Das vierte Quartal 2025: In Euskirchen wird eine Rotationshaftanstalt geplant, es gibt die ersten Fälle von Vogelgrippe und in Tondorf muss über Wochen das Trinkwasser abgekocht werden.
JahresrückblickIm Euskirchener Erlenhof zusätzliche Haftanstalt für 640 Gefangene geplant

Die Justizvollzugsanstalt (JVA) Euskirchen.
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Gemunkelt hatte man schon länger, jetzt ist es offiziell: Das NRW-Justizministerium wird den Justizvollzugsstandort in Euskirchen ausbauen. Auf dem landeseigenen Grundstück, auf dem sich bereits eine JVA des offenen Vollzugs befindet, soll zusätzlich eine Einrichtung des geschlossenen Vollzuges entstehen.
Genutzt werden soll der Neubau mit 640 Haftplätzen als Rotationsanstalt: In Euskirchen sollen Gefangene aus anderen nordrhein-westfälischen Justizvollzugsanstalten unterkommen, in denen dringend notwendige Sanierungsarbeiten durchgeführt werden müssen. Nach und nach soll der Justizvollzug umfassend modernisiert werden.
Aktuell sind in der JVA Euskirchen 330 Insassen, im Neubau gibt es 640 Haftplätze
Die neue JVA werde modernen Anforderungen an die Sicherheit entsprechen, funktional auf den Resozialisierungsauftrag des Justizvollzugs zugeschnitten sein und nach nachhaltigen Standards errichtet, heißt es seitens des Justizministeriums. Aktuell sind etwa 330 Häftlinge im Erlenhof untergebracht. Nach Fertigstellung des Erweiterungsbaus werden es fast dreimal so viele sein.
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Im Juli 2021 war auch der Erlenhof massiv von der Flutkatastrophe betroffen. „Teilweise liefen hier 140 Bautrockner gleichzeitig“, hatte Anstaltsleiterin Jennifer Rybarczyk nach der Flut berichtet. Daraus wurden Lehren gezogen: Hafträume im Keller, die damals teilweise unter Wasser standen und glücklicherweise leer waren, werden nicht mehr mit Gefangenen belegt. Jetzt aber soll genau in dem Bereich, der damals überflutet worden war, der Neubau entstehen. „Der Aspekt des Hochwasserschutzes fließt in die weiteren Planungen ein. Die Erfahrungen aus dem Hochwasser im Jahr 2021 werden dabei besonders berücksichtigt“, erklärte Jan Pfetzing, Pressesprecher des Justizministeriums, auf Anfrage.
Das Land NRW hat das Baurecht, ihm gehört das Erlenhof-Gelände
Bei allen wichtigen Schritten werden sich das Ministerium und der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB NRW) „eng mit den beteiligten Stellen abstimmen“, heißt es in der Mitteilung. Insbesondere mit den politischen Gremien und den Verwaltungen der Stadt und des Kreises Euskirchen. Einfluss auf das Projekt aber hat die Stadt Euskirchen nicht: Das Erlenhof-Gelände gehört dem Land NRW, das dementsprechend auch das Baurecht für das Grundstück hat.
Der geschlossene Vollzug im Neubau soll – genau wie der benachbarte offene Vollzug – ein reines Männergefängnis werden. Eine sogenannte Sicherungsverwahrung, also eine über die eigentliche Haftstrafe hinausgehende Inhaftierung von besonders gefährlichen Straftätern, solle es in der neuen Justizvollzugsanstalt nicht geben, teilt das NRW-Justizministerium mit.
Bis der Bau steht und die ersten Insassen darin untergebracht werden, werden noch ein paar Jahre vergehen. Sicher ist: Mit dem Ausbau des JVA-Standorts Euskirchen werden „sichere und attraktive Arbeitsplätze“ entstehen, so das Justizministerium.
Ein erster Fall von Geflügelpest im Kreis Euskirchen wird bestätigt
Es war nur eine Frage der Zeit, bis die grassierende Vogelgrippe auch den Kreis Euskirchen erreichen würde. Am 6. November ist es dann soweit: Bei einem in Zülpich-Füssenich aufgefundenen, toten Kranich wird das Virus nachgewiesen, wie das Veterinäramt des Kreises Euskirchen mitteilt.
Dessen Leiter Dr. Reinhard Klaas ruft alle Geflügelhalter eindringlich zu erhöhter Vorsicht auf: „Es muss jederzeit mit weiteren Fällen gerechnet werden.“ Wer Geflügeltiere hält – egal, ob privat oder gewerblich – wird aufgerufen, eine Einschleppung in die Bestände mit allen Mitteln zu verhindern.
Geflügelhalter sollen fortan Futter nur an Stellen anbieten, die für Wildvögel nicht erreichbar sind. Auch Tränken, Einstreu und Gerätschaften müssen gesichert werden. Wer Tiere zu seinem Bestand dazukauft, muss diese zunächst in Quarantäne halten.

