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Iris Poth im RuhestandIn 34 Jahren viel für die Wirtschaft im Kreis Euskirchen bewegt

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Iris Poth mit einem orange-gemusterten Sommerkleid in ihrem Büro in der Euskirchener Kreisverwaltung.

Die letzten Akten sind durchgearbeitet und bereit zur Übergabe: Iris Poth, seit mehr als 34 Jahren im Bereich Wirtschaftsförderung beim Kreis Euskirchen angestellt, geht in den Ruhestand.

Nach mehr als 34 Jahren als Wirtschaftsförderin im Kreis Euskirchen geht Iris Poth, die auch Geschäftsführerin der Nordeifel Tourismus GmbH ist, in den Ruhestand.

Dass eine Powerfrau – dieser inzwischen reichlich abgedroschene Begriff soll in diesem Text wirklich nur einmal verwendet werden – wie Iris Poth ab dem 1. August die Füße hochlegt, sich um die Blumen in ihrem Garten kümmert oder nur noch ausgedehnte E-Bike-Touren mit ihrem Mann unternimmt, kann man sich gar nicht so recht vorstellen.

Und dennoch: Ab dem 1. August wird die Marmagenerin mehr Zeit für ihre Hobbys haben, denn dann geht die Leiterin der Stabsstelle 80 (Struktur- und Wirtschaftsförderung) der Euskirchener Kreisverwaltung, die auch Geschäftsführerin der Nordeifel Tourismus GmbH (NET) ist, in den wohlverdienten Ruhestand. Offiziell aus ihrem Amt verabschiedet wurde sie bereits, den Rest des Monats nutzt sie zum Urlaubsabbau.

1992 begann Iris Poth ihre Laufbahn bei der Kreisverwaltung Euskirchen

34 Jahre und drei Monate war Poth dann für die Kreisverwaltung tätig, hat in dieser Zeit mit den beiden Oberkreisdirektoren Dr. Karl-Heinz Decker (bis 1993) und Dr. Ingo Wolf (bis 1999) sowie den hauptamtlichen Landräten Günter Rosenke und Markus Ramers (seit 2020) das Thema „Wirtschaftsförderung“ zwischen Weilerswist und Losheimergraben beackert. „1992 war das Thema als Sachgebiet im Planungsamt angesiedelt. Neben mir gab es noch zwei Mitarbeiter“, erinnert sich Poth an den Anfang ihrer Laufbahn beim Kreis. Heute ist die Abteilung auf zwölf Mitarbeitende angewachsen.

Für mich gibt es da keine Trennung zwischen Wirtschaftsförderung und Tourismus, denn Tourismus ist Wirtschaftsförderung.
Iris Poth, Kreisverwaltung Euskirchen

Neben den klassischen Aufgaben der Wirtschaftsförderung, etwa die Beratung und Begleitung von Unternehmensgründern, die Ansiedlung neuer Unternehmen oder die Verbesserung von Standortfaktoren, übernahm Poth nach und nach auch Aufgaben der Tourismusförderung im Kreis Euskirchen. 2009 wurde ihr schließlich die Geschäftsführung der NET übertragen.

„Für mich gibt es da keine Trennung zwischen Wirtschaftsförderung und Tourismus“, betont Poth: „Denn Tourismus ist Wirtschaftsförderung.“ Die Zahlen sprechen für sich: „Allein im Jahr 2024 wurden in der Nordeifel rund 8,6 Millionen Tagesreisen und über 1,3 Millionen Übernachtungen gezählt, die einen Bruttoumsatz von rund 367 Millionen Euro generiert haben“, heißt es in einer Mitteilung der NET. Geld, das über die Gastbetriebe in Form von Löhnen, Wareneinkäufen und Handwerkerrechnungen in die Region zurückfließt.

Erste Berufsstationen absolvierte Iris Poth im Erftkreis und in Mechernich

Dass der Kreis Euskirchen inzwischen gut aufgestellt ist, was das touristische Angebot und die Wertschöpfung angeht, liegt also auch an der beharrlichen Arbeit des „Eifeler Mädchens“, die ihrer Heimat bis heute stets treu geblieben ist: Nach dem Abitur am Städtischen Gymnasium in Schleiden ging sie für ein Studium der Wirtschaftsgeografie nach Aachen. Erste praktische Erfahrungen sammelte sie dann bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Rhein-Erft und bei der Mechernicher Stadtverwaltung, bevor sie im Mai 1992 beim Kreis anfing.

