat sich in über 20-jähriger Arbeit einen weithin bekannten Ruf als hervorragende Umweltbildungsstätte erworben.

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