Bisher wurden nur zwei Vogelgrippe-Fälle im Kreis Euskirchen nachgewiesen. Trotzdem ist nach wie vor große Vorsicht geboten.
Copyright: Tom Steinicke
Am 19. November bestätigt sich ein zweiter Fall von Vogelgrippe im Kreis Euskirchen. Wieder wird ein Kranich gefunden, der auf seinem Flug in den Süden verendet ist und bei dem das Vogelgrippe-Virus nachgewiesen werden kann. Die Anordnungen des Kreisveterinäramtes werden daraufhin verschärft: Bis zum 20. Dezember darf in Kuchenheim Geflügel nur noch in geschlossenen Stallungen gehalten werden. Im gesamten Kreisgebiet sind darüber hinaus Geflügelausstellungen, Börsen, Märkte sowie Veranstaltungen ähnlicher Art verboten.
Beim Veterinäramt des Kreises Euskirchen geht man aufgrund der dynamischen Entwicklung der Geflügelpest davon aus, dass es zu weiteren Fällen kommen wird. Laut dem Friedrich-Löffler-Institut ist noch keine Entspannung in Sicht. Im Kreis Euskirchen konnte bislang aber kein weiterer Fall nachgewiesen werden.
Gesundheitsgefährdende Bakterien im Tondorfer Trinkwasser
Bei einer routinemäßig durchgeführten Probeentnahme im Trinkwassernetz der Gemeinde Nettersheim wird in Tondorf an mehreren Stellen eine Belastung mit Enterokokken und coliformen Bakterien festgestellt. Das teilt das Gesundheitsamt des Kreis Euskirchen am 10. Oktober mit. Mit Flyern, Feuerwehrdurchsagen und Warn-Apps werden die Bürgerinnen und Bürger in der betreffenden Ortschaft informiert. Es gilt ein sofortiges Abkochgebot für das Leitungswasser.
Bei Enterokokken handelt es sich um Darmbakterien, die schwere Krankheiten auslösen können: Blutvergiftungen, Entzündungen der unteren Atemwege, Entzündungen von Haut und Gewebe, von Organen, Harnwegsinfektionen, Entzündungen der Herzinnenhaut und Augenentzündungen. Besonders heikel ist: Enterokokken sind oft antibiotikaresistent. Auch coliforme Bakterien seien im Trinkwasser nicht zu tolerieren, schreibt das Umweltbundesamt auf seiner Internetseite. Manche Arten wären ursächlich für Durchfall und Magenprobleme, was besonders für ältere Menschen und Kinder gefährlich sei.

