Elsenroth – Nico ist ein junger Mensch, von dem sich die meisten von uns eine ganz dicke Scheibe abschneiden können. Nico ist 15 Jahre alt. In der Schule glänzt er mit Super-Noten. Er liebt es, mit seinem besten Freund am Computer zu zocken und schwärmt vom FC Bayern. Nico ist ein ganz normaler Teenager.
Als er zwei Jahre alt ist, fällt seiner Mutter zum ersten Mal auf, dass sich Nico anders verhält als sein zwei Jahre älterer Bruder Felix. In der Badewanne sackt sein kleiner Körper häufiger vor Schwäche zusammen. Lisa Osenberg erfährt beim Kinderarzt: Nico leidet an Muskeldystrophie, eine Krankheit, die im Volksmund Muskelschwund genannt wird und für deren Forschung sich noch vor kurzem weltweit Millionen von Menschen vor laufender Kamera Eiswasser über den Kopf geschüttet haben.
Bis zu seinem neunten Lebensjahr konnte Nico noch laufen, seitdem bewegt er sich mit seinem Rollstuhl fort, wird zig Mal am Tag von seiner Mutter gehoben, nachts immer wieder von ihr gedreht, damit er die Schmerzen erträgt. Lisa Osenberg fragt nicht nach dem Warum. Sie tut es einfach, denn sie liebt ihren Sohn.
Nico kann heute nur noch seine Finger bewegen und er kann sprechen – noch. Er erzählt, ein bisschen schüchtern, davon, dass er nicht wirklich Träume hat. Nico lebt im Hier und Jetzt, und er tut das mit einer inneren Stärke, wie sie viele gesunde Erwachsene nicht haben. Er jammert nicht über sein Schicksal, er genießt das Leben mit seinen vier Geschwistern und seinen Eltern, Lisa und deren Ehemann Michael Osenberg, für die Nico der zauberhafteste Junge überhaupt ist. Im kommenden Jahr beendet Nico zunächst mal die Schule mit der zehnten Klasse. Wie es dann weiter geht, weiß man im Hause Osenberg noch nicht wirklich. „Nico hat schon zweimal ein Praktikum als Produktdesigner gemacht und ist unglaublich begabt“, erzählt Michael Osenberg stolz. „Eigentlich müsste er weiter zur Schule gehen“, fügt Mama Lisa an. „Aber soweit ist die Inklusion dann eben doch noch nicht.“
„Helfende Hände Oberberg“ eingeschaltet
Seit kurzem ist Nicos Schicksal über die sozialen Netzwerke weit bekannt geworden. Zögernd hatten sich die Osenbergs an die „Helfenden Hände Oberberg“, ein Projekt der Waldbröler Ursula-Barth-Stiftung, gewandt. Jahrelang ist die tapfere Familie alleine klar gekommen, hat ihr Leben komplett auf das schwerkranke Kind eingerichtet, ohne die Familie im Ganzen aus den Augen zu verlieren. Und das Bemerkenswerteste: Alle Augen leuchten fröhlich, wenn sie von sich erzählen, keine Spur von Selbstmitleid. Doch nun brauchen die Osenbergs tatsächlich mal Hilfe. Ihr alter VW-Bus geht gerade in die Knie. Außerdem ist Nico mit 15 kein Kind mehr und benötigt einen neuen Rollstuhl, der auch seinen Kopf in der Balance hält. Das Gefährt ist zwar schon bestellt und auch genehmigt, passt aber dann nicht in den alten Bus. Über verschiedene Organisationen hat die Familie in den vergangenen Monaten bereits Zusagen für eine Unterstützung versprochen erhalten, nun ist noch ein Betrag von rund 10.000 Euro offen.
Bettina Hühn, Geschäftsführerin der Ursula-Barth-Stiftung, fackelte nicht lange. Innerhalb kürzester Zeit hat sie eine Lawine der Hilfsbereitschaft losgetreten, die Lisa Osenberg fassungslos macht. Das Autohaus Halstenbach in Wiehl-Bomig wird für einen sensationellen Preis einen Neuwagen zur Verfügung stellen, mit der passenden Vorrichtung für eine Rampe. Dieses Auto bedeutet für Nico Lebensqualität pur, denn damit kann er mit seiner Familie Ausflüge machen und zur Therapie gebracht werden.
Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) hatte die Kostenübernahme für die Rampe bereits zugesagt, jetzt aber wieder einen Rückzieher gemacht. Nach diversen politischen Interventionen liegt der Vorgang inzwischen in Düsseldorf bei der Landesregierung.
Einen Riesenschritt in die richtige Richtung machte die Zusage der Volksbank Oberberg, Nicos „Fall“ in ihre Crowdfunding-Aktion einzubinden. „Ich habe Nico versprochen, dass wir ihm seinen Wunsch nach einem Auto samt Rampe erfüllen“, gibt sich Bettina Hühn kämpferisch. „Und das schaffen wir verdammt noch mal auch!“ Wer helfen möchte, kann sich entweder an eine Filiale der Volksbank wenden oder das Internet nutzen.