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Chefin geht in RuhestandIris Poth hat Nordeifel Tourismus GmbH auf Erfolgsspur gebracht

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Eine Frau geht mit ihrem Hund auf einem Wanderweg. An einem Zaunpfahl ist eine EifelSpuren-Wegemarkierung angebracht.

Die Nordeifel Tourismus GmbH hat unter der Federführung von Iris Poth das Wandern zu einem Steckenpferd der Region gemacht.

Die Geschäftsführerin der Nordeifel Tourismus GmbH geht bald in den Ruhestand. Zu Beginn gab es Widerstände gegen die kreisweite Organisation.

Nach 17 Jahren an der Spitze der Nordeifel Tourismus GmbH verabschiedet sich Iris Poth in den Ruhestand. Die Gründungsgeschäftsführerin des Unternehmens mit Sitz in Kall legt ihr Amt zum 1. August nieder. Die Leitung übernimmt ihr bisheriger Co-Geschäftsführer Patrick Schmidder – ein Anlass, auf fast zwei Jahrzehnte Aufbauarbeit zurückzublicken.

An die Anfangszeit erinnert sich Poth noch gut. Die Gründung der Vermarktungsagentur für die Nordeifel im Kreis Euskirchen verlief nicht ohne Widerstände. Wichtige Kommunen wie Bad Münstereifel, Nettersheim, Blankenheim und Dahlem waren zunächst nicht beteiligt. Gleichzeitig bestand nach der Einrichtung des Nationalparks Eifel im Jahr 2004 dringender Handlungsbedarf: Die touristische Vermarktung des großflächigen Natur- und Naherholungsgebietes musste neu organisiert werden. Während benachbarte Regionen bereits kooperierten, zog die Nordeifel erst später nach.

Unter zunehmendem politischen Druck entstand schließlich mit der Nordeifel Tourismus GmbH eine gemeinsame Organisation für den Kreis und seine elf Kommunen. Finanziert wird sie jeweils zur Hälfte vom Kreis und den beteiligten Städten und Gemeinden. Im aktuellen Haushalt belaufen sich die Mittel auf rund 800.000 Euro jährlich.

Nordeifel ist inzwischen drittgrößter Umsatzträger in der Region

Heute zählt die Gesellschaft nach eigenen Angaben zu den wichtigsten touristischen Akteuren der Region. Hinter der Eifel Tourismus GmbH und der Gesundland Vulkaneifel GmbH ist sie inzwischen der drittgrößte Umsatzträger in der Eifel. „Der Wert hat sich in den vergangenen 17 Jahren nahezu verdoppelt“, sagt Poth. Die Organisation sei etabliert und werde nicht mehr grundsätzlich infrage gestellt.

Zwei Männer und eine Frau stehen vor Roll-ups mit dem Slogan „Nah dran. Weit weg! Die Nordeifel“.

Iris Poth – hier mit ihrem designierten nachfolger Patrick Schmidder (l.) und Landrat Markus Ramers – stand seit der Gründung an der Spitze der NET.

Besonderen Wert legt Poth auf die Bedeutung des Tourismus für die Region. Die Angebote kämen nicht nur Gästen zugute, sondern auch den Menschen vor Ort – etwa durch ein gut ausgebautes Netz an Wander- und Radwegen. Es sei eine zentrale Aufgabe gewesen, den Tourismus als wirtschaftlichen Faktor sichtbar zu machen und nicht als bloßes „Nice-to-have“.

Aus dem einstigen „Dornröschenschlaf“ habe sich die Nordeifel deutlich entwickelt, so Poth. Als Beispiele nennt sie unter anderem die inzwischen mehr als 100 Eifelschleifen und Eifelspuren, die Eifelradschleifen sowie Veranstaltungsformate wie „Zu Gast in der eigenen Heimat“, die Krimitage „Nordeifel – Mordeifel“, die „Sternenblicke“ und das Trekkingplatzangebot. Auch das Thema „Nachhaltigkeit“ habe in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen; eine entsprechende Zertifizierung wurde erreicht.

Wanderwege als Herzstück der touristischen Infrastruktur

Größere Rückschläge habe es in ihrer Amtszeit kaum gegeben. Einzelne Projekte wie die „Wandersaison-Openings“ oder die „Tourismuswerkstatt“ wurden allerdings wieder eingestellt – nicht zuletzt, weil viele Betriebe aktuell andere wirtschaftliche Herausforderungen zu bewältigen hätten.

Als besonders einschneidend nennt Poth die Corona-Jahre 2020 und 2021 sowie die Folgen der Flutkatastrophe im Juli 2021, von der sowohl die Geschäftsstelle in Kall als auch das Nationalparktor in Gemünd betroffen waren. Gleichzeitig fiel in diese Zeit die Einführung der Eifelschleifen und Eifelspuren – ein Angebot, das vom wachsenden Interesse am Wandern profitierte und heute das Herzstück der touristischen Infrastruktur bildet.

Zum Abschied verrät die NET-Chefin ihren Lieblingsort in der Nordeifel

Für Iris Poth endet damit eine lange berufliche Etappe, die sie nach eigenen Worten „jeden Tag gerne“ gestaltet hat. Künftig engagiert sich die studierte Wirtschaftsgeografin unter anderem als Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung Kloster Steinfeld. Bereits ab Juli wird sie ihren Arbeitsplatz im Kaller Bahnhof räumen.

Mit Blick auf die Zukunft wünscht sie der Organisation stabile Rahmenbedingungen – insbesondere eine verlässliche finanzielle Unterstützung durch Kreis und Kommunen. Gleichzeitig appelliert sie an die Betriebe in der Region, sich weiterhin aktiv einzubringen.

Und ihr persönlicher Lieblingsort? Nach kurzem Zögern entscheidet sich Poth für Reifferscheid: „Ich komme aus der Gemeinde Hellenthal und hatte die Burg schon als Kind auf dem Schulweg vor Augen. Das ist für mich Heimat.“