Mit Hilfe der Spezialisten des Wasserverbandes Oleftal wurde die Chlorungsanlage im Hochbehälter in Tondorf installiert.
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Die Suche nach der Ursache gestaltet sich schwierig. Der Hochbehälter Tondorf und die anderen Anlagen des Wasserwerks der Gemeinde Nettersheim wiesen keine Belastungen auf, so die Kreisverwaltung. Das gesamte Leitungsnetz werde gespült und desinfiziert. Bei einer Bürgersprechstunde am 27. Oktober zeigt sich, wie verunsichert die Menschen sind. Das Abkochgebot für das Trinkwasser gilt mittlerweile schon für die dritte Woche. Trotz der Chlorung des Wassers werden noch immer Keime im Tondorfer Wasser nachgewiesen. Warum wird die Ursache nicht gefunden?
Am 1. November kommt die Entwarnung. Das Leitungswasser muss nicht mehr abgekocht werden und kann uneingeschränkt getrunken oder für die Zubereitung von Speisen und Getränken verwendet werden. An drei aufeinanderfolgenden Tagen wurde keine Verunreinigung mehr nachgewiesen, was die Voraussetzung dafür ist, das Abkochgebot aufheben zu können.
Woher die Keime stammten, ist weiterhin unklar. Am wahrscheinlichsten als Grund sind Bauarbeiten in der Falkenberger Straße am Trinkwassernetz. Hier wurde das normalerweise geschlossene Netz geöffnet, womit die Gefahr für Verschmutzungen bestand. Im Umfeld der Baustelle wurden die ersten Verschmutzungen festgestellt. Eine weitere Möglichkeit wäre ein Schaden an einem Hydranten oder einem Rohr, dann könnten beispielsweise Verschmutzungen von einem Acker in die Leitung gelangen. Vorsichtshalber wird das Wasser weiterhin gechlort und die Leitungen gespült.
Aus dem vierten Quartal 2025
1. Oktober Im Kreishaus hat die Kantine einen neuen Betreiber: die Nordeifelwerkstätten (NEW). Damit setzt die Kreisverwaltung Euskirchen ein klares Statement als inklusiver Arbeitgeber. Die Kantine ist offen für rund 1000 Mitarbeitende in der Verwaltung, das DRK, das Jobcenter und auch für Bürgerinnen und Bürger.
10. Oktober An der Roitzheimer Straße wird eine Weltkriegsbombe entdeckt, die nicht vollständig entschärft werden kann. Die Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes bringen den 250-Kilo-Blindgänger auf einem Feld zwischen Stotzheim und Kuchenheim kontrolliert zur Explosion. Rund 700 Menschen mussten hierfür evakuiert werden.

Auf einem Feld zwischen Stotzheim und Kuchenheim wird der Blindgänger gesprengt, der am Vortag in der Roitzheimer Straße entdeckt worden war.
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Am Berufsbildungszentrum in Euskirchen-Euenheim wird der Förderbescheid für den Neubau der Zukunftswerkstatt überreicht. Auch Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (r.) ist anwesend.
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14. November Das Berufsbildungszentrum Euskirchen (BZE) soll neu gebaut werden. Von den 75 Millionen Euro übernimmt das Land NRW 67 Millionen. Den Förderbescheid überbringt Arbeitsminister Karl-Josef Laumann. Ausbildungsschwerpunkte sind dann erneuerbare Energien, Wasserstofftechnik, Robotik, KI und Quantencomputing.
18. November Bei einer Razzia wird in einem Wohnhaus in Weilerswist eine große Marihuana-Plantage entdeckt. Mehr als 1000 Pflanzen sowie professionelles Anbau-Equipment werden sichergestellt. Ein 35-Jähriger wird vor Ort wegen des Verdachts der Beteiligung am organisierten Drogenhandel festgenommen.

Polizei, Feuerwehr und Kripo sind im Einsatz auf der Kölner Straße und heben eine Marihuana-Plantage mit über 1000 Pflanzen aus.
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Insgesamt 44 Traktoren, Lkws und Privatfahrzeuge nehmen an der Lichterfahrt durch Kall, Gemünd und Schleiden teil.
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13. Dezember Insgesamt 44 weihnachtlich geschmückte Traktoren, Lastwagen und Motorräder brechen auf zur Lichterfahrt von Schleiden nach Kall. Was hübsch anzusehen ist, hat aber auch eine politische Botschaft: Die teilnehmenden Landwirte sprechen sich auf Plakaten dafür aus, das Renteneintrittsalter bei 67 Jahren zu belassen.
16. Dezember Mehr als vier Jahre nach der Flut schließt das Hilfszentrum Schleidener Tal (HIZ), da der Hilfs- und Beratungsbedarf von Flutbetroffenen deutlich gesunken ist. Unter einem Dach hatten hier Malteser, Caritas, Diakonie, Awo, DRK, Stadt und Kreis Hand in Hand gearbeitet, unter anderem in der psychosozialen Unterstützung.




