Die Räuber hatten die Zülpicher Seniorin gefesselt und ihren Mund zugeklebt. Jetzt wurde ein Täter im Bonner Landgericht verurteilt.
Zu Haftstrafe verurteiltEssener hatte 84-Jährige in Zülpich beraubt

Vor dem Landgericht Bonn musste sich ein Angeklagter für den Überfall auf eine Seniorin in Zülpich verantworten.
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Aus Geldnot hatte sich ein heute 26-Jähriger aus Essen darauf eingelassen, eine Witwe in Zülpich zu überfallen und zu berauben. Die Quittung für die brutale Tat am 16. März 2023 bekam er am Freitag: Die Große Strafkammer 7a des Bonner Landgerichts verurteilte den jungen Mann wegen erpresserischen Menschenraubes, schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und drei Monaten.
Die Staatsanwältin hatte sechs Jahre gefordert. Das Verbrechen, so urteilte der Vorsitzende Richter Frederik Glasner, sei „geprägt gewesen von erheblicher krimineller Energie und von einem erheblichen Maß an Aggressivität“. Mildernde Umstände hätten dem Angeklagten trotz seines Geständnisses und seiner Bitte um Entschuldigung bei dem Opfer nicht zugebilligt werden können. Glasner: „Es war eine heftige Tat.“
Es war eine heftige Tat.
Nach Erkenntnissen der Kammer war der 26-Jährige mit zwei Jugendlichen von einem Nachbarn der heute 84-jährigen Frau angeheuert worden. Er hatte den Überfall geplant, weil er bei der alleinlebenden Rentnerin reiche Beute in einem Tresor vermutete. Deswegen hatte er ihr Haus unter dem Vorwand, er wolle ihr beim Einrichten eines Handys helfen, ausspioniert und dabei auch Fotos gemacht.
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Gegen 20 Uhr am 16. März 2023 trafen sich die vier in einem Park, wo die drei Handlanger letzte Instruktionen von dem Planer erhielten, der den Einbruch aus seiner Wohnung beobachten wollte. Vereinbart war, dass der Mann aus Essen 150 Euro bekommen sollte, der Drahtzieher hingegen die komplette Beute, von der er die beiden Komplizen entlohnen wollte.
Ein damals 16-Jähriger stand Schmiere, ein zur Tatzeit 15-Jähriger brach mit dem Angeklagten durch den Keller ein. Entgegen der Planungen stand den beiden Maskierten jedoch im Hausflur plötzlich die Rentnerin in Nachthemd und Bademantel gegenüber. Sie warfen sie zu Boden, fesselten ihre Hände und Füße mit Panzertape und klebten ihr auch den Mund zu.
Den Safe gab es in Wahrheit gar nicht
Während der Jüngere die Frau bewachte, durchsuchte der 26-Jährige das Obergeschoss, durchwühlte Schränke und Kommoden, fand aber den vermuteten Tresor nicht, worauf er die Gefesselte wiederholt aggressiv anschrie und nach dem Safe fragte, den es in Wahrheit gar nicht gab.
Die Einbrecher raubten schließlich Bargeld, Schmuck und Besteckteile im Gesamtwert von 4000 bis 5000 Euro, lösten die Fesseln des Opfers, das anderthalb Stunden in ihrer Gewalt gewesen war, zerschnitten das Telefonkabel und versteckten sich draußen.
Die Witwe alarmierte kurz vor 23 Uhr die Polizei, die in Tatortnähe zwar den 16-Jährigen, der während des Überfalls vor dem Haus gewartet hatte, erwischte, ihm aber vorerst nichts nachweisen konnte. Der 26-Jährige übergab dem Planer die Beute in einem Karton, kassierte die versprochenen 150 Euro und fuhr zurück nach Essen.
Die Kripo konnte den Überfall zügig aufklären, weil der damals 15-Jährige verpfiffen wurde. Er verbüßt zurzeit eine dreieinhalbjährige Jugendstrafe. Der Schmieresteher kam mit einem Arrest davon. Gegen den Planer wurde im Februar dieses Jahres Anklage erhoben. Die Beute ist verschwunden. „Die haben die eingeschmolzen“, sagte die Witwe als Zeugin: „Auch die Kette mit dem Kreuz. Das macht man doch nicht, da war doch der Jesus drauf!“