Neben den vielen Erfolgen gab es dort aber auch einige Enttäuschungen. „Anfang der 90er-Jahre, nachdem der Bundestag den Umzug von Regierung und Ministerien nach Berlin beschlossen hatte, wurde ein großes Ausgleichsprogramm für Bonn und die Region aufgelegt“, ruft Poth in Erinnerung: „Der Kreis Euskirchen wollte unbedingt in diesen Fördertopf mit aufgenommen werden, weil wir ja auch aufgrund der zahlreichen Beschäftigten, die von hier nach Bonn pendelten, mitbetroffen waren.“ OKD Decker habe sie damals zu unzähligen Terminen mitgenommen – letztlich aber ohne einen positiven Ausgang für den Kreis Euskirchen.

Statt Hybrid-Campus kam die Ideenfabrik als „Gründerzentrum light“

Ein großes Förderprogramm wurde nach dem beschlossenen Kohleausstieg auch für den Strukturwandel im Rheinischen Revier aufgelegt, der bis 2038 mit rund 14,8 Milliarden Euro aus Bundes- und Landesmitteln gefördert werden soll. Hier schaffte der Kreis Euskirchen – etwas überraschend – die lukrative Aufnahme ins Fördergebiet, wobei es jedoch für den geplanten Hybrid-Campus in Euskirchen keinen Zuspruch gab. „Aber das war eine politische Entscheidung, denn unser Konzept für ein innovatives Gründerzentrum war gut“, beharrt Iris Poth.

Mehr Übernachtungskapazitäten an diesem Standort sind auf jeden Fall erforderlich.
Iris Poth über das geplante Hotel für Vogelsang

Immerhin: Die Ideenfabrik in der Alten Tuchfabrik zwischen Euskirchen und Euenheim konnte, quasi als „Gründerzentrum light“, realisiert werden. Poth hofft, dass das 2023 gestartete Projekt bis zum Jahr 2030 fortgeführt wird. Damit würde die Einrichtung, die sich laut Verwaltung als „regionales Zentrum für Gründung, Vernetzung und nachhaltiges Wirtschaften etabliert hat“, langfristig gesichert. Aktuell wird von der Politik im Kreis Euskirchen jedoch über den Fortbestand der Einrichtung, die den Kreis im Jahr rund 230.000 Euro kostet, wegen der angespannten Haushaltslage diskutiert.

Über ein Hotel in Vogelsang würde sich die Tourismus-Chefin freuen

Unter der Leitung von Iris Poth wurden in den vergangenen Jahren auch die Weichen für einige Projekte gestellt, die sich inzwischen erfolgreich etabliert haben. Ab dem Jahr 2006, als der ehemalige Truppenübungsplatz Vogelsang geöffnet wurde, übernahmen Poth und ihr Team die operative Förderabwicklung bis zur Auflösung der Standortentwicklungsgesellschaft. „Dort würde uns heute und in Zukunft das geplante Hotel noch ein Stück weiterbringen – egal, in welcher Dimension es letztlich realisiert wird“, sagt Poth: „Mehr Übernachtungskapazitäten an diesem Standort sind auf jeden Fall erforderlich.“

Ideen für die wirtschaftliche und touristische Weiterentwicklung ihrer Heimat hätte Iris Poth sicher auch noch für die kommenden Jahre – das wird deutlich, wenn man sich mit der Marmagenerin unterhält. Im etwas kleineren Rahmen als bislang wird Poth solche Ideen vielleicht im Rahmen einer neuen Aufgabe umsetzen, die sie bereits in diesem Frühjahr übernommen hat: Im Kuratorium der Stiftung Kloster Steinfeld hat Poth die Nachfolge der ehemaligen Staatssekretärin Dr. Marion Gierden-Jülich angetreten.

Denn auch wenn sie mehr Zeit im Garten, auf Reisen und beim – ein weiteres Hobby – Malen verbringen will: Eine Powerfrau und Netzwerkerin wie Iris Poth ist nicht dafür gemacht, die Füße hochzulegen.