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Band „Blechformat“Bläser aus der Rureifel begeistern sich für handgemachte Musik

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Die Musiker der Gruppe Blechformat sitzen im Halbkreis auf Stühlen auf einer Wiese und machen Musik.

Die Zeit der Polohemden ist vorbei: Mittlerweile tritt Blechformat im Trachtenlook auf.

Die Gruppe „Blechformat“ aus der Rureifel macht Blasmusik mit hohem Anspruch und ist bereits Vize-Europameister.

Das ist mal ein Probenraum mit Atmosphäre: Zwischen Ständern mit Gardinen und anderen Dekorationselementen haben die Musiker ihre Stühle im Kreis aufgestellt. Die goldglänzenden Instrumente liegen griffbereit. Wenn Passanten vorbeikämen, würden sie vermutlich staunend stehenbleiben. Allerdings ist das Gewerbegebiet von Simmerath nicht sonderlich belebt an einem Dienstagabend.

Zur Probe kommen die sieben jungen Männer, die sich zum Ensemble Blechformat zusammengefunden haben, ganz zivil. Bei ihren Auftritten tragen sie mittlerweile nicht mehr Polohemden, sondern Trachtenlook, und das ist stimmig zu ihrem Musikstil. Fachleute nennen ihn böhmisch-mährisch. Die Egerländer Musikanten sind nicht nur die prominentesten Vertreter dieser Richtung, sondern gewissermaßen die „Mutter der Blasmusik“, wie Matthias Müller sagt. Der ist nicht nur Posaunist und Tenorhornspieler, sondern auch Hausherr im Probenraum: Der Raumausstatter-Betrieb gehört seiner Familie.

Drei Musiker der Band Blechformat im Trachtenlook beim Auftritt in einer Kirche.

Der Auftritt in der Kirche war für die Musiker herausfordernd, aber auch ein beeindruckendes Erlebnis.

Die übrigen sechs Musiker sind Nico Hoch, Matthias Krause, Felix Förster, Noah Hillinger, Andre Moosmayer und Cedric Hoch. Die Altersspanne reicht von 19 bis 35 Jahren, sie alle seien in Musikvereine aus dem Monschauer Raum großgeworden, erzählen sie.

Handgemachte Musik ist die große Leidenschaft der Blasmusiker

Aber warum machen sie ausgerechnet Blasmusik, der doch ein bisschen der Ruf des Altbackenen anhaftet? „Wir mögen einfach handgemachte Musik“, sagt Matthias Müller. Noah Hillinger, der als Berufsmusiker auch in Sinfonieorchestern spielt und Unterricht gibt, findet Blasmusik ausgesprochen vielseitig. Das bestätigt auch Cedric Hoch: „In unserer Besetzung können wir auch Stücke spielen, die eigentlich für große Orchester gemacht sind.“

Längst sind aus den Bandmitgliedern Freunde geworden. Schon die holperige Anfangszeit hat sie zusammengeschweißt. Denn kaum hatten sie die Gruppe im Jahr 2019 gegründet, drehte Corona allen Plänen eine lange Nase. Immerhin hatten sie genügend Zeit, am Namen zu basteln. Blechformat – da hört man einerseits das Instrumentarium heraus, andererseits den Anspruch, der sich eher in Richtung Profis orientiert: Blechbläser mit Format eben.

In unserer Besetzung können wir auch Stücke spielen, die eigentlich für große Orchester sind.
Cedric Hoch, Trompeter bei Blechformat

Dass die sieben gute Musik machen, hat sich herumgesprochen. In Weilerswist haben sie das Mundart-Festival „Mir kalle Platt“ eröffnet, in Monschau ein Konzert in der Markthalle gegeben. Dazu kommen Auftritte auf Schützenfesten oder Maifeiern. Und kürzlich durften sie eine Hochzeit musikalisch begleiten. „Das war ganz neu für uns, in einer Kirche zu spielen“, sagt Cedric Hoch. „Das war Wahnsinn, aber auch wahnsinnig schwierig“, stimmt ihm sein Bruder Nico zu. Noah Hillinger ordnet die Erfahrung eher sachlich ein: „Der Klang war gewaltig, machte aber die Rhythmik schwierig.“

Um 0,2 Punkte am Europameister-Titel vorbei gespielt

Alle drei Wochen treffen sich die Musiker zur Probe. Das heißt aber auch, dass in der Zeit dazwischen jeder zu Hause an seinem Part feilen muss. Außerdem ist Fortbildung angesagt, Cedric Hoch und Matthias Müller haben etwa einen Dirigenten-Lehrgang besucht. Matthias schreibt Stücke, Cedric arrangiert.

Jedes Jahr setzt sich die Truppe ein größeres Ziel. Ein sehr großes hat sie um Haaresbreite verpasst. Im vergangenen Jahr sind sie bei der Europameisterschaft der Böhmisch-Mährischen Blasmusik in Ulm auf dem zweiten Platz gelandet. 0,2 Punkte hätten sie vom Sieg getrennt, erzählen sie. Und wer hat die entscheidenden Hundertstelpunkte verbockt? Mit so einer Frage kann man die eingeschworene Truppe nicht entzweien. Das Urteil ist einhellig: Das lag an der Jury.

In diesem Jahr will Blechformat in ein Studio, um neue Stücke aufzunehmen. Mit eigenen Arrangements, weg von der klassischen Blasmusik. Auf den Pulten bei der Probe liegen Notenblätter für den „Egerländer Marsch“ und „Wo die Gipfel leuchten“. Aber die sieben können auch anders. Mit allem was Blech und Schlagwerk hergeben, stimmen sie sie einen Titel von den Bee Gees an: How Deep is Your Love. Klingt ungewohnt. Aber gut.